In Zürich wurden erstmals ausserhalb der Vereinigten Staaten die Ig-Nobelpreise für kuriose Forschung vergeben. Die satirische Auszeichnung für skurrile wissenschaftliche Arbeiten fand im Kongresshaus statt. Zu den traditionellen Elementen der Gala zählten Reden, Gesangsdarbietungen sowie Papierflieger, die das Publikum nach Herzenslust auf die Bühne schoss. Zudem mussten anerkannte Wissenschaftler ihre Forschung in sogenannten 24/7-Vorträgen erläutern: erst in 24 Sekunden, dann in sieben Worten.
Ig-Nobelpreise erstmals ausserhalb der USA in Zürich verliehen
Der Name der Auszeichnung ist ein Wortspiel und spielt auf die regulären Nobelpreise an, wobei das englische Wort «ignoble» auf Deutsch in etwa mit «unehrenhaft» übersetzt wird. Die Ig-Nobelpreise sollen nach Angaben der Erfinder erst zum Lachen und dann zum Nachdenken anregen. Wissenschaft kann ja auch witzig sein
, sagte die Preisträgerin Ilona Croy von der Universität Jena der dpa. Organisiert wird die Verleihung von der satirischen Wissenschaftszeitschrift «Annals of Improbable Research».
Hintergrund des Umzugs nach Europa
Der Wechsel des Veranstaltungsortes nach Europa und in die Schweiz erfolgte aufgrund von Sicherheitsbedenken für Gäste und der strikten US-Visumpolitik. Marc Abrahams, der die Preise 1991 ins Leben gerufen hatte, begründete den Schritt damit, dass es im vergangenen Jahr unsicher für Gäste geworden sei, das Land zu besuchen. Man könne von den neuen Gewinnern und den international berichtenden Journalisten nicht guten Gewissens verlangen, in die USA zu reisen.
Die Schweiz investiert stark in Bildung, Forschung und Innovation und legt grossen Wert darauf, Wissen einer breiten Bevölkerung zugänglich zu machen, wie Spektrum der Wissenschaft berichtet. Der mittelfristige Plan sieht vor, dass die Verleihung künftig alle zwei Jahre in Zürich stattfinden soll. In den Jahren dazwischen sollen andere europäische Städte die Ausrichtung übernehmen, was die Veranstalter scherzhaft mit dem Modus des Eurovision Song Contest verglichen. Für das Jahr 2027 ist bereits Antwerpen in Belgien als Austragungsort der Zeremonie vorgesehen.
Ausgezeichnete Studien zu Babygeruch, Schlangen und Bodenkunde
Zu den geehrten Arbeiten zählten in diesem Jahr diverse ungewöhnliche Forschungsansätze aus unterschiedlichen Fachbereichen:

- Baby- und Teenagerduft: Ein Team unter deutscher Beteiligung untersuchte, ob Eltern der Körpergeruch ihrer Babys oder ihrer Teenager mehr betört. An der Studie waren neben Ilona Croy auch die Riechforscher Thomas Hummel von der Universität Dresden sowie Agnieszka Sorokowska und Tomasz Frackowiak aus Polen beteiligt. Die Untersuchung ergab, dass Eltern Babygerüche allgemein als angenehm empfanden und ihr eigenes Baby überdurchschnittlich oft erkannten, während Teenagergerüche schlechter abschnitten. Laut Croy hat dies nichts mit Hygiene zu tun, sondern liegt an den Hormonen der Pubertät.
- Verhalten von Giftschlangen: Der Biologe João Miguel Alves-Nunes und seine Kollegen erhielten den Preis in der Kategorie Biologie für eine Studie, bei der sie zu Forschungszwecken behutsam auf verschiedene Körperteile von Giftschlangen traten, um herauszufinden, wann eine Schlange einen Menschenbeisst. Der Artikel wurde zwar im Jahr 2025 vom Fachmagazin Scientific Reports wegen ethischer Bedenken bezüglich der Methode zurückgezogen, brachte dem Team aber dennoch den Preis ein.
- Bodenkunde mit Unterhosen: Eine weitere Gruppe unter deutscher Beteiligung erhielt den Preis für Bodenkunde, nachdem Forscherinnen und Forscher Unterhosen in mehr als 25 Ländern vergraben und anschliessend wieder ausgegraben hatten, um deren Zersetzung je nach Bodenbeschaffenheit zu untersuchen.
- Weitere Preisträger: Ausgezeichnet wurden zudem Entdeckungen zu Mückenrüsseln als 3D-Druckdüsen, spritzfreien Pissoirs, das Naseputzen, der Energiegehalt von Kakerlaken- versus Kuhmilch sowie die Beobachtung, dass wohlsituierte Menschen eher von den Süssigkeiten ihrer Kinder naschen als Menschen mit weniger Geld.
Historischer Rückblick und Dunning-Kruger-Effekt
Im Rahmen der Veranstaltung gab es auch einen Rückblick auf frühere Jahre. So sorgte ein Bild des ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump auf einem Riesenbildschirm für Lachsalven im Saal, als die Gewinner aus dem Jahr 2000 gewürdigt wurden.

Damals hatten David Dunning und Justin Kruger beschrieben, was heute als Dunning-Kruger-Effekt bekannt ist: die Tendenz von Menschen mit geringer Kompetenz in einem Fachbereich, ihr eigenes Wissen und ihre Fähigkeiten zu überschätzen.
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