Zum Inhalt springen
Welt

Tausende Menschen demonstrieren in Deutschland gegen Wahlerfolg der AfD

Tausende Menschen haben am Montag in Berlin und weiteren deutschen Städten gegen die rechtspopulistische Alternative für Deutschland demonstriert. Die Proteste folgen auf einen historischen Wahlerfolg der Partei bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, bei denen die AfD am Sonntag fast 44 Prozent der Stimmen errang und das politische Establishment erschütterte.

Die Proteste drückten die tiefe Sorge von Zivilgesellschaft und demokratischen Parteien über den Rechtsruck aus. Am Brandenburger Tor versammelten sich laut der Nachrichtenagentur Demonstranten zu einer friedlichen Kundgebung, wobei die Teilnehmerzahlen zwischen 5.000 registrierten Personen nach Polizeiangaben und mehr als 14.000 laut Angaben der Organisatoren schwankten. Transparente mit Aufschriften wie „Faschismus ist keine Alternative und „Die Geschichte hat ein Auge auf unsprägten das Bild vor der historischen Kulisse der Hauptstadt.

Historischer Wahlsieg in Sachsen-Anhalt bringt bürgerliche Parteien unter Druck

Mit fast 44 Prozent der abgegebenen Stimmen erzielte die Partei das beste Ergebnis einer rechtspopulistischen beziehungsweise rechtsextremen Kraft in einem deutschen Bundesland seit dem Zweiten Weltkrieg. Die Wahlbeteiligung in Sachsen-Anhalt stieg spürbar an und erreichte rund 78 Prozent, verglichen mit 60,3 Prozent bei der vorherigen Landtagswahl im Jahr 2021.

Germany's Far-Right AfD Dominates State Election, Governing Path Unclear - Newsweek featured image
Photo: newsweek.com

Obwohl die Partei klar als stärkste Kraft aus dem Urnensturz hervorging, verfehlte sie die absolute Mehrheit im Landtag in Magdeburg. Sie errang 39 von insgesamt 83 Sitzen und ist damit drei Mandate von einer alleinigen Regierungsmehrheit entfernt. Dennoch sucht die Parteiführung aktiv nach Wegen an die Macht.

Tino Chrupalla, Co-Vorsitzender der AfD, erklärte laut Reuters, dass parteipolitische Spielchen wirklich der Vergangenheit angehören sollten.

Die strikte Weigerung der etablierten Parteien, mit der AfD zu koalieren – die sogenannte Brandmauer –, steht damit vor einer harten Belastungsprobe.

Reaktionen aus Berlin und internationale Besorgnis

Bundeskanzler Friedrich Merz schloss jegliche Zusammenarbeit mit der AfD auf Landes- oder Bundesebene aus, gestand jedoch ein, dass der Urnengang seine Partei bis in die Grundfesten erschüttert habe.

Ulrich Siegmund, top candidate for the "Alternative for Germany" (AfD) party and his wife Julia leaving a polling station on
Photo: AP News

Friedrich Merz, Bundeskanzler und CDU-Vorsitzender, äußerte gegenüber Reuters, dies erschüttere ihre Partei bis in die Grundfesten.

Merz, dessen Zustimmungswerte in Berlin stark unter Druck geraten sind, lehnte Rücktrittsforderungen ab und kündigte an, an seinem Reformkurs festzuhalten. Er wertete den Erfolg der AfD, die im Osten Deutschlands traditionell am stärksten verankert ist, als einen globalen Test für die Stabilität westlicher Demokratien. Auch im Ausland sorgte das Wahlergebnis für Beunruhigung. Frankreich und Polen äußerten offen ihre Sorge über den möglichen erstmaligen Regierungsanspruch einer rechtspopulistischen Partei in einem deutschen Bundesland.

Unterdessen bewerteten Regierungsmitglieder in Berlin das Wahlsignal als dringenden Weckruf. Der SPD-Politiker und Vizekanzler Lars Klingbeil bezeichnete das Resultat als möglichen Wendepunkt für die Politik in der Bundeshauptstadt, der viele Menschen im Land tief besorge.

Ulrich Siegmund und die Strategie der AfD im Osten

Der Erfolg der AfD in Sachsen-Anhalt ist untrennbar mit dem Auftreten des 35-jährigen Landesvorsitzenden Ulrich Siegmund verbunden. Der gebürtige Tangermünder inszeniert sich im Gegensatz zu radikaleren Parteikollegen oft als bürgernaher und freundlicher Politiker, der scharfe Konfrontationen im Wahlkampf vermeidet. Dennoch bleibt der Landesverband der AfD stark umstritten: Das Bundesamt für Verfassungsschutz führt die Gliederung in Sachsen-Anhalt seit 2023 als gesichert rechtsextremistisch.

AfD co-leaders Alice Weidel and Tino Chrupalla and top candidate Ulrich Siegmund. REUTERS/Liesa Johannssen
Photo: Reuters

Neben harten Forderungen nach einer Begrenzung der Migration und strengeren Abschieberegeln setzte die Partei im Wahlkampf auf lokale Themen und Nostalgie. Siegmund fuhr zu Wahllokalen mit historischen Mopeds aus DDR-Produktion vor, was im Vorfeld bei Angehörigen der ursprünglichen Eigentümerfamilie der Marke auf scharfe Kritik stieß. Dennoch gelang es der Partei, Wähler anzusprechen, die wirtschaftliche Ängste, Unzufriedenheit mit der etablierten Politik und Skepsis gegenüber der Bundesregierung umtreiben.

Proteste in mehreren Bundesländern vor weiteren Wahlen

Die Demonstrationen in der Hauptstadt blieben kein Einzelfall. Nach Angaben lokaler Medien kam es in zahlreichen weiteren Städten zu Kundgebungen, darunter in Potsdam, Dresden, Münster, Göttingen, Aachen, Bamberg, Darmstadt und Halberstadt. In Halle an der Saale errichteten zivilgesellschaftliche Gruppen ein dauerhaftes Protestcamp.

Far-right Germany AfD Supporters Erupt in Cheers For State Election Win

Die Sorge vor einem weiteren Vordringen der Partei wächst im Hinblick auf den bevorstehenden Wahlkalender. Noch im September stehen in Mecklenburg-Vorpommern und in Berlin weitere Landtags- beziehungsweise Abgeordnetenhauswahlen an, in denen die AfD in Umfragen ebenfalls starke Ergebnisse anstrebt und die Bundesparteien unter permanentem Druck hält.

Teilen Facebook X WhatsApp E-Mail
Anna Richter

Über den Autor

Anna Richter leitet das Weltressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet ueber internationale Politik, Diplomatie und geopolitische Entwicklungen mit Fokus auf Kontext, Verlaesslichkeit und Relevanz fuer deutschsprachige Leser.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

Schreibe einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.