Mit der „Netzverstärkung Ost plant der Übertragungsnetzbetreiber Austrian Power Grid (APG) eines der größten Strominfrastrukturprojekte in Niederösterreich und im Burgenland. Das Vorhaben umfasst rund 75 Kilometer an Neubauten, den Abbau von 70 Kilometern bestehender Leitungen sowie neue, höhere Strommasten. Die UVP-Einreichung ist für Ende 2027 und der Baubeginn ab 2030 vorgesehen.
Der Ausbau der Strominfrastruktur im Osten Österreichs nimmt konkrete Formen an. Laut Angaben des Übertragungsnetzbetreibers Austrian Power Grid (APG) zählt die sogenannte „Netzverstärkung Ost zu den aktuell größten geplanten Projekten dieser Art in Niederösterreich und im Burgenland. Ziel des Vorhabens sind die Erneuerung bestehender Leitungen, der Bau neuer Höchstspannungsleitungen sowie die Erweiterrichtung und der Neubau von Umspannwerken.
Umfangreiche Trassenneubauten und höhere Masten in Niederösterreich
Konkret sieht die Planung nach Angaben der APG vor, insgesamt rund 75 Kilometer Leitungen neu zu errichten, wovon 45 Kilometer auf Niederösterreich entfallen. Demgegenüber sollen etwa 70 Kilometer an Altanlagen abgebaut werden; hierbei entfallen 40 Kilometer auf niederösterreichisches Gebiet. Auf weiteren rund 16 Kilometern bestehender Trassen plant das Unternehmen den Einsatz leistungsfähigerer Leiterseile.
Mit den Baumaßnahmen geht auch eine Veränderung des Landschaftsbildes einher. In Niederösterreich werden rund 140 neue Strommasten errichtet. Während die bisherigen Standard-Strommasten für die 220-kV-Spannungsebene eine Höhe von 42 Metern aufwiesen, erreichen die neuen 380-kV-Standardmasten in vierfacher Ausführung eine Höhe von 68,5 Metern.
Verbindung zwischen Wien Südost, Sarasdorf und Trumau
Ein zentraler Bestandteil des Projekts betrifft die Verbindung zwischen dem Umspannwerk Wien Südost und dem Raum Sarasdorf im Bezirk Bruck/Leitha, Trumau im Bezirk Baden sowie dem weiteren Verlauf in Richtung Burgenland. In diesem Zuge sollen bestehende 220-kV-Leitungen teilweise abgetragen und durch leistungsfähigere 380-kV-Verbindungen ersetzt werden.
Von den anstehenden Arbeiten sind nach der aktuellen Planung die Bezirke Bruck/Leitha, Baden und Mödling betroffen. Konkret werden in der Region die Gemeinden Bruck/Leitha, Höflein, Rohrau, Himberg, Ebergassing, Göttlesbrunn-Arbesthal, Moosbrunn, Trautmannsdorf, Götzendorf, Enzersdorf und Gramatneusiedl (alle Bezirk Bruck/Leitha) sowie Münchendorf und Trumau (beide Bezirk Baden) berührt.
Steigender Strombedarf und Einspeisung erneuerbarer Energien
Die APG begründet das Großprojekt mit einem deutlich höheren Strombedarf. Einerseits soll durch die Maßnahmen mehr Strom aus Windkraft und Photovoltaik in das überregionale Netz eingespeist werden können. Andererseits dient der Ausbau der Vorbereitung auf einen künftig höheren Verbrauch durch Haushalte, Gewerbe und Industrie.
Zusätzlich soll die Netzstabilität im Osten Österreichs nachhaltig erhöht werden. Geplant ist unter anderem ein neuer Netzknoten im Raum Trumau sowie ein neues Umspannwerk weiter östlich im burgenländischen Parndorf, während auch die Umspannwerke in Sarasdorf und Trumau ausgebaut werden.
Infomessen für die Bevölkerung und Zeitplan bis zum Baubeginn
Wie stark die jeweiligen Gemeinden und Grundeigentümer von den Vorhaben betroffen sein werden, hängt maßgeblich von der konkreten Trassenführung und den exakten Maststandorten ab. Um hierüber zu informieren, hat die APG rund 38.000 Haushalte per Post verständigt. Zwischen dem 14. September und dem 1.
Dort stehen neben Projektverantwortlichen auch Fachleute aus den Bereichen Technik, Umwelt und Recht für Fragen der Anrainer bereit. In mehreren Kommunen präsentiert zudem die Netz Niederösterreich parallel eigene Ausbauvorhaben.
Laut Angaben der APG wurde bei der Neutrassierung darauf geachtet, einen möglichst großen Abstand zu Siedlungen einzuhalten. Der geringste derzeit geplante Abstand eines neuen Leitungsmastes beträgt demnach in Einzelfällen rund 250 Meter.
Das Projekt befindet sich gegenwärtig in der Planungsphase. Die offizielle Einreichung zur Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) ist für Ende 2027 vorgesehen, während der Baubeginn nach derzeitigem Stand frühestens ab 2030 erfolgen soll.
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