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Gesundheit

Demenzrisiko: Freizeitsport schützt, körperliche Arbeit erhöht es

Eine neue, im Fachblatt The Lancet Public Health veröffentlichte Meta-Analyse von mehr als 4,2 Millionen Menschen zeigt, dass nicht jede körperliche Bewegung das Gehirn gleichermaßen schützt. Während Freizeitaktivitäten das Demenzrisiko deutlich senken, erhöhen körperlich anstrengende Berufe dieses Risiko um 20 Prozent.

Die Erkenntnisse erschüttern die langjährige Annahme, dass jede Bewegung gleichermaßen gut für die geistige Gesundheit ist. Ein an der University of Southern California geleitetes Forschungsteam untersuchte 74 Kohorten- und Fall-Kontroll-Studien aus 30 Ländern, um den Zusammenhang zwischen verschiedenen Bewegungsarten und dem Auftreten von Demenz zu analysieren.

Freizeit- und Arbeitsaktivitäten im direkten Gegensatz

Die Auswertung der Daten von über 4,23 Millionen Teilnehmenden im mittleren Alter von rund 67 Jahren ergab einen deutlichen Kontrast zwischen selbstbestimmter Bewegung und berufsbedingter körperlicher Arbeit. Wer in der Freizeit Sport trieb oder sich anderweitig freiwillig bewegte, profitierte von einem um 24 Prozent niedrigeren Demenzrisiko im Vergleich zu inaktiven Personen. Auch das Risiko für Alzheimer und vaskuläre Demenz sank in dieser Gruppe spürbar.

Ganz anders stellte sich die Situation bei beruflicher körperlicher Betätigung dar. Die Forscher stellten fest, dass körperlich harte Arbeit das Risiko für die Erkrankung um 20 Prozent anhebt. Auch aktives Pendeln zur Arbeit zeigte in einer begrenzten Datengrundlage einen leichten Anstieg des Risikos, während Haushaltstätigkeiten zwar als vorteilhaft eingestuft wurden, die Evidenz hierfür jedoch auf einer einzigen Studie beruhte.

Natan Feter, der Erstautor der Studie, Postdoktorand in Raichlens Labor für Evolutionsbiologie körperlicher Aktivität an der USC und Forscher im Graduiertenprogramm für Epidemiologie an der Universidade Federal do Rio Grande do Sul in Brasilien, erklärte, dass die Ergebnisse die langjährige Annahme infrage stellen, wonach für die Gesundheit des Gehirns jede Bewegung zählt.

Natan Feter, Erstautor der Studie und Postdoktorand an der University of Southern California

Erklärung für das Paradoxon der körperlichen Belastung

Die Wissenschaftler sprechen in diesem Zusammenhang von einer Ausweitung des aus der Herz-Kreislauf-Forschung bekannten Phänomens der körperlichen Aktivitätsparadoxon auf neurodegenerative Erkrankungen. Demnach ist die Bewegung an sich nicht schädlich, sondern eng mit den begleitenden Lebensumständen verknüpft.

Mika Kivimäki und Mark Hamer vom University College London betonen in einem Begleitkommentar, dass körperlich anstrengende Berufe oft manuelle Tätigkeiten umfassen. Beschäftigte in diesen Bereichen verfügen demnach häufig über einen niedrigeren Bildungsstand, geringere Möglichkeiten für kognitiv anregende Aufgaben, sind stärker Schadstoffen ausgesetzt und weisen eine höhere Prävalenz für Rauchen auf.

Kivimäki und Hamer schrieben, dass Jobs, die ein hohes Maß an körperlicher Aktivität erfordern, häufiger Handwerksberufe sind, die von Arbeitnehmern mit geringerem Bildungsstand, weniger Möglichkeiten für kognitiv anregende Arbeit, einer stärkeren Belastung durch neurotoxische Stoffe sowie einer höheren Prävalenz des Rauchens und anderer Risikofaktoren ausgeübt werden als Angestelltentätigkeiten in sogenannten Büroberufen.

Mika Kivimäki und Mark Hamer, University College London

Soziale Interaktion und kognitive Anregung als Schutzfaktoren

Freizeitaktivitäten wie Laufen, Schwimmen, Radfahren oder Mannschaftssport bieten demgegenüber strukturelle Vorteile. Sie sind meist selbstbestimmt, bauen Stress ab und beinhalten häufig soziale Komponenten. Teilsportarten und Partneraktivitäten kombinieren körperliche Leistung mit geistiger Anforderung und verringern dadurch die im Alter gefährliche soziale Isolation.

Demenzrisiko: Freizeitsport schützt, körperliche Arbeit erhöht es
Photo: USC Today

Dennoch weisen die Experten auf methodische Hürden hin. So könnten Beobachtungsstudien zur Freizeitaktivität durch umgekehrte Kausalitäten beeinflusst sein. Menschen im Frühstadium einer Demenz zeigen oft schon Jahre vor der offiziellen Diagnose Apathie oder Schlafstörungen, was ihre Freizeitaktivität natürlich einschränkt.

Die Autoren betonen daher, dass die Ergebnisse keineswegs bedeuten sollen, körperlich anstrengende Berufe zu meiden. Vielmehr unterstreichen die Daten, wie wichtig die genaue Betrachtung des Kontextes ist, in dem Bewegung stattfindet.

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Dr. Lena Hartmann

Über den Autor

Dr. Lena Hartmann leitet das Gesundheitsressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet seit ueber zehn Jahren ueber Praevention, Medizinpolitik und digitale Gesundheit und legt besonderen Wert auf verstaendliche, quellenbasierte Einordnung.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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