Deutsche börsennotierte Unternehmen haben im Zuge eines wegweisenden Gerichtsurteils in den USA bislang mehr als 790 Millionen Euro an Erstattungen für zu viel gezahlte Zölle zurückerhalten. Die US-Regierung musste nach einer Entscheidung des Obersten Gerichtshofs vom Februar 2026 die Rückabwicklung des umstrittenen Zollregimes einleiten.
Wie Auswertungen von Finanzberichten und zusätzlichen Unternehmensangaben zeigen, belaufen sich die Rückzahlungen aus den USA für deutsche börsennotierte Unternehmen auf eine Gesamtsumme von mehr als 790 Millionen Euro. Ausgelöst wurde die Welle von Rückerstattungen durch ein Grundsatzurteil des Obersten Gerichtshofs in den USA, das weitreichende handelspolitische Vorstöße der US-Regierung stoppte.
DHL, Siemens Healthineers und Puma an der Spitze der Rückflüsse
Den größten Einzelbetrag unter den deutschen Konzernen verbucht der Logistikriese DHL. Nach Angaben der Finanzchefin Melanie Kreis erhielt das Unternehmen bislang eine Erstattung von insgesamt 416 Millionen Euro. Der DAX-Konzern kündigte an, diese Summe an die betroffenen Kunden weiterleiten zu wollen.
Ebenfalls massive Rückflüsse verzeichnet der Medizintechniksektor. Siemens Healthineers erhielt nach Angaben des Finanzvorstands Jochen Schmitz rund 200 Millionen Euro zurück. Weitere Erstattungen entfallen auf den Laborausstatter Sartorius mit bislang 26 Millionen Euro sowie den Medizin- und Sicherheitsausrüster Dräger, der rund 22 Millionen Euro verbuchen konnte. Auch der Sportartikelhersteller Puma berichtet über Zoll-Rückflüsse in Höhe von rund 49 Millionen Euro, während der Wettbewerber Adidas für das laufende Geschäft mit Rückzahlungen zwischen 250 und 300 Millionen US-Dollar rechnet.
Rechtswidrige Zölle auf Basis von Notstandsgesetzen
Die Grundlage für die massiven Finanzkorrekturen schuf der Supreme Court im Februar 2026. Das oberste US-Gericht erklärte Zölle, die auf der Grundlage eines Notstandsgesetzes verhängt worden waren, für unzulässig. Die Richter befanden, dass die US-Regierung bei der Verhängung umfangreicher Zölle gegen Dutzende Handelspartner ihre Befugnisse überschritten hatte.
Die Dimension der Rückabwicklung zeigt sich an den Gesamtzahlen der US-Behörden. Zwischen Oktober 2025 und Ende Juni 2026 erstattete die Regierung rund 81,3 Milliarden US-Dollar, was aktuell etwa 65,53 Milliarden Euro entspricht. Im selben Vorjahreszeitraum hatte die Summe bei knapp 5,3 Milliarden Dollar gelegen. Nachrichtenagenturen wie Reuters schätzen das Gesamtvolumen der von Washington an weltweite Unternehmen zurückzuzahlenden Summen auf rund 175 Milliarden US-Dollar.
Weitere Erstattungen im DAX und MDAX erwartet
Neben den bereits genannten Branchengrößen melden zahlreiche weitere deutsche Unternehmen aus dem DAX- und MDAX-Segment signifikante Rückflüsse. Der Weltmarktführer für Großküchengeräte Rational erhielt Erstattungen in Höhe von 14 Millionen Euro. Das Photovoltaik-Unternehmen SMA Solar verbuchte rund 22 Millionen Euro, der Bremssystemhersteller Knorr-Bremse 20 Millionen Euro und der Optikkonzern Zeiss rund 21 Millionen Euro.

Konzerne wie Puma erwarten im weiteren Jahresverlauf zusätzliche Zahlungen. Auch der Pharmakonzern Merck rechnet nach Angaben aus Wirtschaftsanalysen mit Rückzahlungen im hohen zweistelligen Millionen-Euro-Bereich, während die US-Regierung parallel bereits neue Zölle auf Basis alternativer Rechtsgrundlagen auf den Weg gebracht hat, gegen die wiederum zahlreiche US-Bundesstaaten juristisch vorgehen.