Nach vier Jahren hat Stellantis sein Free2move-Carsharing-Geschäft an den deutschen Finanzinvestor Mutares verkauft. Der Übergang umfasst rund 10.000 Fahrzeuge in 14 Städten in Europa und den USA, darunter auch Wien. Das seit Jahren unprofitable Geschäftsmodell steht vor einer ungewissen Zukunft, nachdem zuvor bereits deutsche Autobauer gescheitert waren.
Der multinationale Vielmarkenkonzern Stellantis hat sein Engagement im Carsharing beendet und die Marke Free2move Ende Juli an den deutschen Finanzinvestor Mutares veräußert. Damit bleiben die per App buchbaren Fahrzeuge verschiedener Stellantis-Marken vorerst auch im Wiener Stadtbild erhalten.
Das schwierige Erbe von Share Now und Car2Go
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In dem nun veräußerten Free2move-Geschäft steckt auch der Anbieter Share Now, den Stellantis im Jahr 2022 von den deutschen Autobauern BMW und Mercedes übernommen hatte. Share Now war zuvor 2019 aus einer Fusion hervorgegangen, bei der Mercedes mit Car2Go und BMW mit Drive Now ihre unprofitablen Carsharing-Aktivitäten zusammengelegt hatten. Damit wollten die deutschen Konkurrenten verhindern, sich gegenseitig zu unterminieren.
Damals begründete der damalige Daimler-Chef Dieter Zetsche den Einstieg mit den Worten: Als Pioniere des Automobilbaus werden wir nicht anderen das Feld überlassen, wenn es um die urbane Mobilität der Zukunft geht.
Die Maßnahme war als Reaktion auf Fahrdienst-Plattformen wie Uber aus den USA oder Baidu aus China gedacht, aus Sorge, von diesen zu reinen Zulieferern degradiert zu werden. Trotz einer angekündigten Investition von einer weiteren Milliarde Euro begann jedoch bald der Rückbau des Angebots, insbesondere durch den Rückzug aus Städten, deren Verwaltungen den Dienst nicht ausreichend unterstützten – vor allem bei den Parkgebühren.
Finanzielle Verluste und der Ausstieg der traditionellen Hersteller
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Wie viel Geld Daimler und BMW insgesamt in das Projekt investierten, bleibt laut den Berichten ein gut gehütetes Geheimnis. Der spätere Verkauf an Stellantis brachte schätzungsweise 200 bis 300 Millionen Euro ein, was nur einen Bruchteil des ursprünglichen Investments darstellen dürfte. Der auf das Sanieren strauchelnder Unternehmen spezialisierte Investor Mutares übernahm Free2move nun günstig oder sogar zu einem Symbolpreis, wobei über die genaue Summe Stillschweigen vereinbart wurde.
Auch Volkswagen hatte das Thema lange geprüft und stand kurz vor einem Einstieg, ließ es dann aber bleiben. Mit dem Exit von Stellantis ziehen sich die traditionellen Autohersteller endgültig aus diesem Geschäftsfeld zurück, da ihnen nachweislich weder die Mittel noch die richtigen Konzepte für einen profitablen Betrieb zur Verfügung stehen.
Hürden des Free-Floating-Modells und die Zukunft der urbanen Mobilität
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Um eine solche Verfügbarkeit sicherzustellen, ist eine sehr große Flotte erforderlich, was wiederum die Nutzungszeit und den Ertrag pro Fahrzeug drückt. Zudem blieben die Kundenzahlen hinter euphorischen Prognosen zurück. Eine viel zitierte Wiener Studie aus dem Jahr 1996 hatte dem Carsharing einen Anteil von neun Prozent am Verkehrsaufkommen vorausgesagt, in der Realität wurde davon nicht einmal ein Fünftel erreicht. Zwar wurden immer wieder hohe Nutzerzahlen verkündet, diese enthielten jedoch zahlreiche Karteileichen von Neugierigen, die den Dienst nicht regelmäßig nutzten.
Dennoch deuten der wachsende städtische Raum und steigende Kosten darauf hin, dass ein eigenes Auto als gesellschaftliche Grundausstattung zum Auslaufmodell wird. Neue Anbieter drängen vielerorts auf den Markt, während die Frage offen bleibt, wer das Konzept künftig profitabel weiterentwickeln wird.
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