Die zum Tode verurteilte US-Inhaftierte Christa Pike befindet sich nach Angaben ihres Anwalts in kritischem Zustand, nachdem am Mittwoch im Riverbend Maximum Security Institution in Nashville ein Hinrichtungsversuch mittels zweier Dosen Pentobarbital scheiterte. Gouverneur Bill Lee ordnete daraufhin eine umfassende, unabhängige Untersuchung an.
Nach dem abgebrochenen Vollstreckungsversuch wurde Pike in einem Krankenwagen in ein externes medizinisches Zentrum gebracht, wo sie laut Angaben ihrer Anwälte lebenserhaltende Maßnahmen erhält. Ihr aktueller gesundheitlicher Zustand und ihre Prognose sind weiterhin ungewiss, wie Anwalt Randy Spivey mitteilte.
Der Ablauf des gescheiterten Hinrichtungsversuchs in Nashville
Der Tag der geplanten Vollstreckung war von juristischen Auseinandersetzungen geprägt. Eine Berufungsgerichtsentscheidung hatte die Injektionen nur eine Stunde vor dem angesetzten Termin um 10:00 Uhr morgens vorübergehend gestoppt, ehe der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten diese Aussetzung in den Abendstunden wieder aufhob. Die Hinrichtung sollte im Riverbend Maximum Security Institution stattfinden.

Medienzeugen berichteten, dass die Vorhänge des Hinrichtungsraums um 19:27 Uhr geöffnet wurden und Pike auf einer Trage fixiert zu sehen war.
Randy Spivey, Pikes Anwalt, beschrieb den Ablauf der Hinrichtung: Christa Pike war wach und zeigte Lebenszeichen, nachdem die zweite Dosis des tödlichen Medikaments verabreicht worden war. Der Vorhang vor dem Raum, in dem die Hinrichtung stattfand, wurde geschlossen, und die Zeugen konnten nicht sehen, was dahinter passierte.
Im Anschluss blieben Medienzeugen jedoch in einem abgedunkelten Raum hinter einem geschlossenen Vorhang zurück. Nach Angaben von Pikes Anwalt Randy Spivey versuchte das Hinrichtungsteam über eine Stunde lang, einen intravenösen Zugang zu legen. Ich counted at least seven needles used in her left arm alone, one of which appeared to be bent when it was pulled from her arm after an unsuccessful attempt,
sagte Spivey. Auch die Mutter des Opfers, May Martinez, die als Zeugin angereist war und nach Angaben von NBC News und der Associated Press feststellte, dass es ein Chaos war, zeigte sich tief bestürzt. Martinez berichtete, dass sie Pike während des Vorgangs wachen, sich bewegen und laut ihrer Wahrnehmung kämpfen sah. Der behandelnde Arzt, der den Vorgang überwachte, war laut Berichten von The Sun der Mediziner Mark Fowler, der bereits beim gescheiterten Vollstreckungsversuch von Tony Carruthers im Mai im Einsatz gewesen war. Laut Associated Press rief Pike während des stundenlangen Ringens um einen Zugang wiederholt: Please try here, please try here
und bat die Beteiligten, es höher an ihrer Schulter zu versuchen.
Medizinische Fragen und Erklärungsansätze zum Überleben der Injektion
Pike erhielt zwei Dosen Pentobarbital, einen stark wirkenden Barbiturat-Wirkstoff, der das zentrale Nervensystem dämpft. Der Chief Medical Officer bei People Inc., Dr. Sohaib Imtiaz, erklärte gegenüber Medien, dass das Medikament bei hohen Dosen die Atmung und schließlich den Herzschlag stoppt. Dass ein Verurteilter eine solche Dosis überlebt, ist jedoch laut der Exekutivdirektorin des Death Penalty Information Center, Robin M. Maher, „singular und unparalleled, da zwar andere Inhaftierte an Venenproblemen scheiterten, jedoch niemand nach Verabreichung der Substanzen am Leben blieb. Die Organisation hält fest, dass gescheiterte Hinrichtungen rund 7,2 Prozent aller Versuche ausmachen.

Als mögliche Ursachen für das Fehlschlagen nennen Mediziner und das Verteidigerteam vaskuläre Probleme. Wenn ein Blutgefäß platzt oder beschädigt wird, gelangt der Wirkstoff in das umliegende Gewebe statt in den Blutkreislauf, was eine rasche Resorption verhindert. Zudem führten Pikes Anwälte an, dass bei ihr möglicherweise eine Thrombozytose vorliegt – eine Bluterkrankung mit einer erhöhten Anzahl von Blutplättchen, die zu einer schnellen Gerinnung in der Kanülenspitze führen kann. Stephen Ferrell, ein weiterer Anwalt Pikes, verwies darauf, dass sie zeitlebens unter schwierigen Bedingungen bei der Blutabnahme gelitten habe.
Ein weiterer von Experten genannter Faktor betrifft die verwendete Substanz selbst. Seit große Pharmakonzerne ihre Lieferungen von Pentobarbital an US-Strafvollzugsbehörden aus ethischen Gründen eingestellt hatten, greifen viele Bundesstaaten auf sogenannte Compoundierungsapotheken zurück. Dies kann zu chemischer Instabilität, veränderten pH-Werten oder Schwankungen in der Potenz der Medikamente führen.
Reaktionen und politische Konsequenzen in Tennessee
Gouverneur Bill Lee reagierte mit der sofortigen Aussetzung aller weiteren für 2026 in Tennessee geplanten Exekutionen, einschließlich der für den 3. Dezember vorgesehenen Vollstreckung gegen Gary Sutton. Zudem beauftragte er eine umfassende, unabhängige Untersuchung.
Das Tennessee Department of Correction verteidigte in einer offiziellen Erklärung das Vorgehen des Personals und gab an, jeden Schritt des vom Justizministerium genehmigten Protokolls befolgt zu haben. Die Behörde betonte, dass das verwendete chemische Protokoll in der Vergangenheit durchgehend wirksam gewesen sei.
Unterdessen forderten Pikes Anwälte die sofortige Umwandlung der Todesstrafe in eine lebenslange Haftstrafe. Für den Bundesstaat ist es bereits der zweite Fall im Jahr 2026, in dem eine Hinrichtung abgebrochen werden musste. Im Mai war die Vollstreckung bei Tony Carruthers gescheitert, weil medizinische Mitarbeiter keinen geeigneten Zugang für eine Infusion finden konnten. Carruthers erhielt daraufhin eine einjährige Aufschub.
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