Die Vereinigten Staaten haben Syrien am Montag nach 47 Jahren von der Liste der staatlichen Terrorismusförderer gestrichen. Die von Außenminister Marco Rubio und Finanzminister Scott Bessent verkündete Entscheidung soll Investitionsbarrieren abbauen und das Land nach knapp 14 Jahren Krieg wieder in die Weltwirtschaft einbinden.
Das Ende einer 47-jährigen Isolation in Washington
Die US-Regierung hat am Montag die offizielle Streichung Syriens von der Liste der staatlichen Sponsoren des Terrorismus vollzogen. Syrien stand seit 1979 auf der US-Liste, nachdem die Regierung des damaligen Machthabers Hafez al-Assad der Unterstützung militanter Gruppen beschuldigt worden war.
Die Listung war bisher mit schweren Finanzsanktionen, Beschränkungen für US-Militärexporte, ausländische Hilfe und bestimmte Güter verbunden und hatte Abschreckungswirkung für Banken sowie Investoren. US-Außenminister Marco Rubio erklärte dazu, die Maßnahmen seien in Anerkennung positiver Schritte und weiterer Zusagen der syrischen Regierung unter Präsident Ahmed al-Sharaa erfolgt, um Syrien vollständig von Akten des internationalen Terrorismus zu distanzieren. Rubio betonte, dass mit diesem Schritt die letzten großen Hürden für private Investitionen fallen und die wirtschaftliche Erholung sowie die Wiedereingliederung Syriens in die Weltwirtschaft gefördert werden.
Wandel an der Staatsspitze und diplomatische Annäherung
Hintergrund der politischen Kehrtwende ist der Machtwechsel in Damaskus. Nach dem Sturz des früheren Präsidenten Bashar al-Assad im Dezember 2024 durch eine von Rebellen angeführte Offensive leitet Ahmed al-Sharaa die Übergangsverwaltung. Al-Sharaa war früher Anführer der islamistischen Gruppe Hayat Tahrir al-Sham (HTS), die als früherer Ableger der Al-Nusra-Front und syrischer Zweig von Al-Qaeda operierte, ehe al-Sharaa die Verbindungen zum Terrornetzwerk im Jahr 2016 trennte. HTS führte im späten Jahr 2024 die Rebellenoffensive an, die Assad stürzte.

Die US-Regierung hat parallel zur Streichung des Staates Syrien auch die HTS von der Liste der globalen Terrororganisationen genommen und al-Sharaa von der Liste der international als Terroristen eingestuften Personen entfernt. US-Präsident Donald Trump und der syrische Präsident al-Sharaa trafen im vergangenen Monat am Rande eines NATO-Gipfels in der Türkei zusammen. Trump lobte den syrischen Amtskollegen dabei als „fantastisch“ und „hoch angesehenund trieb die diplomatische Normalisierung voran.
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Reaktionen aus Damaskus und wirtschaftliche Perspektiven
In der syrischen Hauptstadt wurde die Entscheidung als historischer Wendepunkt gefeiert. Der syrische Außenminister Asaad Hassan al-Shaibani begrüßte die Nachricht als „historischen Schritt“, den die staatliche Nachrichtenagentur SANA verbreitete. Al-Shaibani erklärte gegenüber Reuters, dass die Regierung weiter daran arbeiten werde, die Auswirkungen der Isolation zu beseitigen und ein Umfeld zu schaffen, das auf Transparenz, gegenseitigen Interessen und Respekt beruht.”

Der syrische Außenminister Asaad al-Shibani erklärte, die Beseitigung dieses letzten Hindernisses helfe dabei, Syrien wieder an das globale Finanz- und Wirtschaftssystem anzuschließen. Nach Angaben der Berichterstattung hob das US-Finanzministerium hervor, dass US-Finanzinstitute nun Dienstleistungen für Syrien erbringen können. Die Trump-Administration hatte bereits im Juli 2025 umfassende US-Sanktionen gegen Syrien beendet, während gezielte Sanktionen gegen Assad und dessen Vertraute, Menschenrechtsverletzer, Drogenhändler, IS- und Al-Qaeda-Ableger sowie iranische Stellvertreter aufrechterhalten wurden.
Today’s action will help foster additional investment in Syria to promote political and economic stability.
Treasury Secretary Scott Bessent
Verbleibende Risiken und die internationale Bilanz
Trotz der diplomatischen Öffnung bleiben erhebliche Sicherheitsrisiken bestehen. Beobachter weisen darauf hin, dass Syrien nach wie vor von Instabilität geprägt ist, keine repräsentative Regierung vorweist und im Zentrum wachsender Spannungen zwischen den Nachbarländern Israel und der Türkei steht. Die US-Regierung hofft demnach, Syrien eher in den eigenen Einflussbereich als in den von Russland oder China zu integrieren. Die durchgeführte Streichung betrifft ein Land, dessen über ein Jahrzehnt andauernder Krieg nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen mehr als eine halbe Million Menschen das Leben gekostet hat.
Durch die Entfernung Syriens von der Liste der staatlichen Sponsoren des Terrorismus, auf der das Land seit 1979 geführt worden war, verbleiben weltweit nur noch drei Staaten auf dieser US-Liste: Kuba, Nordkorea und der Iran.