Wissenschaftler untersuchen derzeit in klinischen Studien, ob GLP-1-Medikamente wie Semaglutid und Tirzepatid über Gewichtsverlust und Blutzuckerkontrolle hinaus biologische Alterungsprozesse verlangsamen können. Erste Forschungsansätze an HIV-Patienten zeigen messbare Signale, während Mediziner auf umfassende klinische Studien zur genauen Bestimmung der Effekte hinarbeiten.
Die populären GLP-1-Medikamente, die bereits die Behandlung von Diabetes und Adipositas revolutionieren, könnten möglicherweise noch einen weiteren Effekt haben. Forscher prüfen derzeit, ob Wirkstoffe wie Semaglutid und Tirzepatid in der Lage sind, biologische Alterungsprozesse zu beeinflussen. Dies geht aus einem Bericht des Senders ABC News aus der Sendung Good Morning America
hervor, der von klinischen Studien zu GLP-1-Medikamenten berichtete.
Klinische Erforschung an der University of Texas Medical Branch
Eine der ersten klinischen Studien, die sich dieser Frage widmet, wird von Wissenschaftlern an der University of Texas Medical Branch in Galveston geleitet. Im Zentrum der Untersuchung steht Tirzepatid, der aktive Wirkstoff des Gewichtsverlustmedikaments Zepbound. Dabei werden Erwachsene im Alter zwischen 55 und 70 Jahren rekrutiert, die für eine Adipositasbehandlung infrage kommen.
Anstatt lediglich den reinen Gewichtsverlust zu messen, analysieren die Forscher ein breites Spektrum altersassoziierter Indikatoren. Dazu gehören biologische Altersmarker, Entzündungswerte sowie Veränderungen der kognitiven Funktion, der körperlichen Kraft und der Mobilität. Ziel ist es zu bestimmen, ob Tirzepatid die zugrundeliegenden biologischen Alterungsprozesse beeinflussen kann, anstatt lediglich individuelle gesundheitliche Beschwerden zu behandeln. Das erklärte Ziel der Untersuchung verdeutlichte Dr. Thomas Blackwell, ein Professor für Medizin an der UTMB, gegenüber ABC News:
Dr. Thomas Blackwell, ein Professor für Medizin an der UTMB, erklärte, er hoffe letztlich, dass ihre Forschung zeigen werde, dass sie die biologische Alterung um 10 bis 15 % verlangsamen.
Dr. Thomas Blackwell, ein Professor für Medizin an der UTMB, erklärte zudem, er gehe davon aus, dass sehr viele Menschen GLP-1-Medikamente einnehmen, und man abwarten solle, bis nachgewiesen sei, dass diese auch den Alterungsprozess verlangsamen.
Frühere Analysen zu Semaglutid bei HIV-Patienten
Das gesteigerte Interesse an möglichen Anti-Aging-Effekten stützt sich unter anderem auf frühere Untersuchungen mit Semaglutid, dem Wirkstoff in Ozempic und Wegovy. Forscher der UC San Diego School of Medicine und des Case Western Reserve University analysierten dafür Blutproben von 84 Erwachsenen mit HIV, die zudem eine abnormale Ansammlung von Körperfett aufwiesen. Nach einer 32-wöchigen Behandlung mit Semaglutid stellten die Forscher Veränderungen fest, die auf eine verlangsamte biologische Alterung hinweisen, gemessen an DNA-basierten Messverfahren, sogenannten Alternsuhren („aging clocks“).
Dennoch betonen die beteiligten Wissenschaftler, dass diese Daten keineswegs als Beweis dafür dienen, dass Semaglutid die menschliche Lebenserwartung direkt verlängert. Die Studie wies erhebliche Einschränkungen auf. Dr. Michael Corley, ein Assistenzprofessor für Medizin an der UC San Diego, erklärte gegenüber ABC News:
Dr. Michael Corley, ein außerordentlicher Professor für Medizin an der UC San Diego, führte aus, dies sei quasi der erste Blick gewesen, um festzustellen, dass es in diesem Szenario, das viele Einschränkungen aufweise, im Wesentlichen ein Signal gegeben habe, das eine zukünftige Untersuchung rechtfertige.
Methodische Herausforderungen bei der Erfassung biologischen Alters
Die Unterscheidung zwischen chronologischem Alter und biologischem Alter bildet den Kern dieser wissenschaftlichen Debatte. Während das chronologische Alter schlicht die an Lebensjahren gemessene Zeit darstellt, untersuchen Longevity-Forscher molekulare und physiologische Veränderungen, die Aufschluss darüber geben können, wie schnell der Körper altert. Bei GLP-1-Präparaten stellt dies die Forschung vor methodische Hürden, da bereits der bloße Verlust von überschüssigem Gewicht mehrere Gesundheitsmaße verbessern kann.

Forscher müssen daher präzise trennen, ob eine Verlangsamung der biologischen Alterung direkt aus dem Medikament, aus dem Gewichtsverlust und der verbesserten metabolischen Gesundheit oder aus einer Kombination beider Faktoren resultiert. In eine ähnliche Richtung weisen auch klinische Auswertungen zu anderen Substanzen; so untersuchte beispielsweise eine randomisierte, doppelblinde, plazebokontrollierte Phase-2a-Studie zu Rentosertib (NCT05938920) bei Patienten mit idiopathischer Lungenfibrose (IPF) den Einsatz proteomischer Alternsuhren, um zu bewerten, wie der Wirkstoff biologische Alterungsdimensionen moduliert.
Bis verlässliche Antworten vorliegen, sind laut den beteiligten Experten jedoch weitaus umfangreichere und länger angelegte Untersuchungen erforderlich. Erst strenge klinische Studiendesigns mit einem klaren Fokus auf Alterungsprozesse können klären, ob veränderte Biomarker tatsächlich dazu führen, dass Menschen länger gesund bleiben oder ihre Lebensdauer verlängern. Wie Dr. Michael Corley anmerkte, seien dies im Hinblick auf ein längeres Leben quasi jene Studien, die im Hinblick auf rigide klinische Studiendesigns mit einem speziellen Fokus auf das Altern weitergeführt werden müssten.
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