Lena Stahl adaptiert Juli Zehs Roman Corpus Delicti aus dem Jahr 2009 als dystopischen Thriller für das Kino. Mit Hannah Herzsprung und Damian Hardung in den Hauptrollen beleuchtet der am 29. September 2026 besprochene Film eine totalitäre Gesundheitsdiktatur, in der datenbasierte Überwachung und vermeintliche absolute Vernunft an die Stelle menschlicher Freiheiten treten.
Es gibt Dystopien, die ihre Zukunft möglichst fremd aussehen lassen. Es gibt aber auch solche, deren Schrecken genau darin liegt, dass sie erschreckend vertraut wirken. Zu dieser zweiten Kategorie gehört die Verfilmung von Juli Zehs Erfolgsroman durch die Regisseurin und Drehbuchautorin Lena Stahl. Der im September 2026 in den Kinos anlaufende Film versetzt das Publikum in eine nahe Zukunft, in der Gesundheit und Sicherheit zu den obersten Werten des Staates erhoben wurden.
Die Methode als absolute Staatsdoktrin
In dieser Welt der totalen Fürsorge begrüßen sich die Menschen mit einem freundlichen Santé
. Hinter der vermeintlich perfekten Gesellschaft verbirgt sich jedoch ein lückenloses Überwachungssystem, das auf der sogenannten Methode
beruht. Gesetzlich geregelt sind in diesem Staat Dinge, die heute noch als Privatsache gelten würden: Vom gründlichen Händewaschen über ein striktes Alkohol- und Nikotinverbot bis hin zur Pflicht, den Behörden regelmäßig alle eigenen Gesundheitsdaten zu übermitteln.

Wie das SWR berichtet, reichen die Strafen bei Fehlverhalten vom Abzug von Sozialpunkten bis hin zum Einfrieren von Bürgern. Im Mittelpunkt dieser Welt steht die Neurologin Mia Holl, gespielt von Hannah Herzsprung. Mia ist keineswegs eine Rebellin der ersten Stunde; sie vertraut auf die Rationalität, die Messbarkeit und die wissenschaftliche Evidenz dieses Systems.
Mordverdacht und der Kollision zweier Wahrheiten
Mias Welt gerät ins Wanken, als ihr Bruder Moritz, dargestellt von Damian Hardung, ins Visier der Ermittler gerät. Moritz steht dem Überwachungsstaat deutlich skeptischer gegenüber und weigert sich, seine persönliche Freiheit komplett aufzugeben. Er trifft sich heimlich mit Gleichgesinnten, um verbotene und unhygienische Dinge wie das Baden in einem See zu tun. Als seine DNA an einer Frauenleiche entdeckt wird, stuft das System ihn als Täter ein. Für die Methode ist der Fall durch die eindeutigen Daten und Analysen praktisch erledigt.
Die Geschichte spielt in einer nahen Zukunft: Die sogenannte Methode verspricht den Menschen maximale Gesundheit und Sicherheit. Möglich macht das eine lückenlose Erfassung und Auswertung von Daten. Das System gilt als präzise und praktisch unfehlbar. Dann geschieht ein Mord.
Während die Daten eine klare Sprache sprechen, glaubt Mia fest an die Unschuld ihres Bruders. Im Verlauf der Handlung gerät Mia selbst unter den lebensgefährlichen Verdacht, eine Antimethodistin
zu sein, weil sie es wagt, Fragen zu stellen.

Klassischer Thriller statt reiner Philosophie
Im Vergleich zur literarischen Vorlage aus dem Jahr 2009 geht Lena Stahl filmisch eigene Wege. Während Juli Zehs Roman stark als philosophischer Diskurs angelegt war, der während der Corona-Pandemie wegen der Einschränkungen von Grundrechten intensiv diskutiert wurde, setzt die Verfilmung deutlicher auf die Krimihandlung. Der Stoff wirkt im Zeitalter Künstlicher Intelligenz und allgegenwärtiger Datensammlungen hochaktuell.
Hinter der Kamera tragen namhafte Filmschaffende zur Umsetzung bei. Die Kameraführung übernahm Philipp Haberlandt. Die Filmmusik steuerten Volker Bertelmann und Lennart Saathoff bei, wobei Bertelmann international als Hauschka bekannt ist und für seine Arbeit zu Im Westen nichts Neues
bereits mit einem Oscar ausgezeichnet wurde.
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