Die US-Gleichbehandlungsbehörde EEOC hat festgestellt, dass der Tech-Konzern Cisco möglicherweise die Bürgerrechte arabischer und muslimischer Angestellter verletzt hat. Nach den Anschlägen vom 7. Oktober 2023 und einer firmeninternen Petition gegen Geschäftsbeziehungen zu Israel kam es laut Behördenangaben zu massiver Belästigung und Diskriminierung am Arbeitsplatz.
Die US-amerikanische Gleichbehandlungsbehörde Equal Employment Opportunity Commission (EEOC) hat nach einer Untersuchung festgestellt, dass das Netzwerkunternehmen Cisco die Bürgerrechte von Angestellten aus dem Nahen Osten sowie muslimischen Beschäftigten verletzt haben dürfte. Die im Frühsommer ergangene Entscheidung gilt als ein Präzedenzfall für Beschäftigte in der Technologiebranche, die sich im Rahmen unternehmerischer Aktivitäten im Nahen Osten kollektiv organisiert haben.
Interne Plattformen als Schauplatz von Belästigung und Islamophobie
Ausgelöst wurde das Verfahren durch Beschwerden, die Angestellte im Dezember 2024 bei der Behörde einreichten. Demnach verwandelte sich eine intern genutzte Kommunikationsplattform des weltweit agierenden Tech-Konzerns nach dem Angriff in Israel vom 7. Oktober 2023 in ein Forum für rassistische und islamophobe Äußerungen. Die Anspannung im Unternehmen verschärfte sich massiv, nachdem mehr als 1.700 der über 86.000 Beschäftigten einen offenen Brief unterzeichnet hatten, in dem sie die geschäftlichen Verbindungen des Unternehmens zur israelischen Regierung kritisierten.
Eine Gruppe überwiegend palästinensischer, arabischer und muslimischer Angestellter namens „Bridge to Humanity“ hatte das Dokument koordiniert. Laut den Recherchen von The Guardian entfernte Cisco die Petition zunächst von einer internen Website mit dem Vermerk, sie befinde sich under review
. Viele der Unterzeichner sahen sich daraufhin Anfeindungen ausgesetzt. Kommentare auf internen Kanälen feierten laut Berichten den Tod palästinensischer Zivilisten, bezeichneten Menschen als Tiere und zielten namentlich auf Mitarbeiter ab, die sich für palästinensische Rechte eingesetzt hatten.
Der Untersuchungsbericht der Mitarbeiter und die Reaktion der Behörde
Das Ausmaß der Belästigung dokumentierten die betroffenen Beschäftigten in einem 76-seitigen Bericht, den sie den Personal- und Ethikabteilungen von Cisco vorlegten. In dem Dossier wurden zahlreiche Entgleisungen aus einer internen Gruppe namens Connected Jewish Network aufgeführt. Unter anderem äußerte sich ein anonymer Mitarbeiter angesichts des Todes von zwei Mitgliedern einer palästinensischen Familie in Jerusalem dahingehend, dass er extremely grateful
sei.
Margaret Ly, die lokale Direktorin des EEOC-Büros in San Jose, hielt in einem Schreiben vom 9. Juni fest, dass nach Abschluss der Untersuchung begründeter Anlass zu der Annahme bestehe, dass Cisco eine Gruppe von Personen aufgrund ihrer nationalen Herkunft (aus dem Nahen Osten), ihrer Religion (muslimisch) und/oder ihrer Verbindung zu muslimischen und/oder aus dem Nahen Osten stammenden Personen einem feindseligen Arbeitsumfeld ausgesetzt habe, was einen Verstoß gegen Titel VII des Bürgerrechtsgesetzes von 1964 darstelle.

Christopher Ho, Direktor des Programms für nationale Herkunft und Einwanderungsrechte bei Legal Aid at Work, erklärte, die Feststellung der EEOC sei von besonderer Bedeutung, da es sich offenbar um das erste Mal in einem juristischen Kontext handele, in dem sich eine behördliche oder gerichtliche Feststellung auf die Seite von Beschäftigten in der Tech-Branche gestellt habe, die sich kollektiv organisiert hätten, um für unternehmerische Rechenschaftspflicht hinsichtlich der Verkäufe ihrer Technologie an Israel durch ihre Arbeitgeber zu kämpfen.
Unternehmensreaktion und weitere rechtliche Schritte
Von Seiten des Unternehmens wird die Einschätzung der US-Behörde entschieden zurückgewiesen. Ein Sprecher erklärte gegenüber Medien, dass Cisco disagree[d]
mit der Feststellung sei und alle Bedenken gründlich untersucht sowie entsprechende Maßnahmen ergriffen habe.

Während die von der EEOC eingeleitete Mediation nach Angaben der Rechtsvertretung bislang ohne greifbare Ergebnisse geblieben ist, gehen die arbeitsrechtlichen Auseinandersetzungen weiter. Die Organisation Legal Aid at Work hat parallel Beschwerden bei der Arbeitsbehörde National Labor Relations Board sowie bei der kalifornischen Arbeitskommissarin eingereicht. Darin wird dem Unternehmen vorgeworfen, sich unzulässig in die gesetzlich geschützten Aktivitäten der Arbeitnehmer zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen sowie in deren politisches Engagement eingemischt zu haben. Diese Verfahren sind nach Angaben der Beteiligten noch anhängig.
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