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Gesundheit

Statintherapie senkt Herz-Kreislauf-Risiko auch bei über 70-Jährigen

Neue australische und dänische Daten zeigen, dass eine Statintherapie zur Cholesterinsenkung auch im höheren Alter das Risiko für schwere Herz-Kreislauf-Erkrankungen deutlich mindern und das Demenzrisiko senken kann. Während laufende Untersuchungen Chancen und Grenzen aufzeigen, warnen Mediziner davor, wirksame Medikamente bei bestehenden Gefässerkrankungen vorschnell abzusetzen.

Die Frage, ob eine konsequente Cholesterinsenkung im höheren Lebensalter noch einen spürbaren Nutzen bringt, beschäftigt Mediziner und Patienten seit Jahren. Aktuelle Daten aus umfassenden Untersuchungen beleuchten nun die Risiken und Chancen einer Statintherapie jenseits der Altersgrenze von 70 Jahren. Dabei zeigt sich, dass das alleinige kalendarische Alter keineswegs ausreicht, um eine medikamentöse Prävention pauschal infrage zu stellen.

Ergebnisse der STAREE-Studie bei über 70-Jährigen

Eine grosse australische Untersuchung liefert konkrete Indizien für den Nutzen von Statinen im fortgeschrittenen Alter. An der sogenannten STAREE-Studie nahmen knapp 10.000 selbstständig lebende Menschen teil, die das 70. Lebensjahr bereits vollendet hatten. Die Teilnehmenden erhielten im Rahmen des Vergleichs entweder Atorvastatin oder ein Placebo, um die Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf-System zu bemessen.

Wie Auswertungen der Daten zeigen, verringerte eine Statintherapie das Risiko schwerer Herz-Kreislauf-Erkrankungen um 30 Prozent. Angesichts der Tatsache, dass mit dem Älterwerden das allgemeine Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle deutlich ansteigt, unterstreichen diese Zahlen die klinische Relevanz einer gezielten Behandlung in dieser demografischen Gruppe.

Zusammenhang zwischen Statinen und Demenzrisiko

Neben dem Schutz von Herz und Gefässen rücken zunehmend auch neurologische Aspekte in den Fokus der Forschung. Eine dänische Untersuchung analysierte in diesem Zusammenhang die Gesundheitsdaten von 132.585 Patienten mit Typ-2-Diabetes, um mögliche Wechselwirkungen zwischen einer langfristigen Einnahme und dem Auftreten von Demenz zu bewerten.

Die Auswertung ergab, dass bei einem frühen Beginn der Statintherapie das Demenzrisiko innerhalb von zehn Jahren um 15 Prozent niedriger ausfiel. Patienten mit einem etwas späteren Therapiebeginn profitierten ebenfalls, wobei die beobachtete Reduktion hier bei zehn Prozent lag. Forschende betonen jedoch, dass es sich hierbei um eine reine Beobachtungsstudie handelt, aus der sich kein direkter Ursache-Wirkungs-Zusammenhang ableiten lässt und weitere Analysen erforderlich sind.

Grenzen und Risiken beim Absetzen ab 75 Jahren

Während die Prävention bei gesunden Älteren Vorteile zeigt, ging eine französische Studie der Frage nach, welche Folgen das Absetzen von Statinen bei Menschen ab 75 Jahren hat. Die untersuchten Personen wiesen dabei keine bekannten Gefässerkrankungen auf und hatten die Medikamente rein präventiv eingenommen.

Die Ergebnisse nach einem Zeitraum von drei Jahren verdeutlichen geringe Unterschiede: Während in der Gruppe der Weiterbehandelten 7,9 Prozent verstarben, lag der Wert bei den Personen nach dem Absetzen bei 7,2 Prozent. Ähnlich eng beieinander lagen die Zahlen bei schweren Herz-Kreislauf-Ereignissen mit 4,4 zu 5,0 Prozent. Zudem ergab sich nach dem Absetzen weder bei der allgemeinen Lebensqualität noch beim persönlichen Wohlbefinden ein messbarer Vorteil.

Medizinische Empfehlungen für Hochrisikopatienten

Fachleute weisen darauf hin, dass diese Daten ausschliesslich für Menschen ohne bestehende arteriosklerotische Gefässerkrankungen gelten. Für Patientinnen und Patienten mit einer koronaren Herzkrankheit oder anderen Gefässleiden lassen sich die Resultate des Absetzversuchs nicht heranziehen.

Statine schützen diese spezifischen Risikogruppen nämlich auch jenseits des 75. Lebensjahres vor Herzinfarkt und Schlaganfall. Das kalendarische Alter allein stellt demnach keinen medizinisch gerechtfertigten Grund dar, eine bewährte Statintherapie bei vorbelasteten Patienten ohne Rücksprache zu beenden.

Grundlagen des Cholesterinstoffwechsels und Risikofaktoren

Um die Wirkweise der Medikamente zu verstehen, lohnt ein Blick auf die biologischen Grundlagen. Cholesterin ist eine wachsartige, fettähnliche Substanz, die in allen Körperzellen vorkommt und vom Organismus unter anderem zur Herstellung von Hormonen und Vitamin D benötigt wird. Problematisch wird es jedoch, wenn überschüssiges Cholesterin im Blut mit anderen Substanzen zusammenströmt und Plaque bildet, was zu einer Arteriosklerose führt.

Cholesterol
Photo: medlineplus.gov

Zu den wesentlichen Ursachen für erhöhte Werte gehören neben genetischen Faktoren wie der familiären Hypercholesterinämie vor allem ungesunde Lebensgewohnheiten. Dazu zählen der Konsum von gesättigten Fetten in rotem Fleisch oder Fertigprodukten, Bewegungsmangel, Rauchen, Stress sowie übermässiger Alkoholkonsum, welche die Balance der Blutfette nachhaltig negativ beeinflussen können.

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Dr. Lena Hartmann

Über den Autor

Dr. Lena Hartmann leitet das Gesundheitsressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet seit ueber zehn Jahren ueber Praevention, Medizinpolitik und digitale Gesundheit und legt besonderen Wert auf verstaendliche, quellenbasierte Einordnung.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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