Vitamin K2 aktiviert Proteine, die Gefäßverkalkung nachweislich bremsen können, zeigt jedoch laut Experten in Studien an Herzkranzgefäßen vor allem präventive Effekte. Eine Rückbildung bereits fortgeschrittener Plaques blieb in Untersuchungen aus Maastricht aus, während Bewegung und Ernährung weitere Risikofaktoren mindern.
Arteriosklerose schreitet oft unbemerkt voran und bedroht das Herz sowie das Gehirn. In diesem Zusammenhang gilt Vitamin K als unterschätztes Mittel gegen eine Verkalkung der Blutgefäße, wie Experten betonen.
Biologischer Wirkungsmechanismus von Vitamin K und Vitamin D bei Arteriosklerose
Vitamine als Nährstoffe übernehmen im Stoffwechsel eine essenzielle Bedeutung und vielfältige Funktionen. Vitamin K und Vitamin D erhöhen unter anderem die Verfügbarkeit spezieller Proteine, die Kalk binden und den Aufbau von Plaque in den Gefäßen verhindern, während sie gleichzeitig die Mineralisierung und das Wachstum von Knochen unterstützen.
Leon Schurgers, Professor an der Faculty of Health, Medicine and Life Sciences am Cardiovascular Research Institute Maastricht, erläutert, dass Vitamin K eine entscheidende Rolle bei der Aktivierung von Proteinen spielt, die Blutgefäße vor Verkalkung schützen und Wachstumszonen der Knochen freihalten, wobei Vitamin D ergänzend die Produktion dieser Schutzproteine stimuliere.
Eines der wichtigsten Proteine ist das Matrix-Gla-Protein (MGP). Vitamin K – insbesondere Vitamin K2 – aktiviert dieses chemisch, indem es ein kleines Carboxyl-Molekül an das Protein hängt. So angeregt, bindet es freies Calcium im Blut sowie in den Wachstumszonen der Knochen und verhindert Kalkablagerungen, wie aus den Analysen hervorgeht.
Studienergebnisse zur Wirksamkeit von MK-7 an der Universitätsklinik Maastricht
Der biologische Wirkungsmechanismus von Vitamin K2 gegen Gefäßverkalkung sei schlüssig, sagt Leon Schurgers, auch in Kombination mit Vitamin D. Dennoch sind Arteriosklerose und vaskuläre Verkalkung Prozesse mit vielen Ursachen. Schurgers und sein Team führten dazu eine Studie mit etwa 180 Teilnehmern durch. Die Hälfte der Teilnehmer erhielt Vitamin K2 in der handelsüblichen Form MK-7, während die andere Hälfte ein Placebo verabreicht bekam.
Nach zwei Jahren Laufzeit waren die Effekte moderat und noch nicht eindeutig. Die gemessene Verkalkung der Blutgefäße stieg in der Gruppe mit echtem MK-7 um ein Viertel langsamer als in der Placebo-Gruppe.
Leon Schurgers, Professor an der Faculty of Health, Medicine and Life Sciences am Cardiovascular Research Institute Maastricht, stellte fest, dass die Behandlung die Verkalkung gerade entstehender Plaquen zu verlangsamen schien, eine Rückbildung jedoch nicht beobachtet werden konnte.
Ein ähnlicher Versuchsaufbau mit zweijähriger Laufzeit bestätigte dieses Bild. Bei Patienten mit stark fortgeschrittener Verkalkung zeigte die Zugabe von Vitamin K2 in Form von MK-7 keine Effekte mehr auf die weitere Verkalkung.
Peter de Leeuw, Professor der Medizin an der Universitätsklinik Maastricht und Co-Autor der Studie, wies darauf hin, dass ihre Studie eher auf einen Nutzen in der Prävention als in der Heilung von bestehenden Kalkablagerungen in den Herzkranzgefäßen hindeutet.
Ernährung, Vitaminquellen und der Einfluss auf Blutverdünner
Eine normale Diät liefert in der Regel ausreichend Vitamin K, erklärt Peter de Leeuw. Ausnahmen bilden beispielsweise Dialysepatienten mit chronischen Nierenerkrankungen, die häufig einen ausgeprägten Mangel aufweisen. Vitamin K1 ist in vielen Lebensmitteln wie Brokkoli und Spinat enthalten, während Vitamin K2 seltener auf dem westlichen Speiseplan zu finden ist. Besonders viel Vitamin K2 enthält das traditionelle japanische Lebensmittel Natto aus fermentierten Sojabohnen; Studien zeigen bei japanischen Männern im Vergleich zu US-Amerikanern deutlich geringere Arterienverkalkungen.
Gefässverkalkungen treten zudem bei Patienten auf, die dauerhaft Medikamente benötigen. Wer beispielsweise wegen einer genetischen Krankheit bereits als Jugendlicher Blutverdünner benötigt, weist mit 45 Jahren laut de Leeuw ausgeprägte Gefäßverkalkungen auf.
Laut Peter de Leeuw, Professor der Medizin an der Universitätsklinik Maastricht, könnte die Zugabe von Vitamin K2 die Gefäßverkalkung bei Personen, die Blutverdünner einnehmen, verlangsamen.
Einflussfaktoren des metabolischen Syndroms und der Nutzen von Bewegung
Neben Vitaminhaushalten spielen Stoffwechselfaktoren eine entscheidende Rolle bei der Gefäßalterung. Ungesunde Fette, Zucker und Cholesterin tragen zur Bildung des metabolischen Syndroms bei, das durch bauchbetontes Übergewicht, Bluthochdruck sowie hohe Insulin- und Blutfettwerte gekennzeichnet ist und die Gefäßablagerungen begünstigt.
Um der Gefäßalterung entgegenzuwirken, verbessert moderates Training oder wenigstens eine halbe Stunde Bewegung am Tag die Elastizität der Gefäße nachweislich.