Der Oberste Gerichtshof der USA hat am späten Dienstagabend den Weg für die Hinrichtung von Christa Pike in Tennessee freigemacht. Damit kippte das Gericht einen kurz zuvor erlassenen Aufschub des Berufungsgerichts. Pike ist seit 1996 im Todestrakt.
Die Entscheidung des Supreme Court und der juristische Eilkampf
Weniger als zwei Stunden vor der für den 30. September angesetzten Giftspritze hatte ein aus drei Richtern bestehendes Gremium des US-Berufungsgerichts für den sechsten Gerichtskreis den Aufschub der Hinrichtung angeordnet in einer mit 2:1 Stimmen gefassten Entscheidung. Das Gericht begründete den Schritt damit, dass die kurzfristig vorgebrachten Argumente der Verteidigung zu Pikes traumatisierter Kindheit und deren Berücksichtigung im ursprünglichen Verfahren zunächst geprüft werden müssten.
Der Generalstaatsanwalt von Tennessee reagierte umgehend und beantragte beim Obersten Gerichtshof der USA die Aufhebung des Stopps nachdem Richter der Vorinstanz die Aussetzung verfügt hatten. Die obersten Bundesrichter gaben dem Antrag in einer Entscheidung mit 6:3 Stimmen statt. Drei liberale Richterinnen – Sonia Sotomayor, Elena Kagan und Ketanji Brown Jackson – legten dagegen Widerspruch ein laut den Berichten von AP und Lokalmedien.

Kindheitstrauma und Argumente der Verteidigung
Pikes Verteidiger, Menschenrechtsorganisationen und Fachleute für sexualisierte Gewalt hatten sich in den Wochen vor dem Termin intensiv für die Verurteilte eingesetzt. Gerichtsakten belegen, dass Pike bereits vor ihrem Vorschulalter vom Freund ihrer Großmutter wiederholt sexuell missbraucht wurde.
In einem amiciae-Brief an das Gericht warnten Frauenrechtsorganisationen davor, dass die Fixierung bei der Hinrichtung bei Pike schwerste posttraumatische Flashbacks auslösen könnte unter Berufung auf psychologische Gutachten.
Hintergrund der Tat und die Haltung der Opferfamilie
Pike war im Jahr 1996 wegen des Mordes an der 19-jährigen Colleen Slemmer zum Tode verurteilt worden wie Associated Press dokumentiert.
Die Mutter des Opfers, May Martinez, befürwortete die Vollstreckung des Urteils und erklärte, sie habe Jahrzehnte auf diesen Moment gewartet im Gespräch mit Journalisten.
Pike selbst äußerte in einem späteren Begnadigungsgesuch Reue und zeigte sich entsetzt über ihre damalige Tat. Gouverneur Bill Lee lehnte eine Begnadigung zuvor ab und hielt an dem gerichtlichen Urteil fest.
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