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Welt

Himalaya-Katastrophe: Fast 600 Tote nach Gletscherabbruch an Nepal-Grenze

Verheerende Sturzfluten nach einem Gletscherabbruch im Himalaya haben am Mittwoch an der Grenze zwischen Nepal und Tibet fast 600 Menschenleben gefordert. Tausende werden vermisst. Während Rettungskräfte Überlebende aus Schlamm bergen, lehnt Kathmandu ausländische Hilfe vorerst ab.

Katastrophale Sturzfluten und steigende Opferzahlen an der Grenze

Nach den verheerenden Sturzfluten im Grenzgebiet zwischen Nepal und Tibet am vergangenen Mittwoch dauert der Großeinsatz von Rettungskräften an. Die Wassermassen, ausgelöst durch einen massiven Gletscher- und Felsabbruch am Langtang Lirung, wälzten sich durch steile Täler und rissen Dörfer, Brücken sowie Straßen mit sich. Die Opferzahlen steigen kontinuierlich an: Die nepalesische Katastrophenschutzbehörde registrierte am Freitag 579 Todesopfer, während die Polizei die Zahl mit 553 angab. Auf der chinesischen Seite stieg die offizielle Zahl der Toten auf fünf.

Parallel dazu hat sich die Zahl der Vermissten in Nepal auf fast 2.500 erhöht, darunter zahlreiche lokale Anwohner sowie ausländische Staatsangehörige, die sich zum Arbeiten, Wandern oder Pilgern in der Region aufhielten. Helikopter flogen nach Behördenangaben bereits Tausende Menschen aus den betroffenen Regionen aus, um Verletzte in Notkrankenhäuser zu bringen.

Wissenschaftliche Analyse des Bergsturzes und neue Flutwellen-Gefahren

Geowissenschaftler haben unterdessen Satellitenbilder ausgewertet, um die Ursache der Katastrophe zu rekonstruieren. Demnach brach nicht nur ein Teil des Gletschers ab, sondern ein massiver Teil des darunterliegenden Felsuntergrunds stürzte vom Bergmassiv in die Tiefe. Die herabstürzenden Eismassen und Gesteinsbrocken ließen Flüsse wie den Trishuli stark anschwellen, dessen Wasserpegel und Farbe sich durch tonnenweise Schlamm und Sedimente drastisch veränderten.

Zusätzliche Sorge bereitet ein neuer, durch den Kollaps gebildeter See hoch oben im Himalaya, der überzulaufen drohte. Nachdem nepalesische Behörden vor einem Dammbruch auf tibetischer Seite gewarnt hatten, mussten Rettungskräfte ihre Arbeiten zeitweise unterbrechen. Überwachungsdaten des chinesischen Ministeriums für Wasserressourcen zeigten jedoch später, dass der Wasserspiegel des Sees gesunken ist.

Rettungseinsätze im Schlamm und die Verweigerung internationaler Hilfe

Im Distrikt Rasuwa kämpfen Einsatzkräfte der nepalesischen Armee weiter darum, Menschen aus einer verschütteten Tunnelanlage des Wasserkraftprojekts Upper Trishuli-1 zu befreien. Meterhohe Schlammschichten erschweren das Auffinden der Ein- und Ausgänge erheblich.

Himalaya-Katastrophe: Fast 600 Tote nach Gletscherabbruch an Nepal-Grenze
Photo: The Guardian

Es ist kompliziert, die Ein- und Ausgänge des Tunnels zu finden, da alles mit Schlamm bedeckt ist. Unsere oberste Priorität ist die Rettung der eingeklemmten Menschen. Brigadegeneral Raja Ram Basnet, Armeesprecher, via AP News

A drone view of firefighters conducting search and rescue operations at a damaged road leading to Gyirong Port after a
Photo: Reuters

Obwohl zahlreiche Staaten mit vermissten Staatsbürgern – darunter Südkorea, Indien und die USA – angeboten hatten, eigene Such- und Rettungsteams zu entsenden, lehnte das Außenministerium in Kathmandu diese Unterstützung vorerst ab. Lok Bahadur Chhetri, Sprecher des nepalesischen Außenministeriums, begründete dies damit, dass die eigenen Sicherheitskräfte die Operationen erfolgreich selbst koordinieren.

Das Hilfsangebot ist natürlich. Unsere Sicherheitsbehörden führen die Suche und Rettung durch. Für den Moment benötigen wir eine solche Hilfe nicht. Lok Bahadur Chhetri, Sprecher des Außenministeriums, via Reuters

Beobachter wie der ehemalige nepalesische UN-Botschafter Dinesh Bhattarai verweisen zudem auf die politische Sensibilität der Grenzregion zu Tibet, die eine Aufnahme ausländischer Rettungsteams erschweren könnte. Chhetri wies diesen Zusammenhang jedoch zurück.

Reaktionen aus Peking und Informationskontrolle in Tibet

Dennoch wird die Berichterstattung über die Situation in Tibet durch strenge staatliche Informationskontrollen erschwert. Während in Nepal unabhängige Medien und Journalisten direkten Zugang zu den Betroffenen erhielten, blieben die offiziellen Opfermeldungen aus der VR China im Vergleich zu den Ausmaßen der Zerstörung auffällig niedrig. Südkorea, das unter anderem den Verlust von Staatsbürgern im Bereich eines betroffenen Kraftwerks beklagt, kündigte derweil an, weiter mit Nepal über humanitäre Hilfe verhandeln zu wollen, und sagte eine Finanzhilfe in Höhe von 1 Million US-Dollar zu.

Nepal Floods: China’s Xi Orders All-Out Rescue Operations After Nepal Flood Disaster | News18
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Anna Richter

Über den Autor

Anna Richter leitet das Weltressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet ueber internationale Politik, Diplomatie und geopolitische Entwicklungen mit Fokus auf Kontext, Verlaesslichkeit und Relevanz fuer deutschsprachige Leser.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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