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Ratko Mladic in Belgrad mit militärischen Ehren beigesetzt

Tausende Menschen haben in Belgrad an einer Trauerfeier für den verstorbenen bosnisch-serbischen Kriegsverbrecher Ratko Mladic teilgenommen. Die serbischen Behörden setzten sich mit der öffentlichen Aufbahrung in der St.-Lukas-Kirche über Warnungen der Europäischen Union hinweg. Mladic war am 27.

St.-Lukas-Kirche in Belgrad

Vor der serbisch-orthodoxen Kirche des Heiligen Lukas bildeten sich am Montagfrüh lange Schlangen von Trauergästen, die dem verurteilten Kriegsverbrecher die letzte Ehre erweisen wollten. Viele Menschen küssten den Sarg, der mit Medaillen und der für Mladic typischen Offizierskappe geschmückt war, während orthodoxe Priester Gebete sprachen. Das Oberhaupt der Serbisch-Orthodoxen Kirche, Patriarch Porfirije, leitete die Totenmesse.

Militärische Ehren und offizielle Beteiligung in Belgrad

Regierungsnahe Medien berichteten, dass die Beisetzung mit vollen militärischen Ehren stattfindet. Auf dem Sarg lagen neben der Offiziersmütze auch ein Säbel, flankiert von Männern in Kampfanzügen. Als der Leichnam in der vergangenen Woche in einem Regierungsflugzeug nach Belgrad gebracht wurde, empfingen ihn Soldaten, die den in die Nationalflagge gehüllten Sarg trugen. Am Samstag hatte bereits eine von pensionierten und aktiven Generälen organisierte Gedenkzeremonie an einem Standort der serbischen Armee stattgefunden, an der hochrangige Politiker teilnahmen.

Unter den Trauergästen befanden sich der Führer der bosnischen Serben, Milorad Dodik, sowie der russische Botschafter in Serbien, Alexander Bozan-Chartschenko, neben serbischen Ministern. Milan Dobric, der aus dem Kosovo zur Beisetzung angereist war, sagte, Mladic habe sein Leben dem serbischen Volk gewidmet, und er freue sich, dass so viele Menschen ihm die Ehre erweisen wollten. Der populistische serbische Präsident Aleksandar Vucic nahm nicht an der Feier teil; sein Büro begründete dies mit einem bereits vor Monaten geplanten Besuch des usbekischen Präsidenten Schawkat Mirsijojew. Vucic bezeichnete die Trauerfeier als einen emotionalen Ausbruch, auf den die Regierung keinen Einfluss habe, und erklärte, die Veranstaltung sei von der Familie ausgerichtet worden. Der Balkan-Experte Vedran Dzihic vom Österreichischen Institut für Internationale Politik bewertete die Zeremonie im Ö1-Mittagsjournal hingegen kritisch und sagte: De facto ist es ein Staatsbegräbnis.

Tribunal für Kriegsverbrechen im ehemaligen Jugoslawien

Verurteilung für Kriegsverbrechen und das Massaker von Srebrenica

Ratko Mladic war wegen Völkermords, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit während des Bosnienkriegs von 1992 bis 1995 zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Sein Schuldspruch wurde im Jahr 2021 letztinstanzlich bestätigt. Der ehemalige bosnisch-serbische Armeechef war untrennbar mit dem Massaker von Srebrenica im Juli 1995 verbunden, bei dem bosnisch-serbische Truppen unter seinem Kommando eine UNO-Schutzzone stürmten und etwa 8.000 muslimische Männer und Buben ermordet hatten. Mladic hatte den Genozid angeordnet und überwacht, von da an galt er als der Schlächter von Bosnien. Mladic starb am 27.

Obwohl er international als Kriegsverbrecher verurteilt wurde, genießt Mladic bei Teilen der serbischen Bevölkerung und insbesondere in der bosnischen Teilrepublik Republika Srpska nach wie vor den Status eines Helden. Politikwissenschaftler Dzihic ortete vor allem bei der älteren Bevölkerung ein stark ausgeprägtes geschichtsrevisionistisches Weltbild.

Reaktionen aus Brüssel und scharfe Kritik von Opferverbänden

Marta Kos und Andreas Schieder

Die Ehrungen für den verstorbenen General zogen umgehend scharfe Kritik aus der Europäischen Union nach sich. EU-Erweiterungskommissarin Marta Kos sagte aus Protest gegen die Verherrlichung einen geplanten Besuch in dem EU-Beitrittskandidaten Serbien ab und erklärte zur Begründung, die Verherrlichung Mladics sei unvereinbar mit den Werten, auf denen der Weg in die EU aufbaue. Ein Sprecher des Europäischen Auswärtigen Dienstes (EEAS) verurteilte die Verherrlichung von Kriegsverbrechern sowie die Leugnung von Völkermord als unvereinbar mit grundlegenden europäischen Werten, wobei ein allgemeiner Revisionismus keinen Platz in der EU oder in EU-Beitrittskandidaten habe. Der Sprecher betonte zudem, die EU stehe in Solidarität mit allen Opfern, Überlebenden und ihren Familien, die unter Kriegsverbrechen in den Ländern des ehemaligen Jugoslawien gelitten haben, und Brüssel unterstütze alle Länder des westlichen Balkans in ihren Bemühungen zur Förderung von Versöhnung und regionaler Stabilität.

Kriegsverbrecher Ratko Mladic: Beisetzung in Belgrad
Ratko Mladic in Belgrad mit militärischen Ehren beigesetzt
Photo: tagesanzeiger.ch

Auch der SPÖ-EU-Delegationsleiter Andreas Schieder kritisierte das Vorgehen scharf und erklärte, es sei beschämend, dass die serbische Führung Mladics Abschied mit staatlichen Ehren begleite, da wer Teil der Europäischen Union werden wolle, bereit sein müsse, sich der eigenen Vergangenheit zu stellen und Verbrechen klar als das zu benennen, was sie waren. In Bosnien forderte die Opferorganisation „Mütter von Srebrenica“, in der sich Angehörige der Opfer zusammengeschlossen haben, eine Reaktion der EU und warnte, Mladics Beisetzung drohe zur grössten faschistischen Versammlung in Europa der vergangenen 70 Jahre zu werden, während sie auf der Plattform X erklärte: Die Verherrlichung von Völkermord ist keine Ehre, sondern eine Schande. Die serbische Regierung wies die Vorwürfe zurück und betonte, die Organisation habe in den Händen der Trauerfamilie gelegen.”

MLADIC FUNERAL LIVE | Convicted War Criminal Lies in State in Belgrade Ahead of Burial
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Jonas Becker

Über den Autor

Jonas Becker verantwortet das Nachrichtenressort von Germanic Nachrichten. Sein Fokus liegt auf schneller, praeziser und sauber verifizierter Berichterstattung zu Politik, Gesellschaft und aktuellen Entwicklungen in Deutschland.

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