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Welt

Deutsche Gasspeicher fallen auf historischen Tiefstand von 49 Prozent

Während Energieverbände angesichts des Iran-Krieges und fehlender Marktmechanismen vor Engpässen bei extremer Kälte warnen, sieht die Bundesregierung laut aktuellen Berichten vom August 2026 derzeit keine akute Gasmangellage.

Die deutsche Gasversorgung steuert auf eine kritische Phase zu. Bis zum 1. November müssen die Speicher nach gesetzlichen Vorgaben normalerweise zu 80 Prozent gefüllt sein, um die Bevölkerung und Industrie sicher durch die kalte Jahreszeit zu bringen. Doch laut der Energiewirtschaft sind die Vorgaben kaum mehr zu schaffen, da die Speicher derzeit nur zur Hälfte gefüllt sind und der gewohnte Sommer-Einspeichermechanismus stockt.

Historischer Tiefstand bei nur 49 Prozent Füllstand

Die Füllstände der deutschen Gasspeicher haben nach Angaben des Branchenverbands Ines einen neuen Tiefpunkt erreicht. Der aktuelle Gasspeicherfüllstand ist mit Abstand der tiefste Füllstand zu dieser Zeit, der seit Aufzeichnung der Speicherfüllstände in Deutschland aufgetreten ist, sagte Sebastian Heinermann, der Geschäftsführer der Initiative Energien Speichern, der Deutschen Presse-Agentur (wie WELT berichtet). Demnach liegt der Wert aktuell bei 49 Prozent, während es im Vorjahr zum selben Zeitpunkt noch 67 Prozent waren.

Zwar beläuft sich der Buchungsstand der Speicherkapazitäten auf 78 Prozent, doch selbst bei einer vollständigen Auslastung dieser gebuchten Mengen droht das Gas bei extremen Minustemperaturen nicht auszureichen. Kerstin Andreae, die Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), betonte im Deutschlandfunk, dass eine Zielmarke von 80 Prozent bei einem heutigen Stand von 50 Prozent kaum noch zu erreichen sei: Das ist irgendwann physikalisch nicht mehr möglich, so Andreae.

Geopolitische Spannungen und der gestörte Sommer-Winter-Spread

Hinter der schleppenden Befüllung stecken handfeste Marktverzerrungen. Normalerweise kaufen Gashändler im Sommer Erdgas günstig ein, um es für den teureren Winter einzulagern. Dieser Mechanismus, der sogenannte Sommer-Winter-Spread, funktioniert im Sommer 2026 jedoch nicht. Grund dafür ist der Krieg im Iran, der zu einer faktischen Blockade der Straße von Hormus und massiv gestiegenen Preisen geführt hat.

„Im Moment funktioniert dieser Mechanismus aber nicht, weil wir insbesondere durch den Krieg in Iran eine Preisentwicklung sehen, die diesen sogenannten Sommer-Winter-Spread nicht ermöglicht. Es wäre im Moment unwirtschaftlich, Gas vorzuhalten, einzuspeichern.“

Kerstin Andreae, Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), via Tagesschau

Um die Situation zu entschärfen, schlägt der BDEW staatliche Entlastungen bei Steuern, Abgaben und Umlagen vor, um das Einspeichern für Unternehmen wirtschaftlicher zu gestalten. Gleichzeitig fordert der Verband, den laufenden Bedarf verstärkt über Flüssigerdgas-Terminals (LNG) abzudecken, damit das vorhandene Gas möglichst in den Speichern bleibt.

Bundesregierung sieht keine akute Gefahr, während Ökonomen warnen

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz versucht unterdessen, die Sorgen zu dämpfen. Nach derzeitigem Erkenntnisstand sei eine Gasmangellage im kommenden Winter nicht zu erwarten, teilte das Haus mit. Das Ministerium verweist darauf, dass Deutschland mittlerweile über mehrere Standbeine versorgt wird. Knapp die Hälfte des Bedarfs kommt aus Norwegen, ergänzt durch Pipeline-Importe aus Frankreich und Belgien sowie LNG-Lieferungen, die zu einem großen Teil aus den USA stammen.

Deutsche Gasspeicher fallen auf historischen Tiefstand von 49 Prozent
Photo: WELT

Energieökonomen sehen die Lage jedoch skeptischer. Andreas Schröder vom Analysehaus ICIS erklärte in den ARD-tagesthemen, dass Flüssiggas an extrem kalten Tagen nicht ausreicht, um den nationalen Bedarf zu decken. LNG mache bislang nur 10 bis 15 Prozent des Gesamtverbrauchs aus. An kritischen Wintertagen seien die Speicher deshalb systemkritisch, um Unwägbarkeiten und Infrastrukturausfälle abzufangen. Bei einem harten Winter drohten deshalb deutlich höhere Preise und eine bedrohlichere Situation, so Schröder (wie die Tagesschau berichtet).

Auf politischer Seite fordert unter anderem die Linken-Parteichefin Ines Schwerdtner ein härteres Eingreifen des Staates. Sie plädiert dafür, den staatlichen Gashändler Sefe anzuweisen, die leeren Speicher auf Kosten von Gewinnen der Mineralölkonzerne zu füllen. Das Bundeswirtschaftsministerium hält direkte staatliche Eingriffe dagegen für riskant und sieht vor allem die Privatwirtschaft in der Pflicht, bereitet jedoch Handlungsoptionen für eine mögliche Verschlechterung der Lage vor.

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Anna Richter

Über den Autor

Anna Richter leitet das Weltressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet ueber internationale Politik, Diplomatie und geopolitische Entwicklungen mit Fokus auf Kontext, Verlaesslichkeit und Relevanz fuer deutschsprachige Leser.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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