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Gesundheit

Forscher finden Omega-3-Alternative zu Antibiotika bei schwerer Parodontitis

Forscher haben in einer multizentrischen Studie mit 109 Erwachsenen untersucht, ob Omega-3-Fettsäuren und niedrig dosierte Acetylsalicylsäure bei schwerer Parodontitis als Antibiotika-Alternative dienen können. Nach einem Jahr zeigte sich eine überraschend hohe Erfolgsrate von 57,7 Prozent, die nahezu an die herkömmliche Antibiotikatherapie heranreicht.

Bei der Behandlung von schwerer Parodontitis greifen Zahnärzte bislang häufig zu Antibiotika, obwohl diese Methode mit bekannten Risiken wie Nebenwirkungen und Antibiotikaresistenzen einhergeht. Eine im Journal of Periodontology veröffentlichte Untersuchung widmet sich nun dieser klinischen Herausforderung und beleuchtet eine pharmakologische Alternative zur Bekämpfung der chronischen Entzündungserkrankung.

Studiendesign und Vier-Gruppen-Vergleich bei fortgeschrittener Parodontitis

An der placebokontrollierten, multizentrischen Doppelblindstudie nahmen insgesamt 109 erwachsene Patientinnen und Patienten teil, die an Parodontitis im Stadium III oder IV erkrankt waren. Zunächst erhielten alle Teilnehmenden eine subgingivale Instrumentierung, bei der Zahnärzte bakterielle Beläge und Zahnstein gründlich unterhalb des Zahnfleischrands entfernten. Im Anschluss daran wurden die Behandelten per Zufallsprinzip in vier unterschiedliche Studiengruppen eingeteilt, um verschiedene Zusatztherapien zu bewerten.

Die Kontrollgruppe erhielt nach der mechanischen Reinigung lediglich Placebos. Eine zweite Gruppe nahm über einen Zeitraum von 14 Tagen dreimal täglich 400 Milligramm Metronidazol und 500 Milligramm Amoxicillin ein – eine Antibiotikakombination, die bislang als wirksamste Pharmakotherapie bei schweren Entzündungsformen gilt. Die dritte Gruppe wurde stattdessen über sechs Monate hinweg täglich mit drei Gramm Omega-3-Fettsäuren und 100 Milligramm Acetylsalicylsäure, kurz ASS, behandelt. Die vierte Gruppe kombinierte schließlich beide Zusatzansätze aus Antibiotika und Supplementen.

Therapieerfolge nach einem Jahr im direkten Vergleich

Als primären Behandlungserfolg definierten die Forschenden den Zustand, dass nach einem Jahr an maximal vier Stellen tiefe Zahnfleischtaschen mit einer Sondierungstiefe von mindestens fünf Millimetern verblieben. Solche tiefen Taschen bieten Bakterien Rückzugsorte und gelten als zentrales Indiz dafür, dass die Entzündung noch nicht ausreichend unter Kontrolle gebracht wurde.

Nach Ablauf der zwölemonatigen Beobachtungszeit erreichten 58,6 Prozent der Patienten mit Antibiotika das vorgegebene Therapieziel. In der Gruppe, die mit Omega-3-Fettsäuren und ASS behandelt worden war, lag die Erfolgsquote mit 57,7 Prozent nahezu gleichauf. Die vierte Gruppe mit der kombinierten Zusatztherapie erzielte ein Ergebnis von 57,1 Prozent, während in der reinen Placebogruppe lediglich 23,1 Prozent der Teilnehmenden die Kriterien erfüllten.

Immunmodulation als biologischer Wirkmechanismus

Anders als herkömmliche Antibiotika zielen die verabreichten Supplemente nicht primär auf die direkte Abtötung von Bakterien ab. Stattdessen nutzen die beteiligten Substanzen einen immunmodulatorischen Ansatz. Wie die Forschungsgruppe darlegt, tragen Omega-3-Fettsäuren zur Bildung spezialisierter körpereigenen Botenstoffe bei, welche die aktive Auflösung von Entzündungen und die Regeneration des Gewebes unterstützen. Die gleichzeitige Gabe niedrig dosierter ASS kann die Entstehung dieser Mediatoren zusätzlich begünstigen.

Forscher finden Omega-3-Alternative zu Antibiotika bei schwerer Parodontitis
Photo: ZWP online

„Wir hatten erwartet, dass die Kombination aus Antibiotika und Omega-3 bei diesen Patienten die Parodontitis am wirksamsten kontrollieren würde. Wir gingen außerdem davon aus, dass die Ergebnisse der Gruppe mit Omega-3 und ASS etwas schlechter ausfallen würden als in der Antibiotikagruppe. Das Ergebnis war überraschend, weil beide Therapien sehr ähnlich abschnitten und sich damit die Möglichkeit eröffnet, diese Strategie als Behandlungsoption für diese Patienten zu nutzen.“

Forscher finden Omega-3-Alternative zu Antibiotika bei schwerer Parodontitis
Photo: Scinexx

Nídia Cristina Castro dos Santos

Zudem betonen beteiligte Wissenschaftler, dass diese immunmodulatorische Strategie neue Perspektiven für die zahnärztliche Praxis eröffnet. Magda Feres von der Harvard School of Dental Medicine (HSDM) wertet den Nachweis als wichtigen Fortschritt: Der Nachweis, dass sich schwere Parodontitis durch eine Modulation der körpereigenen Reaktion behandeln lässt, ist eine neue und relevante Erkenntnis, die dabei hilft, Antibiotika für Situationen zu bewahren, in denen sie wirklich unverzichtbar sind.

Einordnung für die klinische Praxis und offene Fragen

Trotz der vielversprechenden Resultate raten die Fachleute von einem sofortigen routinemäßigen Ersatz der Antibiotikatherapie ab.

Zudem geben die Studienautoren zu bedenken, dass die Nachuntersuchung zwar zwölf Monate nach der Antibiotikagabe stattfand, die Einnahme von Omega-3 und ASS jedoch bereits nach sechs Monaten beendet worden war.

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Dr. Lena Hartmann

Über den Autor

Dr. Lena Hartmann leitet das Gesundheitsressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet seit ueber zehn Jahren ueber Praevention, Medizinpolitik und digitale Gesundheit und legt besonderen Wert auf verstaendliche, quellenbasierte Einordnung.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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