Eine katastrophale Sturzflut hat den nepalesischen Distrikt Rasuwa sowie angrenzende Gebiete in Tibet schwer getroffen. Nach Angaben der Behörden wurde die Katastrophe durch einen Gletschereinsturz ausgelöst, der eine gewaltige Lawine aus Eis, Schlamm und Geröll in Gang setzte, wie die US Geological Survey mitteilte. Die Flutwelle riss am Mittwochmorgen gegen 9 Uhr Dörfer, Brücken, Fahrzeuge und wichtige Infrastruktur mit sich. Die Zahl der Vermissten stieg auf über 2.400 Personen an, während Rettungskräfte weiter nach Überlebenden suchen.
Verheerende Sturzfluten an der Grenze zwischen Nepal und Tibet
Steigende Opferzahlen und Tausende Vermisste
Die Bergungsarbeiten laufen unter extrem schwierigen Bedingungen. Bis Freitag wurden insgesamt 586 Leichen geborgen. In Nepal bezifferte sich die offizielle Zahl der Toten auf 579, während die chinesischen Behörden auf tibetischer Seite sieben Todesfälle meldeten. Flusssysteme trugen einige der Opfer sogar bis nach Indien, wo indische Behörden sieben Leichen aus Flüssen bargen.
Die Zahl der vermissten Personen ist drastisch gestiegen. Die nepalesische Katastrophenschutzbehörde führt nun unter anderem 933 Wasserkraftwerksarbeiter sowie zahlreiche Trekker und Pilger, die auf dem Weg zum heiligen Berg Kailash in Tibet waren, auf ihrer Liste. Nach Angaben der Behörden gelten in Nepal 1.924 Menschen – darunter 517 Ausländer – als nicht erreichbar. Auf tibetischer Seite werden laut der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua 554 Menschen vermissten, während 555 gestrandete Touristen und 499 chinesische Einwohner evakuiert wurden.
Gefahr durch neue Flutwellen und unterbrochene Rettungsmaßnahmen
Die Rettungskräfte stehen vor ständigen Rückschlägen, da sich durch die Schlamm- und Eismassen große Seen gebildet haben, die neue Gefahren bergen. Die nepalesische Polizei forderte alle Einsatzkräfte auf, sich umgehend an einen sicheren Ort zu begeben, nachdem Meldungen über den erneuten Bruch eines Wasserdamms auf tibetischer Seite eingegangen waren.
Auch in Tibet mussten die Rettungseinsätze im besonders schwer getroffenen Gebiet von Gyirong vorübergehend ausgesetzt werden, da ein durch Trümmer entstandener See überzulaufen drohte. Der staatliche Sender CCTV berichtete jedoch später, dass der Wasserstand des Beckens gesunken sei und die Evakuierungs- und Suchmaßnahmen fortgeführt werden könnten. Der chinesische Staatspräsident Xi Jinping leitete ein Treffen zu den Rettungsmaßnahmen und bot Nepal die Unterstützung Pekings an.
Wirtschaftliche Folgen und Schäden an wichtigen Handelsrouten
Die zerstörte Region gehört zu den wichtigsten Verbindungsadern für den Handel zwischen Nepal und China. Der Grenzübergang bei Rasuwagadhi, der erst Anfang Januar nach einer monatelangen Schließung infolge von Überschwemmungen im Juli 2025 wiedereröffnet worden war, wurde erneut schwer in Mitleidenschaft gezogen. Laut BBC macht dieser Handelspunkt etwa ein Drittel des gesamten Handelsvolumens Nepals mit seinem nördlichen Nachbarn aus und bewältigte einen Großteil der nepalesischen Importe von Elektrofahrzeugen aus China.

Experten fordern angesichts der wiederholten Naturkatastrophen und der Konzentration von Wasserkraftprojekten entlang derselben Flussläufe eine Überarbeitung der Entwicklungsstrategie. Die verheerenden Auswirkungen verdeutlichen nach Ansicht von Beobachtern die extreme Anfälligkeit der grenzüberschreitenden Infrastruktur im Himalaya.
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