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Technik und Wissenschaft

Rhysida veröffentlicht sensible Daten der Berliner Verwaltung im Darknet

Die kriminelle Hackergruppe Rhysida hat nach Ablauf eines Ultimatums am Freitagnachmittag gegen 15:35 Uhr eine massive Menge sensibler Daten aus der Berliner Verwaltung im Darknet veröffentlicht. Die Erpresser hatten zuvor ein Lösegeld von 30 Bitcoins, was etwa zwei Millionen Euro entspricht, gefordert. Da der Berliner Senat die Zahlung ablehnte, beendeten die Hacker die „Auktion“ ihrer Beute und stellten die Dateien öffentlich zum Download bereit. Die Gruppe kommentierte dies auf ihrer Webseite mit den Worten: Alle Dateien wurden im öffentlich zugänglichen Bereich hochgeladen – viel Spaß beim Stöbern, Datenjäger!

Umfang und Art der gestohlenen Daten

Nach Angaben von Rhysida umfasst das Datenpaket rund 1,44 Millionen Dateien mit einem Volumen zwischen 5,26 und 5,8 Terabyte. Die Hacker behaupten, unter anderem 46.522 Verträge, 5.941 Passwörter, 16.389 E-Mail-Adressen und 5.000 Personalakten erbeutet zu haben. Die Daten stammen aus den Senatsverwaltungen für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen sowie aus der Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt.

Die veröffentlichten Inhalte sind vielfältig und teilweise hochbrisant:

  • Personenbezogene Daten: Personalakten, Arbeitszeugnisse, Gehaltsabrechnungen, eingescannte Ausweise sowie Anträge mit Unterschriften.
  • Verwaltungsdaten: Vertrauliche Dokumente zu Disziplinarverfahren, Bußgeldvorgänge und Unterlagen aus Bundesratsausschüssen.
  • Sicherheitsrelevante Informationen: Schwachstellenanalysen zur Berliner Trinkwasserversorgung, Daten zum Zivilschutz sowie Informationen zu Objekten, die im Verteidigungsfall besonders geschützt werden müssten, wie Tanklager, Krankenhäuser und Notstromanlagen. Zudem seien geheime Dokumente zu Rüstungsunternehmen enthalten.
  • Technische Zugänge: Passwörter im Klartext für Zahlungsdienstleister und Verwaltungsdatenbanken.

Hintergrund des Cyberangriffs

Der Cyberangriff wurde am 14. August bekannt. Die Hacker hatten zwischen dem 7. und 12. August unbemerkt Zugriff auf die internen Computersysteme der betroffenen Senatsverwaltungen. Die Behörden gehen davon aus, dass die Gruppe Rhysida eine Verbindung zu Russland hat. Die Gruppe ist weltweit aktiv und nimmt neben Verwaltungen auch kleinere Unternehmen, insbesondere in den USA, ins Visier. Bereits im Mai griff Rhysida die Stuttgarter Verwaltung an und veröffentlichte 383.710 Daten, nachdem ein Lösegeld von 5 Bitcoins (damals 333.000 Euro) nicht gezahlt worden war.

Reaktion des Senats und Expertenmeinungen

Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) lehnte die Zahlung des Lösegeldes ab und erklärte, Berlin lasse sich nicht erpressen. Ein Sprecher der Senatskanzlei gab an, dass derzeit keine Erkenntnisse vorlägen, dass das Landesnetz noch infiltriert sei, die forensischen Untersuchungen jedoch andauerten. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen hat einen Krisenstab eingerichtet. In einem Schreiben aus dem Büro von Florian Hauer, Staatssekretär für Digitalisierung und Verwaltungsmodernisierung, wurde den betroffenen Beschäftigten geraten, Strafanzeige zu erstatten.

Rhysida veröffentlicht sensible Daten der Berliner Verwaltung im Darknet
Photo: zeit.de

In der Fachwelt stieß die Weigerung, zu zahlen, auf Zustimmung. Bianca Kastl vom Chaos Computer Club bezeichnete die Entscheidung als richtig, um kriminelle Gruppen finanziell auszutrocknen. Der IT-Sicherheitsexperte Christof Fischer verwies darauf, dass der Staat gesetzlich keine Zahlungen bei Erpressungen leisten dürfe. Er warnte jedoch davor, dass die Veröffentlichung schädliche Auswirkungen habe und Daten für Identitätsdiebstahl oder Phishing-Angriffe genutzt werden könnten.

Risiken für Betroffene

IT-Administrator Joachim Selzer vom Chaos Computer Club warnte, dass interne Informationen, wie etwa Personalangelegenheiten, für Identitätsdiebstahl ausgenutzt werden können. Während Selzer davon ausgeht, dass der große Datenbestand erst mittelfristig für kriminelle Zwecke missbraucht wird, fordern Experten eine gemeinsame Informationskampagne von Senat, Sicherheitsbehörden, Verbraucherzentrale und Datenschutzbehörde. Der Senat plant, Betroffene je nach Risikoeinschätzung zu informieren und beratend zur Seite zu stehen.

Rhysida veröffentlicht sensible Daten der Berliner Verwaltung im Darknet
Photo: BILD

In die Analyse und Bewältigung des Vorfalls sind neben dem Landeskriminalamt (LKA) auch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) eingebunden.

Hackergruppe stiehlt sensible Daten der Berliner Verwaltung
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Clara Vogt

Über den Autor

Clara Vogt verantwortet das Ressort Technik und Wissenschaft. Sie schreibt ueber KI, Digitalisierung, Forschung und Innovation und uebersetzt komplexe Entwicklungen in klaren, belastbaren Journalismus.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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