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Welt

Marta Kos sagt Serbien-Besuch nach Mladić-Ehrung ab

Die EU-Erweiterungskommissarin Marta Kos hat aus Protest gegen die Verherrlichung des verstorbenen Kriegsverbrechers Ratko Mladić einen Besuch in Serbien abgesagt. Tausende Menschen versammelten sich am Montag vor einer Kirche in Belgrad, um Abschied zu nehmen, während Brüssel und europäische Minister das Vorgehen scharf verurteilten.

Marta Kos sagt Serbien-Besuch ab

Die kontroversen Feierlichkeiten zur Beisetzung von Ratko Mladić haben umgehend diplomatische Konsequenzen nach sich gezogen. Noch bevor die eigentliche Beerdigung stattfand, sagte die EU-Erweiterungskommissarin Marta Kos am Freitag einen geplanten Besuch in dem EU-Beitrittskandidaten ab.

Mladić war am 27. August im Alter von 84 Jahren in einem Krankenhaus im niederländischen Den Haag gestorben. Dort saß er eine lebenslange Haftstrafe ab, die ein UN-Tribunal im Jahr 2017 wegen Völkermords, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen gegen ihn verhängt hatte. Seine sterblichen Überreste wurden anschließend auf einem serbischen Regierungsflugzeug in Begleitung von Familienmitgliedern und dem serbischen Justizminister Nenad Vujic von den Niederlanden nach Belgrad geflogen, wo nationalistische Anhänger Leuchtraketen zündeten.

Kos erklärte auf der Plattform X: »The glorification surrounding his death is incompatible with the values on which the EU path is built.« Sie fügte hinzu: »Ratko Mladić was convicted of genocide, crimes against humanity and war crimes. The return of his remains to Belgrade reminds Europe of the darkest pages in our recent history.« Zuvor hatte Kos betont, die kommenden Tage würden »ein sehr wichtiger Test« für Serbien vor der Beisetzung sein.

Tausende Trauernde vor der St.-Lukas-Kirche in Belgrad

Am Montagmorgen bildeten sich vor der St.-Lukas-Kirche in der serbischen Hauptstadt lange Schlangen von Menschen, die Mladić die letzte Ehre erweisen wollten. Tausende Menschen kamen zusammen, um dem ehemaligen Chef der bosnisch-serbischen Truppen zu gedenken. Nach Berichten küssten viele Menschen den aufgebahrten Sarg, während orthodoxe Geistliche in dem Gotteshaus Gebete sprachen. Auf dem Sarg lagen neben der serbischen Nationalflagge auch Mladićs markante Militärmütze, ein Schwert sowie eine Sammlung von Medaillen, während Streitkräfte Wache standen.

Marta Kos sagt Serbien-Besuch nach Mladić-Ehrung ab
Photo: t-online.de

Außerhalb der Kirche waren serbische Flaggen aufgehängt worden, und ein riesiges Banner mit der Aufschrift »Welcome, General, thanks be to your mother for bearing a hero« wurde über die Straße gespannt. Mladićs Leiche war nach der Ankunft am Flughafen in eine Nationalflagge gehüllt und von serbischen Soldaten zu einem Transporter gebracht worden, während Männer an den Straßen Banner zu seinen Ehren zeigten.

Marta Kos sagt Serbien-Besuch nach Mladić-Ehrung ab
Photo: FAZ

Mladićs Name ist untrennbar mit dem Massaker von Srebrenica im Juli 1995 verbunden. Damals stürmten bosnisch-serbische Truppen unter seinem Kommando die UN-Schutzzone und ermordeten etwa 8.000 muslimische Männer und Jungen, was als das größte Massaker in Europa nach dem Zweiten Weltkrieg gilt. Darüber hinaus verurteilte das Gericht ihn für die jahrelange Belagerung der bosnischen Hauptstadt Sarajevo während des Konflikts von 1992 bis 1995 sowie für die Einrichtung von Lagern für inhaftierte Nicht-Serben und feindliche Soldaten.

Trotz seiner Verurteilung wird Mladić von Teilen der serbischen Bevölkerung weiterhin als Held verehrt, insbesondere in der bosnischen Teilrepublik Republika Srpska. Seine Beisetzung sollte mit staatlichen und militärischen Ehren erfolgen.

Schärfste Kritik aus Brüssel und von europäischen Ministern

Die institutionelle Reaktion aus Europa fiel unmissverständlich aus. Ein Sprecher des Europäischen Auswärtigen Dienstes verurteilte die Feierlichkeiten als »Verherrlichung von Kriegsverbrechern«. Die Leugnung von Völkermord und ein allgemeiner Revisionismus widersprächen den grundlegendsten europäischen Werten und hätten keinen Platz in der EU oder bei EU-Beitrittskandidaten, die sich seit 2012 in diesem Status befinden. Gleichzeitig betonte die EU ihre Solidarität »mit allen Opfern, Überlebenden und ihren Familien, die unter Kriegsverbrechen in den Ländern des ehemaligen Jugoslawien gelitten haben«, und unterstützt die Bemühungen zur »Förderung von Versöhnung und regionaler Stabilität«.

Marta Kos sagt Serbien-Besuch nach Mladić-Ehrung ab
Photo: DIE ZEIT

Serbische Führung weist internationale Vorwürfe zurück

Der serbische Präsident Aleksandar Vučić wies die Kritik an den Feierlichkeiten und die Erklärungen der EU-Kommissarin zurück. Laut Berichten des regionalen Senders N1 bezeichnete Vučić die Begründung von Marta Kos als »very short but stupid«. Der Präsident erklärte, Kos habe nicht präzisiert, »who glorified anything«, und fügte hinzu, man solle wohl einfach Menschen und die Beerdigung verbieten. Serbien verhandelt bereits seit 2014 über den Beitritt zur Europäischen Union, wobei der Prozess in den vergangenen Jahren unter der Regierung des populistischen Präsidenten ins Stocken geraten ist.

LIVE: Ratko Mladic Supporters Gather in Belgrade for Funeral of Convicted War Criminal | APT
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Anna Richter

Über den Autor

Anna Richter leitet das Weltressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet ueber internationale Politik, Diplomatie und geopolitische Entwicklungen mit Fokus auf Kontext, Verlaesslichkeit und Relevanz fuer deutschsprachige Leser.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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