Der aus Russland geflohene Lehrer Pawel Talankin hat mit seiner Dokumentation über die staatliche Militarisierung des Schulunterrichts internationale Bekanntheit erlangt. Der Film schildert die ideologische Beeinflussung von Kindern nach Beginn des Ukraine-Krieges und wurde international mehrfach ausgezeichnet.
Vom Klassenzimmer in der Industriestadt zum internationalen Filmpreis
In der von der Kupferindustrie geprägten Ural-Stadt Karabas veränderte sich der Alltag an der Grundschule Nummer 1 nach dem Einmarsch russischer Truppen im Februar 2022 grundlegend. Der Lehrer und Videograf Pawel Talankin sollte im Auftrag des Bildungsministeriums offizielle Veranstaltungen und patriotische Rituale dokumentieren. Statt die Aufnahmen wie vorgeschrieben nach den Berichten zu löschen, behielt er das Material und schmuggelte es im Sommer 2024 auf Festplatten aus dem Land. Unterstützt von dem Regisseur David Borenstein und Produzenten aus Dänemark und Tschechien entstand daraus der Dokumentarfilm Mr. Nobody Against Putin.
MR. NOBODY AGAINST PUTIN im Gartenbaukino
Die Dokumentation feierte ihre Premiere auf dem Sundance Film Festival 2025, wo sie mit einem Special Jury Award ausgezeichnet wurde. Das Filmteam wurde auf der Bühne von Regisseur David Borenstein und dem 35-jährigen Lehrer Pavel Talankin vertreten, der sich auf Russisch an das Publikum wandte.
Mr. Nobody Against Putin is about how you lose your country, and what we saw when working with this footage is that you lose it through countless small, little acts of complicity,
sagte Regisseur David Borenstein auf der Bühne.
Propaganda und Drill im Schulalltag von Karabas
Gespräch mit Pavel Talankin
Die Berichte aus dem Film zeichnen ein düsteres Bild der veränderten Lernumgebung. Nach Angaben der Berichterstattung mussten Lehrkräfte staatliche Vorgaben und pro-russische Kriegspropaganda Wort für Wort im Unterricht wiederholen. Kinder unter zehn Jahren wurden im Rahmen des Sportunterrichts in militärischen Märschen geschult und erhielten von Mitgliedern der Wagnergruppe Instruktionen an Schusswaffen. Auch Granatwurf-Wettbewerbe gehörten zum schulischen Programm, bei denen die Kinder mit den weitesten Würfen belohnt wurden.

Talankin beschrieb die Mechanismen dieser ideologischen Formung in Interviews. In einer Unterrichtsstunde zum Beginn des Konflikts sei zunächst von alten Verbindungen zwischen Russland, der Ukraine und Belarus gesprochen worden, bevor der Ton umschwenkte. The first lesson began very smoothly: 'Russia, Ukraine, Belarus — we are such wonderful friends, so united. We have one language, the same fairy tales, we understand each other,'
, erinnerte sich Talankin an diese Szene. And then the teacher says: 'But Ukraine chose a…'
, beschrieb er den Wendepunkt der Stunde.
Reaktionen, Kritik und die Flucht ins Exil
Mr. Nobody Against Putin' Wins Oscar For Best Documentary
Die russische Filmkritikerin Maria Bezruk betonte gegenüber Current Time am 16. März, die internationale Aufmerksamkeit für dieses Thema sei von enormer Bedeutung. The very fact that this topic has finally attracted global attention is already very significant,
erklärte Bezruk. The fact that this film was awarded is extremely important for all of us anti-war Russians,
betonte sie weiter.

There are countries where instead of falling stars, bombs fall from the sky and drones fly. In the name of our future, in the name of all our children, let us stop all wars. Now,
sagte Pavel Talankin bei seinem Auftritt.
Talankin selbst schilderte seine Abreise aus Russland als hochriskantes Unterfangen. Er traf Borenstein online und filmte zwei Jahre lang, während Borenstein aus Europa Regie führte. Im Sommer 2024 floh Talankin, auch bekannt als Pasha, aus Russland und brachte die Festplatten mit dem Filmmaterial ins Ausland. Trotz der persönlichen Gefahren und der Anfeindungen blickt der Filmemacher auf ein Projekt zurück, das als berührende und intime Chronik beschrieben wurde, die zeigt, wie politische Macht in persönliche Beziehungen hineinwirkt.
Weiterlesen