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Technik und Wissenschaft

Mobilfunkanbieter planen Satellitennetz als Alternative zu Starlink

Das Konsortium soll als europäische Alternative zu Elon Musks Starlink dienen, während die EU-Kommission neue Vergabeauktionen und Kapazitätsvorgaben vorbereitet.

Der europäische Telekommunikationsmarkt reagiert auf die dominante Marktstellung US-amerikanischer Anbieter im All. Ein Zusammenschluss aus vier namhaften Unternehmen plant Berichten zufolge die Errichtung einer gemeinsamen Satelliteninfrastruktur für Mobiltelefone, wie aus Informationen hervorgeht. In Europa wachsen jedoch die Vorbehalte gegen eine zunehmende technologische Abhängigkeit von US-Konzernen, während gleichzeitig die Verlässlichkeit von Elon Musk in Geschäftspartnerschaften infrage gestellt wird.

Gemeinsame Frequenz-Pläne von Deutscher Telekom, Orange, Vodafone und Telefónica

Hinter dem neuen Konsortium stehen nach Berichten zufolge die Deutsche Telekom, Orange, Vodafone und Telefónica. Die vier Unternehmen wollen sich dem Vernehmen nach zusammentun, um gemeinsam um das 2-GHz-Band zu bieten. Bislang hat sich keines der beteiligten Unternehmen offiziell zu diesen konkreten Plänen geäußert.

Die zeitliche Dynamik des Vorhabens wird durch regulatorische Fristen vorgegeben: Die aktuellen Lizenzen für die betreffenden Frequenzen laufen im kommenden Mai aus. Die EU-Kommission hatte bereits im Mai dieses Jahres vorgeschlagen, auf europäischer Ebene ein standardisiertes Auswahlverfahren für die Zuteilung dieser Frequenzen einzuführen. Dieser EU-Vorschlag sieht vor, dass ein Drittel des Bandes für die staatliche Nutzung reserviert wird, was kritische Infrastruktur, Sicherheitsbehörden und das Militär umfasst. Die verbleibenden zwei Drittel sollen für kommerzielle Nutzungen wie Direktverbindungen zu Endgeräten (Direct-to-Device) zur Verfügung stehen.

Regulatorische Vorgaben und die Position der EU-Kommission

Brüssel knüpft die kommerzielle Vergabe an strenge Bedingungen. Die EU-Kommission legt besonderen Wert darauf, dass mindestens die Hälfte der kommerziellen Betreiber ihren Ursprung in der Europäischen Union haben. Henna Virkkunen, die zuständige Vizepräsidentin der EU-Kommission, betonte die strategische Bedeutung dieses Schritts: Mehr denn je ist eine weithin verfügbare Satellitenkonnektivität mit hoher Kapazität unverzichtbar, um die Resilienz der Kommunikationsnetze der EU zu stärken. Diese Einschätzung unterstreicht den politischen Willen, kritische Kommunikationswege unabhängig von außereuropäischen Einflüssen abzusichern.

Auf Seiten der Konkurrenz stößt der europäische Regulierungsrahmen indes auf Widerstand. SpaceX lehnt den Vorschlag der EU-Kommission ab, da dieser den Markt für internationale Anbieter einschränke. Dennoch ist Starlink in Europa längst fest verankert und bietet in vielen Regionen Breitbandzugang an, wobei das Unternehmen wegen fehlender Lizenzen bisher auf Kooperationen mit etablierten europäischen Partnern wie der Deutschen Telekom angewiesen ist. Auch im Luftverkehr wächst die Präsenz: Erst kürzlich nahmen Austrian Airlines Starlink in ihr Serviceangebot auf.

Wirtschaftlicher Kontext und europäische Raumfahrtstrukturen

Die Initiative der Mobilfunker fällt in eine Phase tiefgreifender Umstrukturierungen der europäischen Raumfahrtindustrie. So haben sich Airbus, die Thales-Gruppe und das italienische Unternehmen Leonardo nach fast einjährigen Verhandlungen auf die Bildung einer Satelliten-Allianz geeinigt, wie die Neue Zürcher Zeitung berichtet. Dieses Bündnis mit dem Projektnamen Bromo orientiert sich am Vorbild der Raketen-Allianz MBDA und bringt es auf einen geschätzten Unternehmenswert von 10 Milliarden Euro sowie einen Jahresumsatz zwischen 6 und 6,5 Milliarden Euro.

Mobilfunkanbieter planen Satellitennetz als Alternative zu Starlink
Photo: nzz.ch
Elon Musks Krieg gegen die EU – sollte sie wirklich "zerschlagen" werden?

Analysen von Goldman Sachs Research prognostizieren für die kommenden fünf Jahre den Start von insgesamt 70.000 Satelliten weltweit. Der globale Markt für Satellitenanwendungen, der von Rüstung und Telekommunikation bis hin zu Internet und Navigation reicht, könnte von gegenwärtig 15 Milliarden Dollar auf bis zu 108 Milliarden Dollar im Jahr 2035 anwachsen, wobei optimistische Prognosen sogar von 457 Milliarden Dollar ausgehen. Angesichts dieser Dimensionen stehen europäische Projekte jedoch oft vor strukturellen Hürden. Während US-Konkurrenten wie Amazon mit dem Projekt Kuiper den Start von mehr als 3.000 Satelliten bis 2028 planen, kämpfen europäische Vorhaben wie die EU-Konstellation Iris2 immer wieder mit komplexen Strukturen, hohen Kosten und politischen Abstimmungsprozessen zwischen den beteiligten Staaten.

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Clara Vogt

Über den Autor

Clara Vogt verantwortet das Ressort Technik und Wissenschaft. Sie schreibt ueber KI, Digitalisierung, Forschung und Innovation und uebersetzt komplexe Entwicklungen in klaren, belastbaren Journalismus.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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