Ein vier Tonnen schweres Teil einer SpaceX-Rakete ist am 5. August 2026 ungeplant auf dem Mond eingeschlagen. Die Oberstufe einer Falcon-9-Rakete aus einer Mission vom Januar 2025 traf die Oberfläche nahe dem Einstein-Krater mit etwa 8.700 Kilometern pro Stunde, was laut NASA und SpaceX keine Gefahr für die Erde darstellt.
Das Objekt, das in seiner Größe einem Schulbus entspricht, driftete über 18 Monate lang durch den Weltraum, bevor es am Mittwochmorgen die Mondoberfläche erreichte. Die Kollision war laut SpaceX unbeabsichtigt, aber aufgrund der geringen verbleibenden Treibstoffreserven nicht mehr zu verhindern.
Sonnenaktivität und Gravitation als Ursache für den Absturz
Die betroffene Oberstufe gehörte zur Falcon-9-Rakete, die am 15. Januar 2025 vom Kennedy Space Center startete. Diese Mission beförderte den Mondlander Blue Ghost 1 der Firma Firefly Aerospace im Rahmen der CLPS-Initiative der NASA sowie den Resilience-Lander des japanischen Start-ups ispace. Während die untere Raketenstufe zur Erde zurückkehrte, blieb die Oberstufe im All.

Normalerweise stürzen solche Stufen zurück in die Erdatmosphäre und verglühen. Da die Mission im Januar jedoch mehr Schub für die Mondreise benötigte als erdnahe Flüge, verblieb die Stufe in einem hochelliptischen Orbit. Erst Anfang 2026 stellten Astronomen fest, dass das unkontrollierbare Teil auf Kollisionskurs mit dem Mond war.
Julianna Scheiman, Direktorin für NASA-Wissenschaft und Dragon-Programme bei SpaceX, erklärte, dass das Geschehene im Wesentlichen auf eine Kombination aus Sonnenaktivität und Anziehungskräften zurückzuführen sei, die das Teil auf einen Kurs zum Mond gebracht habe.
Auswirkungen am Einstein-Krater und Beobachtungsversuche
Der Aufprall erfolgte mit einer Energie, die etwa drei Tonnen TNT entspricht. Die NASA prognostizierte die Entstehung eines Kraters mit einer Breite von etwa 18 Metern und einer Tiefe von vier Metern. Dabei sollten etwa 450 Kubikmeter Mondgestein und Staub – rund 1.100 Tonnen Material – in die Höhe geschleudert werden.

Trotz der enormen Wucht war der Einschlag von der Erde aus kaum sichtbar. Das Al Khatm Astronomische Observatorium in Abu Dhabi versuchte, das Ereignis zu dokumentieren, berichtete jedoch, dass kein Lichtblitz oder eine Staubwolke detektiert werden konnte. Die Beobachtung war durch das Tageslicht und die geringe Höhe des Mondes über dem Horizont erschwert.
Um den Einschlag dennoch zu analysieren, setzen Wissenschaftler auf Weltraumassets. Der Lunar Reconnaissance Orbiter (LRO) der NASA sowie das ShadowCam-Instrument des südkoreanischen Korea Pathfinder Lunar Orbiter suchen nach Gelegenheiten, die Stelle vor und nach dem Aufprall hochauflösend zu fotografieren.
Wissenschaftlicher Nutzen gegenüber der Gefahr von Weltraumschrott
Obwohl der Absturz ungeplant war, bewerten die NASA und Astronomen das Ereignis als Chance, die Dynamik von Auswurfplumen und die Geologie des Mondes besser zu verstehen.
Kritiker sehen darin jedoch ein Symptom für einen nachlässigen Umgang mit Weltraumabfällen. Bill Gray, Entwickler einer weit verbreiteten Astronomie-Software, bezeichnete den Vorfall als Beleg für eine gewisse Sorglosigkeit bei der Entsorgung von Hardware, da der Weltraum zunehmend überfüllt werde.
Dieser Vorfall ist nicht das erste Mal, dass menschliche Hardware ungeplant auf dem Mond landet.
- März 2022: Ein Teil einer chinesischen Long March 3C Rakete aus dem Jahr 2014 schlug auf der Mondrückseite ein.
- 2009 & 1970er: Die NASA ließ Raketenstufen (u. a. der Saturn V) absichtlich abstürzen, um seismische Effekte und Staubplumen zu untersuchen.
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