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Nierenerkrankungen in Deutschland: Studie zeigt hohe Dunkelziffer

Eine bundesweite Studie zeigt, dass Nierenkrankheiten in Deutschland weit verbreitet sind, aber von den Betroffenen meist unbemerkt bleiben. Obwohl schätzungsweise acht Millionen Menschen betroffen sind und die Erkrankung zu den häufigsten Todesursachen zählt, erhalten die Betroffenen oft keine Diagnose.

Nierenkrankheiten verlaufen meist schleichend und verursachen über lange Zeit keine Beschwerden. Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie (DGfN) spüren Betroffene von dem allmählichen Funktionsverlust des Organs lange Zeit nichts. Sylvia Stracke, Pressesprecherin der DGfN von der Universitätsmedizin Greifswald, erklärt dazu: Betroffene fühlen sich häufig völlig gesund, obwohl bereits ein erheblicher Funktionsverlust besteht.

Symptome wie Übelkeit, Appetitmangel oder Herz-Kreislauf-Probleme zeigen sich nach Angaben aus den Quellen meist erst dann, wenn das Organ bereits stark geschädigt ist. In schwerwiegenden Fällen kann dies eine lebenslange Dialyse oder ein Spenderorgan erforderlich machen. Bundesweit sind nach Angaben des Berichts 100.000 Menschen auf eine regelmäßige Blutwäsche angewiesen, während weitere 20.000 mit einer Spenderniere leben.

Ergebnisse der NAKO-Studie und Dunkelziffer in Deutschland

Das Ausmaß der unentdeckten Erkrankungen verdeutlicht eine Auswertung im Rahmen der NAKO-Studie. Ein Forschungsteam um Anna Köttgen und Peggy Sekula vom Institut für Epidemiologie und Prävention am Universitätsklinikum Freiburg analysierte Blutproben von 195.000 Erwachsenen sowie Urinproben von 35.000 Teilnehmern. Das mittlere Alter der Studienteilnehmer lag bei 50 Jahren. Unter Einbeziehung der Urinuntersuchungen wies gut jeder Sechste, konkret 18,4 Prozent, auffällige Werte auf, die auf eine Nierenerkrankung hindeuten können.

Das Problem: Von diesen Personen gaben lediglich fünf Prozent an, jemals eine entsprechende Diagnose erhalten zu haben. Die weitaus meisten Betroffenen wussten demnach nichts von ihrer Erkrankung. Studienleiterin Anna Köttgen erklärt dazu, dass dies auf eine mangelhafte Kommunikation zwischen Ärzten und Patienten hindeuten kann. Zudem scheinen viele Hausärzte wenig auf die entsprechenden Anzeichen zu achten.

Kreatinin und Albumin als entscheidende Laborwerte

Für die Diagnose einer chronischen Nierenkrankheit (CKD) sind zwei wesentliche Laborwerte von Bedeutung. In der NAKO-Studie wurde bei 195.000 Menschen im Alter von 19 bis 74 Jahren der Kreatininwert im Blut bestimmt. Kreatinin ist ein Stoffwechselprodukt, das normalerweise über die Nieren ausgeschieden wird. Aus diesem Wert lässt sich in Verbindung mit Alter und Geschlecht die geschätzte glomeruläre Filtrationsrate (eGFR) berechnen, die als wichtiger Indikator für die Nierenfunktion dient.

Zusätzlich wurde bei 35.000 Teilnehmern der Albuminwert im Harn gemessen. Albumin ist ein Eiweiß, das bei gesunden Menschen nur in sehr geringen Mengen im Urin vorkommt. Erst wenn diese Werte über einen Zeitraum von mindestens drei Monaten auffällig bleiben, lässt sich eine chronische Nierenkrankheit sicher diagnostizieren. Ein einzelner Messwert reicht für eine offizielle Diagnose hingegen nicht aus.

Gesundheitskosten und Bedeutung moderner Therapien

Vor diesem Hintergrund wird die frühzeitige Diagnose von CKD immer wichtiger, damit Betroffene vom therapeutischen Potenzial moderner Behandlungsstrategien profitieren können.

Nierenerkrankungen in Deutschland: Studie zeigt hohe Dunkelziffer

Zwar lassen sich Nierenschäden heute durch verschiedene neue Therapien häufig bremsen oder in ihrem Fortgang verzögern, doch dafür ist eine rechtzeitige Erkennung der Erkrankung die Grundvoraussetzung. Angesichts der demografischen Entwicklung und des wachsenden Anteils älterer Menschen in der Bevölkerung fordern Experten deshalb ein risikobasiertes Screening, wie es internationale Leitlinien seit Jahren empfehlen.

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Jonas Becker

Über den Autor

Jonas Becker verantwortet das Nachrichtenressort von Germanic Nachrichten. Sein Fokus liegt auf schneller, praeziser und sauber verifizierter Berichterstattung zu Politik, Gesellschaft und aktuellen Entwicklungen in Deutschland.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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