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Welt

Dokumentarfilm NAZA erhält in Venedig Rekord-Applaus

Der Dokumentarfilm NAZA der israelischen Regisseure Yuval Abraham und Rachel Szor hat bei den Internationalen Filmfestspielen von Venedig eine beispiellose 25-minütige Standing Ovation erhalten. Das Werk beleuchtet den Einsatz von KI-gestützten Systemen bei Angriffen im Gazastreifen durch den Rückgriff auf anonymisierte Berichte von Geheimdienstmitarbeitern und Soldaten.

Rekordapplaus und politische Spannungen bei der Premiere in Venedig

Der Wettbewerbsbeitrag NAZA setzte am Donnerstagabend beim Filmfestival in Venedig mit einer stehenden Ovation von exakt 25 Minuten einen neuen Rekord für Filmpremieren. Die bisherige Bestmarke hielt im Vorjahr das dort gezeigte Werk The Voice of Hind Rajab mit rund 24 Minuten, während Guillermo Del Tros Pan’s Labyrinth 22 Minuten erreicht hatte. Bei der diesjährigen Vorführung im Palazzo del Cinema waren zahlreiche Filmschaffende und Jurymitglieder anwesend, darunter die Vorjahresregisseurin und Jurymitglied Kaouther Ben Hania sowie Produzent Nadim Cheikhrouha. Wie Agenturberichte zeigen, skandierten Zuschauer auf dem roten Teppich Parolen wie „Free Palestine!“ und „Free Israel!, während im Kinosaal nach dem Erlöschen des Lichts palästinensische und libanesische Flaggen entfaltet wurden. Kurz schien es, als würden Sicherheitskräfte die Flaggenträger zum Einpacken zwingen, doch sie ließen davon ab.

Der künstlerische Leiter des Festivals, Alberto Barbera, nahm persönlich an der Premiere teil, applaudierte den Regisseuren und umarmte sie warm. Diskussionspunkte gab es im Vorfeld auch um die offizielle Flaggenpräsentation am Gebäude, da die zuständige Biennale-Mutterorganisation keine palästinensische Fahne hissen durfte, weil Italien Palästina nicht als formellen Staat anerkennt, berichteten Beobachter vor Ort. Der Film, der kurz vor Beginn der Filmfestspiele neu in den Wettbewerb aufgenommen wurde und nun zu den 21 Wettbewerbsbeiträgen gehörte, erhielt sehr starke erste Kritiken.

Die Enthüllungen aus dem Inneren des israelischen Militärapparats

Die 80-minütige Dokumentation ist das Ergebnis einer knapp dreijährigen Recherchearbeit. Die Filmemacher ließen insgesamt 24 israelische Geheimdienstmitarbeiter und Soldaten zu Wort kommen, die anonym blieben. Für die Dreharbeiten wurden deren Stimmen und Gesichter digital verfremdet; die Aufnahmen entstanden nachts auf Dächern in Tel Aviv. Die Regie übernahmen Yuval Abraham und Rachel Szor, die im Jahr 2025 bereits mit dem Dokumentarfilm No Other Land über die Räumung palästinensischer Dörfer im Westjordanland einen Oscar gewonnen hatten, damals realisiert mit den palästinensischen Co-Regisseuren Basel Adra und Hamdan Ballal. Bei der Berlinale 2024 hatte No Other Land den Dokumentarfilmpreis gewonnen, begleitet von Tumulten und Debatten um Antisemitismusvorwürfe.

Naza
Photo: deadline.com
Dokumentarfilm NAZA erhält in Venedig Rekord-Applaus
Photo: bgnes.com

„We are letting the soldiers and the officers speak about what they did,“ erklärte Abraham gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. „The goal was very simple: we wanted to hear, in as much detail as possible, how the systems of killing in Gaza looked, how they operated,fügte er hinzu.

Der Titel des Films NAZA leitet sich von einer hebräischen militärischen Jargon-Bezeichnung und einem Geheimdienst-Euphemismus ab, der die voraussichtliche Zahl von zivilen Kollateralschäden und erwarteten zivilen Opfern bei einem Luftangriff angibt. Die Befragten schildern in der Dokumentation den Einsatz eines KI-gestützten Systems namens „Lavender“. Dieses System nutzte das überwachte Telekommunikationsnetz im Gazastreifen – inklusive Telefonanrufen, Bewegungen und Interaktionen –, um automatisiert Ziele für Luftschläge zu generieren. Ein Interviewpartner beschreibt die Abläufe im Film als industriell organisiert: „It was done on a mass scale, like a factory,“ während ein anderer den Prozess wegen der fernmündlichen Steuerung als „like a video game, because everything is done remotely“ und als „insanely fun“ bezeichnete.””””

Kritische Einordnungen und die humanitäre Bilanz im Gazastreifen

Einige Interviewpartner sprachen über die Zerstörung von zivilen Wohnungen, die Missachtung des humanitären Völkerrechts und eine generelle Atmosphäre des Hasses gegenüber Palästinensern. „There can be no denying what intelligence personnel knew“, erklärten Militärquellen im Film, und fügten hinzu, sie hätten „with their own eyes and ears“ miterlebt, dass die von ihnen „inkriminiertenHäuser voller Familien waren. Abraham äußerte die Hoffnung, dass der Film zur Aufklärung beiträgt.””

Standing ovation at premiere of Israeli-made Gaza film 'NAZA' at Venice Film Festival
Dokumentarfilm NAZA erhält in Venedig Rekord-Applaus
Photo: ad-hoc-news.de

An dem Filmprojekt waren neben den Regisseuren auch prominente Filmschaffende beteiligt. Produziert wurde NAZA von James Wilson über „JW Films“ sowie von „The Guardian“ bzw. Guardian Documentaries, als Executive Producer fungierte Regisseur Jonathan Glazer. Wilson und Glazer hatten zuvor bereits bei dem Film The Zone of Interest zusammengearbeitet, der 2024 mit dem Oscar als bester internationaler Film ausgezeichnet wurde. James Wilson war zudem an The Voice of Hind Rajab beteiligt. Der im Film berührte Gaza-Krieg nahm seinen Ausgang nach dem Hamas-Massaker und den Angriffe vom 7. Oktober 2023. Israel betont indes stets, dass Angriffe im Gazastreifen ausschließlich auf Mitglieder von Terrororganisationen zielen und man sich bemühe, zivile Opfer zu vermeiden.””

LIVE: Red carpet at Gaza war film 'NAZA' premiere in Venice
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Anna Richter

Über den Autor

Anna Richter leitet das Weltressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet ueber internationale Politik, Diplomatie und geopolitische Entwicklungen mit Fokus auf Kontext, Verlaesslichkeit und Relevanz fuer deutschsprachige Leser.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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