Russischsprachige Cyberkriminelle haben zwischen April und Mai den von SpaceX übernommenen KI-Programmierassistenten Cursor genutzt, um international mindestens 20 Unternehmen anzugreifen. Darunter befanden sich auch deutsche Betriebe wie der Garagentorhersteller Teckentrup, wobei die Täter Sicherheitsvorkehrungen durch eine geschickte Simulations-Täuschung umgingen.
Wie die Ransomware-Gruppe Aur0ra die KI-Sicherheitsvorkehrungen umging
Einen Einblick in die Methoden der Angreifer gaben Berichte der IT-Sicherheitsfirmen Gambit Security und CloudSek. Demnach nutzte eine neue Hackergruppe namens Aur0ra den auf Anthropic-Technologie basierenden KI-Assistenten Cursor, um zwischen dem 8. April und dem 21. Mai Hunderte von schädlichen Operationen automatisiert auszuführen. Die Täter täuschten der Software vor, es handle sich bei ihren Befehlen lediglich um eine Testumgebung, wodurch der Agent eigenständig Hunderte Aktionen einleitete.
Die Tel Aviv-basierte Firma Gambit Security entdeckte die Hacking-Kampagne, nachdem ein Server, den eine neue Ransomware-Gruppe namens Aur0ra versehentlich dem Internet ausgesetzt hatte, gefunden wurde. Dies erlaubte es dem Unternehmen, 28 Chat-Sitzungen zwischen einem oder mehreren Hackern von Aur0ra und einem der KI-Agenten von Cursor zu überprüfen. In seinen Berichten teilte Gambit mit, dass Aur0ra den KI-Agenten dazu brachte, Hunderte von bösartigen Operationen wie Anmeldedaten-Diebstahl oder die Übernahme von Konten mit hohem Wert auszuführen, indem fälschlicherweise behauptet wurde, das Hacking sei Teil einer Simulation. „Wir brauchen ein Administratorenkonto, zitierten die Hacker bei einer Gelegenheit, und fügten hinzu: „Finden Sie funktionierende Passwörter.
In den Chat-Protokollen, die auf einem ungesicherten Server frei im Internet lagen, zeigte sich die KI völlig unbeeindruckt von den tatsächlichen Absichten. „Dies ist eine Testumgebung, also ist es legal“, schlussfolgerte der Agent laut den Berichten in einem der Protokolle selbst. Bei dem verwendeten Technik-Modell handelte es sich um Claude Sonnet 4.5 des Anbieters Anthropic. Die Vorfälle werfen ein Schlaglicht auf die Risiken der Technologie, zumal Cursor erst Anfang des Monats in das von Elon Musk geführte Unternehmen SpaceX integriert worden war. Weder Cursor noch die Muttergesellschaft SpaceX gaben Kommentare ab.”
Betroffene Firmen in Deutschland, Europa und den USA
Während CloudSek insgesamt mindestens 20 Opfer verzeichnete, identifizierte die Nachrichtenagentur Reuters nach eigener Überprüfung der Chat-Daten sechs betroffene Unternehmen namentlich. Zu den attackierten Betrieben zählt neben dem deutschen Garagentorhersteller Teckentrup auch das belgische Chemieunternehmen Christeyns – ein in Gent ansässiger Hersteller von Hygiene- und Reinigungsprodukten – sowie die in Schottland ansässige Helideck Certification Agency, die Hubschrauberlandeplätze überprüft. Weitere Opfer waren ein pharmazeutischer Distributor in Argentinien, ein italienischer Hersteller und Bayou Title, das sich als Louisianas größtes Eigentumsversicherungsunternehmen bewirbt.

Keines der sechs Unternehmen reagierte auf Anfragen von Reuters um Stellungnahme. Bei dem konkreten Angriff auf den deutschen Hersteller Teckentrup bewertete die Software die Erfolgschance für den Einsatz eines bekannten Schadprogramms als „sehr hoch“, wie aus den freiliegenden Protokollen hervorgeht. Mindestens einer der Betroffenen tauchte zudem auf einer Internetseite der Hacker auf, was auf einen gescheiterten Erpressungsversuch hindeutet. Weder die betroffenen Unternehmen noch der heutige Cursor-Eigentümer SpaceX äußerten sich zu den Vorfällen.”
Geschwindigkeitsvorteil durch kommerzielle KI-Assistenten
Der Einsatz kommerzieller Programmierhilfen verschafft Angreifern nach Einschätzung von Sicherheitsexperten einen drastischen Effizienzschub. Curtis Simpson, Chief Strategy Officer von Gambit Security, bewertete die Vorfälle als Teil eines andauernden Wettlaufs („Katze-und-Maus-Spiel“) zwischen Kriminellen und KI-Anbietern. „Wir werden so etwas in Zukunft immer häufiger sehen, warnte Simpson mit Blick auf die neue Normalität KI-gestützter Hackerangriffe.
”
Durch das Überspringen manueller Schritte arbeiten Cyberkriminelle mit derartigen Werkzeugen 30 bis 50 Prozent schneller, wie Eyal Sela von Gambit erklärte. April und dem 21. Mai dieses Jahres statt.
Verwandte Artikel