Los Angeles Dodgers Eigentümer Mark Walter steht im Fokus einer Bundesuntersuchung wegen fragwürdiger Kredite. Dies führt zu schnellen Verkäufen von Sportbeteiligten. Während die Lakers verkauft wurden und Chelsea-Anteile wackeln, sorgt die finanzielle Situation des Rekordetats-Clubs für Unruhe in der Major League Baseball.
Die sportlichen Erfolge der Los Angeles Dodgers und die Stabilität ihres Eigentümerkreises galten lange als unerschütterlich. Doch nun geraten die Grundlagen des amtierenden World-Series-Champions ins Wanken. Mark Walter, der Chef von Guggenheim Partners und Haupteigentümer des Clubs, ist ins Visier von US-Staatsanwälten in Manhattan geraten. Laut Berichten über die Beschlagnahmung eines Mobiltelefons durch das FBI im vergangenen Jahr untersucht die Bundesbehörde mögliche finanzielle Unregelmäßigkeiten bei zwei Versicherungsgesellschaften, die unter Walters Kontrolle stehen.
Finanzdruck und der rasante Verkauf von Sportbeteiligungen
Walter reagierte auf den behördlichen Druck mit überraschender Geschwindigkeit und begann in den vergangenen Wochen damit, weitere Sportinvestments abzustoßen. So trennte er sich von den Los Angeles Lakers. Er veräußerte Anteile an dem traditionsreichen NBA-Club für 12 Milliarden US-Dollar, gerade einmal zwei Jahre nachdem er die Franchise für 10 Milliarden US-Dollar erworben hatte. Darüber hinaus stehen nach Angaben aus Branchenkreisen auch Verhandlungen über den Verkauf seiner Anteile am englischen Premier-League-Club Chelsea FC im Raum.
Diese Verkäufe in Rekordzeit nähren Spekulationen an den Finanzmärkten und im Sportbetrieb, ob die Dodgers als Nächstes zum Verkauf stehen könnten. Diese Entwicklung trifft die Major League Baseball zu einem höchst sensiblen Zeitpunkt. Mit einem Rekordetat von 417 Millionen US-Dollar stehen die Dodgers an der Spitze aller MLB-Gehaltslisten, während im Hintergrund bereits ein scharfer Arbeitskampf zwischen den Team-Eigentümern und den Spielern schwelt.
Parallelen zur Vergangenheit und die Sorge der Dauerkarteninhaber
Für Beobachter der kalifornischen Sportszene weckt die aktuelle Gemengelage unwillkürlich Erinnerungen an frühere Eigentümerkrise. Robbin Itkin, eine Anwältin, die im Jahr 2011 Dauerkarteninhaber während der Insolvenz des damaligen Dodgers-Eigentümers Frank McCourt vertrat, verfolgt die jüngsten Entwicklungen mit großer Sorge.
„Well, there’s always concern when you see an investigation going on with an owner of a business that you care about. And the Dodgers are a business. So it’s unclear at this point what it is, but I’m certainly following it and hope that it’s not going to be something that adversely affects the team.“
Robbin Itkin, Anwältin und Dodgers-Dauerkarteninhaberin, via Yahoo Sports UK
Historisch gesehen litten Teams in Los Angeles wiederholt unter den finanziellen Fehltritten ihrer Besitzer. MLB warf McCourt einst vor, 190 Millionen US-Dollar aus den Kassen der Dodgers abgezweigt zu haben, um private Schulden zu begleichen. Noch weiter zurück liegt der Fall von Bruce McNall, der 1988 die Kontrolle über die Los Angeles Kings übernahm und Wayne Gretzky verpflichtete, ehe 1994 bekannt wurde, dass er Banken und die Eishockey-Franchise um mehr als 230 Millionen US-Dollar betrogen hatte.
Liquiditätsprobleme als Kernrisiko im Profisport
Richard Wynne, ein Jurist, der McNall im Insolvenzverfahren des Jahres 1995 vertrat, weist auf die strukturellen Fallstricke hin, denen selbst vermögende Unternehmer erliegen können.
„Broadly in sports, liquidity is often the constraining factor. When you look at when people have gotten into financial troubles, it’s been more liquidity than asset value.“
Richard Wynne, Insolvenzanwalt, via Yahoo Sports UK
Während der Vermögenswert von Franchises wie den Dodgers massiv gestiegen ist – Guggenheim Partners übernahm den Club im Jahr 2012 aus der damaligen Insolvenz für die Rekordsumme von 2,15 Milliarden US-Dollar –, können rechtliche Ermittlungen gegen die Holdinggesellschaften der Inhaber den nötigen Geldfluss plötzlich blockieren.
Sportliche Delle und Reaktionen der Konkurrenz
Die wirtschaftlichen Unruhen fallen ausgerechnet in eine Phase, in der die sportliche Dominanz des Titelverteidigers erste Risse zeigt. Seit dem 1. Juli agieren die Dodgers mit einer Bilanz von 22-21 lediglich im Mittelfeld der Liga. Trotz namhafter Verstärkungen wie dem kürzlich verpflichteten Cy-Young-Award-Gewinner Tarik Skubal rutschte das Team im Kampf um die beste Positionierung in der National League zeitweise hinter die finanziell deutlich kleiner aufgestellten Milwaukee Brewers.
Auch die Konkurrenz beobachtet die Situation genau. Steve Cohen, der als Eigner der New York Mets mit einem geschätzten Privatvermögen von 25 Milliarden US-Dollar als reichster Clubbesitzer im Baseball gilt, äußerte sich im Rahmen einer Befragung zu den Vorgängen in Los Angeles.
„It’s an investigation. Don’t really know exactly where it’s going. I hope Mark can figure it out and put it behind him. The Dodgers are still a strong team — strong revenues, solid process. I think the Dodgers are going to continue to be a good team.“
Steve Cohen, Eigentümer der New York Mets, via Newsday
Ob Mark Walter die Vorwürfe ausräumen und die Kontrolle über sein Sportimperium behalten kann, bleibt offen. Mit Blick auf die anstehende Schlussphase der Saison und den nahenden Meldeschluss für Spielertransransfers steht für die Dodgers jedoch fest, dass die grössten Herausforderungen in diesem Jahr möglicherweise abseits des Spielfelds gelöst werden müssen.
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