Bei dem Unglück, das fünf Menschen auf dem Boden das Leben kostete, versuchte die Crew kurz vor dem Aufprall ein Durchstarten einzuleiten.
Die Untersuchung des National Transportation Safety Board zum Unfall einer Boeing 767 am Miami International Airport liefert Details über die letzten Minuten im Cockpit. Laut einer Zusammenfassung der Stimmenrekorder-Daten warnte einer der Piloten fast zwei Minuten lang wiederholt vor einer zu hohen Geschwindigkeit im Landeanflug. Das Frachtflugzeug, das im Auftrag von Amazon unterwegs war, schoss schliesslich rund 1.300 Fuss über das Ende der Landebahn hinaus.
Daten des Flugschreibers und Cockpit-Aufnahmen
Der betroffene Frachter, Flight 7598 aus Puerto Rico, hatte rund 32.000 Pfund an Fracht an Bord, überwiegend Kontaktlinsen, wie die NTSB-Vorsitzende Jennifer Homendy mitteilte. Die Auswertung des Flugdatenschreibers ergab, dass die Triebwerke Sekunden vor dem Ende der Aufzeichnung Leistung für ein Durchstarten erhielten. Zwar wurden kurz darauf die Bremsen erneut betätigt, doch von Störklappen oder Schubumkehrern fehlte jede Spur.
Aviation-Anwalt Pablo Rojas erklärte gegenüber CBS News, dass die Daten eindeutig auf eine übermässige Geschwindigkeit hinweisen.
Rojas wies zudem darauf hin, dass auch der Zeitpunkt der Klappen-Ausfahrens ungewöhnlich spät im Ablauf stattfand, was vermutlich eine Reaktion auf die zu hohe Geschwindigkeit war. Die NTSB merkte an, dass der andere Pilot auf die Geschwindigkeitswarnungen keine a consistent verbal response
zeigte.
Opfer und Schäden nach dem Pistenüberlauf
Nachdem das Flugzeug die Landebahn verlassen hatte, durchbrach es einen Zaun und traf einen Lieferwagen einer Flugzeugreinigungsfirma sowie einen Geländewagen auf einer öffentlichen Strasse, bevor es Feuer fing. Fünf Menschen, die in dem Van sassen, starben bei dem Aufprall. Das Miami-Dade County Sheriff’s Office identifizierte die Opfer als Rolando Aleman Leon (55), Yoel Rodriguez Narajo (53), Julio C. Pineda (75), Carlos Acosta Fajardo (53) und Javierkys Reyes Quevedo (47). Die beiden Piloten überlebten den Unfall und wurden nach medizinischer Behandlung aus dem Krankenhaus entlassen.

Experten über mangelnde Koordination im Cockpit
Ehemalige Luftfahrtexperten äusserten sich besorgt über die Abläufe im Cockpit vor dem Absturz. Mike O’Donnell, ein früherer Offizieller der Federal Aviation Administration, betonte, dass der Crew ausreichend Zeit blieb, um einzugreifen.
O’Donnell erklärte, die Piloten hätten Spoiler ausfahren, die Drosselklappen drosseln, das Fahrwerk senken oder den Landeanflug gänzlich abbrechen können. Auch Mary Schiavo, ehemalige Generalinspektorin im Verkehrsministerium, stellte die Dynamik im Cockpit in Frage und merkte an, ob der erfahrenere Kapitän am Steuer sass, während der jüngere Erste Offizier warnte, und fügte hinzu, dass der jüngere Pilot sich nicht durchsetzungsfähig genug gezeigt habe, um energisch zu widersprechen.
Untersuchungen zur Geschichte der Maschine
Bei dem verunglückten Flugzeug handelt es sich um eine 32 Jahre alte Boeing 767. Die Maschine wurde ursprünglich als Passagierflugzeug gebaut, flog jahrzehntelang für verschiedene internationale Fluggesellschaften und wurde im Jahr 2015 zu einem Frachtflugzeug umgebaut. Betrieben wurde der Flug von 21 Air, einem in North Carolina ansässigen Frachtträger, der seit 2024 Pakete für Amazon transportiert. Die NTSB untersucht weiterhin die Instandhaltungshistorie, die Wetterbedingungen sowie die Betriebsabläufe von 21 Air, während ein vorläufiger Untersuchungsbericht in den kommenden Wochen erwartet wird.
