Tauchern sind in der polnischen Ostsee und im Ionischen Meer drei deutsche Schiffswracks aus dem Zweiten Weltkrieg gelungen. Unter den Funden befinden sich zwei U-Boote, darunter die U-583 mit 45 Toten östlich von Bornholm, sowie ein deutsches Schnellboot der deutschen Kriegsmarine vor Griechenland.
U-Boot-Funde in der Ostsee als Seekriegsgräber bestätigt
In der polnischen Ostsee haben Forscher und Tauchvereine zwei deutsche U-Boote aus dem Zweiten Weltkrieg geortet. Dr. Christian Lübcke vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge bestätigte die Entdeckung der Wracks von U-583 und U-649. Beide Unterwasserfahrzeuge gelten offiziell als Seekriegsgräber.
Das U-Boot U-583 wurde am 15. Juli in etwa 65 Metern Tiefe östlich der dänischen Insel Bornholm am Rande der polnischen Wirtschaftszone lokalisiert. Das Boot war am 15. November 1941 während einer Ausbildungsfahrt nach einer Kollision mit einem anderen deutschen U-Boot gesunken. Alle 45 Besatzungsmitglieder kamen ums Leben. Das Schiff gehörte zur 5. U-Boot-Flottille und kam nie bei einem Kriegseinsatz zum Zug; Kommandant war Kapitänleutnant Heinrich Ratsch. Der Fund gelang dem polnischen Verein Stowarzyszenie Wyprawy Wrakowe
gemeinsam mit einem Vermessungsunternehmen nach dem dritten Versuch.
Über das zweite Ostsee-U-Boot, U-649, liegen den Behörden bislang weniger Details vor. Das Schiff sank am 24. Februar 1943 ebenfalls nach einer Kollision mit einem anderen U-Boot. Dabei ertranken 35 Soldaten, während sich elf Menschen retten konnten.
Deutsches Schnellboot vor Griechenland entdeckt
Weit im Süden, im Ionischen Meer vor der griechischen Hafenstadt Preveza und der Insel Lefkada, stossen Taucher auf ein weiteres historisches Relikt. In 96 Metern Tiefe liegt das Wrack des deutschen Schnellbootes LS 6.

Die Suche nach dem Wasserfahrzeug nahm nach Angaben des technischen Tauchlehrers Marinos Giourgas bereits vor 13 Jahren ihren Anfang. Ausgehend von deutschen Militärarchiven und Hinweisen des griechischen Historikers Giorgos Karelas grenzte das Team das Suchgebiet ein. Mithilfe von Unterwasseraufnahmen und historischen Unterlagen gelang die Identifikation des aus Aluminium gefertigten Bootes.
„Das Wrack steht aufrecht auf dem Meeresboden, als wäre es bereit, zu seiner nächsten Mission auszulaufen.“
Marinos Giourgas, Expeditionsleiter, via Bild
Das Boot war im September 1943 bei einem Luftangriff schwer beschädigt und zur Reparatur nach Korfu gebracht worden. Während des Weiterstransports nach Piräus nahm das Schiff Wasser auf und sank. Beim Untergang des Schnellbootes gab es keine Opfer.
Schutz der Seekriegsgräber vor illegalen Plünderungen
Angesichts der neuen Entdeckungen stellt sich die Frage nach dem Umgang mit den Unterwasser-Ruinen. Der Volksbund will die Gebeine der Toten nicht bergen, um die Totenruhe zu wahren. Um Plünderungen durch Souvenirjäger abzuschrecken, erwägt der Volksbund, eine Tauchverbotszone bei den polnischen Behörden zu erwirken.

Christian Lübcke äusserte Bedenken angesichts von Lockerungen im polnischen Umgang mit Unterwasserkulturgut. Während Polen früher die UNESCO-Konvention zum Schutz von Unterwasserkulturgut unterzeichnet hatte, sieht der Vertreter des Volksbundes in den jüngsten Entwicklungen das falsche Signal, da weltweit deutsche Seekriegsgräber von Plünderungen bedroht sind.
Der Zustand der Ostsee-Funde unterscheidet sich stark: Während Piotr Wytychowski vom polnischen Verein für Wracktauchgänge betonte, dass das Wrack der U-583 in einem sehr guten, fast einteiligen Zustand erhalten sei, ist es zugleich von sehr vielen Fischernetzen umwickelt. Der Fund wurde den zuständigen Behörden gemeldet, um gemeinsame Untersuchungen abzustimmen.
Verwandte Artikel