Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat eine drastische Ausweitung der Langstreckenangriffe auf russisches Territorium gefordert und kündigt an, künftig täglich 1,000 Drohnen einzusetzen. In seiner Videobotschaft verwies er auf wirtschaftliche und logistische Verluste in Russland und dankte zugleich den USA für Gespräche des CIA-Chefs in Moskau.
Bislang fliegen nach Angaben aus Kiew durchschnittlich über 300 Drohnen in Richtung des russischen Hinterlandes. Diese Zahl soll sich nach dem Willen der Staatsführung mehr als verdreifachen, um die militärische Logistik des Gegners nachhaltig zu schwächen und den wirtschaftlichen Druck auf Moskau zu maximieren, während die Ukraine parallel die Produktion von Abfangraketen speziell gegen Russlands Drohnen deutlich beschleunigen muss.
Wolodymyr Selenskyj fordert 1,000 Langstreckendrohnen täglich
Im Rahmen seiner in Kiew verbreiteten abendlichen Videobotschaft machte der ukrainische Präsident unmissverständlich klar, dass die bisherige Kampagne nicht ausreicht. «Die Aufgabe lautet: täglich 1000 Drohnen für Langstreckenangriffe gegen Russland. Derzeit führen wir durchschnittlich über 300 solcher Langstreckenangriffe aus – das muss mehr werden», erklärte Wolodymyr Selenskyj (48) in seiner Erklärung am Freitag. Um russische Angriffe abwehren zu können, müsse man selber mehr Waffen benutzen und den Waffeneinsatz maximieren, so der Präsident weiter.
Im Zentrum der Langstreckenangriffe stehen gezielt Ölraffinerien, Logistikzentren und andere militärische Ziele. Durch diese Schläge hat Kiew die Kosten für Moskaus Krieg in die Höhe getrieben. Kremlchef Wladimir Putin hatte wirtschaftliche Schäden zwar eingeräumt, diese jedoch als nicht kritisch heruntergespielt. Putin wiederum drohte der Ukraine mit Attacken, die weitaus mehr Zerstörungen anrichteten als umgekehrt. Dagegen sagte Selenskyj, dass Kiew auf Moskaus «Terroreskalation» antworten werde, und hatte immer wieder erklärt, dass es praktisch das Ziel Kiews sei, Moskau verhandlungsreif zu schiessen.
Blockade von Noworossijsk und wirtschaftliche Konsequenzen für Russland
Die Angriffe auf Nachschubwege und Industrieanlagen zeigen nach Kiewer Darstellung bereits konkrete Wirkung. Neben Raffinerien geraten vor allem maritime Verkehrswege ins Visier der ukrainischen Strategie. Die ukrainischen Streitkräfte blockieren derzeit den Hafen Noworossijsk, der für die russische Schwarzmeerflotte essenziell ist.
«Sie haben bereits weniger Benzin, weniger Exporte und weniger Logistikkapazitäten», bilanzierte Selenskyj zu den bisherigen Ergebnissen der seit Wochen andauernden Attacken, die das Kriegspotenzial verringern. «Es wird noch mehr solcher Verluste für sie geben, wenn Russland nicht bereit ist, vernünftig über ein Ende dieses Krieges zu verhandeln», fügte er an und kündigte zudem an: «Wir werden mit Sicherheit Wege finden, auch ihre anderen Häfen zu blockieren.» Auf der Gegenseite greift Russland jedoch weiterhin die für die Ukraine lebenswichtigen Schwarzmeerhäfen in der Region Odessa an, wo ebenfalls kaum noch Schiffsverkehr möglich ist, nachdem Moskau Kiews Angebot einer Waffenruhe im Seekrieg zuletzt abgelehnt hatte.
CIA-Besuch in Moskau und Warnungen vor Nato-Eskalationen
Ein weiteres zentrales Thema in Kiews aktueller Berichterstattung ist die diplomatische und nachrichtendienstliche Aktivität der Vereinigten Staaten im Hintergrund. So wurde der ukrainische Präsident bereits im Vorhinein von der US-Seite zu den Gesprächen von CIA-Chef John Ratcliffe (60) in dieser Woche in der russischen Hauptstadt informiert. Das «Wall Street Journal» und das Magazin «Politico» meldeten beziehungsweise berichteten unter Berufung auf nicht namentlich genannte Quellen, dass der CIA-Chef bei seinem Besuch am Dienstag in Moskau angetreten war, um vor einem Angriff auf die Nato-Verbündete zu warnen und so eine Eskalation zu verhindern.

US-Präsident Donald Trump lehnte es ab, Medienberichte über den Zweck der Reise von Ratcliffe zu kommentieren, sagte jedoch lediglich über die Russen: «Sie werden nicht angreifen». Selenskyj bedankte sich indes ausdrücklich bei der US-Seite für die Bemühungen und den «notwendigen Ton des Gesprächs mit Russland», ohne weitere Details zu nennen.
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