Astronomer haben durch Daten des Weltraumteleskops James Webb neue Belege dafür gefunden, dass mysteriöse „Kleine Rote Punkteim jungen Kosmos dichte Gashüllen besitzen.
Rätselhafte Lichtpunkte im jungen Universum
Rötlich leuchtende Punkte im frühen Universum geben der Wissenschaft seit Jahren Rätsel auf. Nach Angaben des n-tv.de-Berichts entdeckte das Weltraumteleskop James Webb nach seiner Inbetriebnahme im Jahr 2022 eine völlig neue Art astronomischer Objekte. Diese sehr hell leuchtenden, rötlichen Punkte weisen eine Strahlung auf, die alter Sternen ähnelt, sind dabei jedoch milliardenfach heller. Da sie auf Aufnahmen nur als Punkte erscheinen, sind sie viel zu klein für eine reguläre Galaxie aus Milliarden von Sternen.
Zwei internationale Forschungsteams liefern nun neue Erklärungsansätze für diese Phänomene, wie n-tv.de berichtet. Demnach verbergen sich hinter den Kleinen Roten Punkten Schwarze Löcher in entstehenden Galaxien, die von einer dichten Gashülle umgeben sind.
Kombinierte Webb-Daten enthüllen den Ursprung
Um Licht in das Dunkel zu bringen, hat Yiyang Zhang von der Universität Wuhan laut dem n-tv.de-Bericht Aufnahmen von insgesamt 217 Kleinen Roten Punkten des Webb-Teleskops miteinander kombiniert. Während die Umgebung der Objekte auf Einzelaufnahmen dunkel erscheint, zeigt die Summe der 217 Bilder einen schwachen Schein.
Genauere Analysen zeigten, dass dieses Licht von einer großen Zahl neu entstehender Sterne stammt. Die Forscher folgern daraus, dass es sich bei den Kleinen Roten Punkten nicht um isolierte Objekte handelt, sondern um zentrale Schwarze Löcher, die in kompakte Galaxien eingebettet sind.
Der erste Nachweis eines Schwarzloch-Sterns
Eine Ausnahme entdeckte die Arbeitsgruppe um Rohan Naidu von der Universität Hawaii. Wie n-tv.de berichtet, steht der Kleine Rote Punkt namens MoM-BH*-1 offenbar allein im All und wird daher nicht durch störende Sternenstrahlung einer Wirtsgalaxie überdeckt.

Der freie Blick auf das Objekt enthüllt ein Schwarzes Loch mit 100.000 Sonnenmassen. In dieses strömt Materie aus einer dichten Gashülle ein, die in ihrer Ausdehnung etwa unserem Sonnensystem entspricht. Durch diese Hülle wirkt das Schwarze Loch von außen wie ein massiver Stern – ein Zustand, den Astronomen als Schwarzloch-Stern
bezeichnen.
Die Existenz solcher Schwarzloch-Stöcke wurde schon vor 20 Jahren vorhergesagt. Mit MoM-BH*-1 haben die Himmelsforscher erstmals tatsächlich ein solches Objekt aufgespürt.
n-tv.de / Rainer Kayser, dpa
Schlüssel zum schnellen Wachstum nach dem Urknall
Die Beobachtungen zeigen zudem, dass nicht Staub, sondern die dichte Gashülle das Licht von MoM-BH*-1 rot färbt. Laut n-tv.de bietet eine solche Hülle auch eine Erklärung dafür, wie supermassereiche Schwarze Löcher im jungen Kosmos so schnell anwachsen konnten. Aus einer solchen Gashülle kann erheblich mehr Materie in das Schwarze Loch fallen als aus einer herkömmlichen rotierenden Scheibe.

Zudem zeigen die Daten von Naidus Team, dass MoM-BH*-1 in etwa 100 Millionen Jahren mit einer benachbarten Galaxie zusammenstoßen wird. Nach dieser Verschmelzung dürfte das Objekt das typische Erscheinungsbild eines Kleinen Roten Punktes annehmen, eingebettet in eine junge Galaxie voller aktiver Sternentstehung.
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