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Technik und Wissenschaft

Rhysida veröffentlicht Berliner Behördendaten im Darknet nach Cyberangriff

Nach einem massiven Cyberangriff auf Berliner Behörden hat die Rhysida-Gruppe 5,8 Terabyte erbeuteter Daten im Darknet veröffentlicht. Das Land Berlin richtete eine Steuerungseinheit ein, um betroffene Bürger zu kontaktieren. Sicherheitsbehörden warnen vor einer stark erhöhten Bedrohungslage und wachsenden Risiken durch gezielten Identitätsdiebstahl.

Der digitale Einbruch in die Berliner Verwaltung hat eine historische Dimension erreicht. Nachdem die Ransomware-Gruppe Rhysida im Darknet rund 1,44 Millionen Dateien veröffentlichte, sprechen Experten und Politiker von einem beispiellosen Vorfall für die Bundeshauptstadt. Die erbeutete Datenmenge beläuft sich auf insgesamt 5,8 Terabyte und umfasst neben Personaldokumenten auch sensible Unterlagen zur Infrastruktur sowie Akten über Ordnungswidrigkeiten.

Chronologie des Angriffs und die Reaktionen des Landes Berlin

Zwischen dem 7. und 12. August schleusten Unbekannte Daten aus den Systemen der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen sowie der Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt aus heise.de. Am 14. August wurden die betroffenen Verwaltungen daraufhin vom Landesnetz isoliert.

In den folgenden Tagen spitzte sich die Krise zu. Am 17. August informierte die Senatskanzlei per Pressemitteilung über den Vorfall, woraufhin ein Notfallkrisenstab ins Leben gerufen wurde. Neben dem Bundeskriminalamt und dem Landeskriminalamt schaltete sich auch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik ein. Zeitweise kam es im Zuge der Abschottung zu massiven Einschränkungen für die Bürger. So konnten unter anderem an rund 50.000 berechtigte Haushalte keine Wohngeldzahlungen überwiesen werden.

Nachdem die Systeme am 24. August nach Angaben des Regierenden Bürgermeisters Kai Wegner grundsätzlich wieder arbeitsfähig am Netz waren, folgte wenige Tage später der nächste Rückschlag. Am 28. August bestätigten Sicherheitsbehörden eine offizielle Lösegeldforderung der Kriminellen. Der Regierende Bürgermeister erklärte dazu unmissverständlich: Das Land Berlin lässt sich nicht erpressen. Kurze Zeit später identifizierten Medienberichte und Sicherheitskreise die Gruppierung Rhysida als Urheber, die auf ihrer Darknet-Präsenz 30 Bitcoin — umgerechnet rund 2 Millionen Euro — forderte.

Politische Reaktionen und Warnungen vor den Folgen

Die Veröffentlichung der Daten am 4. September löste bei Politikern und IT-Sicherheitsexperten Bestürzung aus. Konstantin von Notz, der Grünen-Fraktionsvize, bezeichnete den Vorfall im Handelsblatt als echten Daten-Super-GAU von gravierendem Ausmaß heise.de. Er betonte, dass der Vorfall die Steuerzahler Millionen kosten werde und warf der Bundesregierung eine direkte Mitschuld vor. Auch der CDU-Außenpolitiker Roderich Kiesewetter warnte gegenüber der Süddeutschen Zeitung vor einer akuten Gefährdung der nationalen Sicherheit.

Rhysida veröffentlicht Berliner Behördendaten im Darknet nach Cyberangriff
Photo: BILD

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik stufte die Bedrohungslage für die gesamte Gesellschaft daraufhin als erhöht ein. Um den Schaden einzudämmen, reagierte die Verwaltung mit internen Einschränkungen: Mitarbeiter der betroffenen Senatsverwaltungen können vorerst nicht mehr aus dem Home-Office arbeiten, während sämtliche 12.000 IT-Systeme des Landes rund um die Uhr überprüft werden.

Was Betroffene jetzt tun sollten und wie die Kontaktaufnahme erfolgt

Um die betroffenen Bürger zu erreichen, richtete das Land Berlin eine spezielle Steuerungseinheit ein. Personen, deren Daten in den abgeflossenen Beständen vermutet werden, sollen in der kommenden Zeit direkt per Brief und E-Mail kontaktiert werden. Da eine zentrale Bürger-Hotline für individuelle Betroffenheitsanfragen zunächst nicht existiert, verweist die Berliner Datenschutzbeauftragte auf die direkten Kontaktwege der beiden Behörden BILD.

Lösegeld-Forderung nach Cyberangriff auf die Berliner Verwaltung
  • Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen: Württembergische Straße 6, 10707 Berlin; E-Mail: [email protected]
  • Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt: Am Köllnischen Park 3, 10179 Berlin; E-Mail: [email protected]
  • Bürgertelefon: Unter der Behördennummer 115 erhalten ratsuchende Bürger allgemeine Auskünfte.

IT-Experten und der Chaos Computer Club warnen vor einer Welle von Folgekriminalität. Insbesondere Phishing-Angriffe und Betrugsversuche mittels erbeuteter Kontaktdaten gelten als akutes Risiko im Alltag der Betroffenen. Nachrichten, die angeblich von Behörden stammen und eine Bestätigung von Unterlagen fordern, sollten keinesfalls über mitgesendete Links beantwortet werden BILD.

Zudem raten Sicherheitsexperten dazu, betroffene Passwörter unverzüglich zu ändern, die Zwei-Faktor-Authentifizierung zu aktivieren und sämtliche Bank- sowie Kreditkartenumsätze engmaschig zu kontrollieren.

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Clara Vogt

Über den Autor

Clara Vogt verantwortet das Ressort Technik und Wissenschaft. Sie schreibt ueber KI, Digitalisierung, Forschung und Innovation und uebersetzt komplexe Entwicklungen in klaren, belastbaren Journalismus.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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