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Ivermectin: Keine Wirksamkeit bei Hantavirus – Ausbruch auf Hondius

Mediziner warnen aktuell vor der Anwendung von Ivermectin zur Behandlung des Hantavirus, nachdem ein Ausbruch auf dem Kreuzfahrtschiff „Hondius“ drei Todesopfer forderte. Experten wie Dr. Dana Mazo vom NYU Langone Hospital betonen, dass es keinerlei Belege für eine Wirksamkeit beim Menschen gibt und die Verbreitung dieser Fehlinformationen gefährlich ist.

Ausbruch auf der „Hondius“ und die Verbreitung von Fehlinformationen

Ein aktueller Ausbruch des Hantavirus auf dem sogenannten Seuchenschiff „Hondius“ hat die medizinische Gemeinschaft in Alarmbereitschaft versetzt. Bisher forderte die Erkrankung drei Todesopfer, während mehrere weitere Personen erkrankten. In diesem Kontext verbreiten sich über soziale Medien, insbesondere über die Plattform X, Behauptungen, dass das Medikament Ivermectin eine wirksame Therapie gegen das Virus darstelle.

Auslöser für die aktuelle Welle an Desinformation war ein Beitrag der US-Medizinerin Mary Talley Bowden. Bowden argumentierte in ihrem Post, dass das Hantavirus zu der Kategorie der RNA-Viren gehöre und Ivermectin folglich gegen diese Gruppe von Viren wirken müsse. Dieser Beitrag erreichte eine enorme Reichweite von 3,5 Millionen Aufrufen.

Die Glaubwürdigkeit dieser Behauptung wird durch die berufliche Historie von Bowden infrage gestellt. Die texanische Ärztin wurde bereits im Jahr 2021 vom Texas Medical Board gerügt, nachdem sie das Medikament zur Behandlung eines COVID-Patienten verschrieben hatte. Die aktuelle Empfehlung zur Anwendung bei Hantavirus-Infektionen folgt somit einem Muster der Fehlinterpretation medizinischer Daten, das bereits während der Corona-Pandemie beobachtet wurde.

Wissenschaftliche Analyse: Warum die RNA-Virus-Theorie scheitert

Die Argumentation, Ivermectin wirke gegen Hantaviren, weil es sich um ein RNA-Virus handle, ist aus medizinischer Sicht grob vereinfacht und irreführend. Infektionsspezialisten weisen darauf hin, dass die Kategorie der RNA-Viren eine extrem heterogene Gruppe umfasst, deren Mitglieder sich in ihrem Verhalten und ihrer Struktur massiv unterscheiden.

Dr. Dana Mazo, Spezialistin für Infektionskrankheiten am NYU Langone Hospital—Brooklyn, stellt klar, dass es keine Daten gibt, die die Wirksamkeit von Ivermectin bei menschlichen Hantavirus-Patienten belegen. Zwar zeigten einige Laborversuche eine hemmende Wirkung auf die Vermehrung bestimmter RNA-Viren, doch diese Ergebnisse lassen sich nicht ohne Weiteres auf den menschlichen Körper übertragen.

Es ist gefährlich zu suggerieren, dass ein wissenschaftlicher Test in einer Laborumgebung auf menschliche Patienten übertragbar ist, ohne dass weitere Studien durchgeführt wurden, und in diesem Fall gab es nicht einmal Tests mit Ivermectin gegen das Hantavirus speziell, selbst nicht in Laboren.

Dr. Dana Mazo, Infektionsspezialistin am NYU Langone Hospital—Brooklyn

Die Ablehnung der Wirksamkeit wird von anderen Experten noch deutlicher formuliert. Der Infektiologe Neil Stone von den University College London Hospitals in Großbritannien brachte die Situation in einer kurzen, prägnanten Aussage auf den Punkt:

Ivermectin bewirkt absolut NICHTS bei der Behandlung des Hantavirus.

Neil Stone, Infektiologe an den University College London Hospitals

Indikationen und korrekte Anwendung von Ivermectin

Um die Gefahr der Fehlmedikation zu verstehen, ist ein Blick auf die zugelassenen Anwendungsgebiete von Ivermectin notwendig. Das Medikament wurde ursprünglich als Entwurmungsmittel für Nutztiere entwickelt und ist in der Veterinärmedizin weit verbreitet. Es wird zur Entwurmung von Hunden, Katzen, Pferden sowie Nutztieren wie Rindern und Schafen eingesetzt.

In der Humanmedizin ist Ivermectin für sehr spezifische Indikationen zugelassen, die jedoch nichts mit antiviralen Behandlungen zu tun haben. Die korrekten Einsatzgebiete umfassen:

  • Die Behandlung bestimmter parasitärer Infektionen, wie beispielsweise Krätze (Scabies) oder die Flussblindheit (Onchozerkose).
  • Die Anwendung als Creme oder Gel bei Rosacea und anderen spezifischen Hauterkrankungen.

Ivermectin ist kein zugelassenes Standardmedikament gegen Viruserkrankungen. Die Verwechslung eines Antiparasitikums mit einem antiviralen Therapeutikum stellt einen grundlegenden medizinischen Fehler dar.

Risiken durch falsche Dosierung und verzögerte Behandlung

Die Gefahr der aktuellen Desinformationswelle liegt nicht nur in der Unwirksamkeit des Medikaments gegen das Hantavirus, sondern in den potenziellen Nebenwirkungen und der Verzögerung notwendiger Behandlungen.

Ein kritisches Risiko besteht darin, dass Patienten dazu verleitet werden, Tierpräparate von Ivermectin zu verwenden. Diese sind für das Körpergewicht und die Physiologie von Nutztieren konzipiert und können bei menschlicher Anwendung zu schweren Vergiftungen und ernsten Nebenwirkungen führen. Eine falsche Dosierung, insbesondere bei der Verwendung von Produkten aus dem Veterinärbereich, ist hochgefährlich.

Darüber hinaus warnt Dr. Dana Mazo vor den indirekten Folgen solcher Behauptungen. Die Verbreitung von Fehlinformationen könne Verwirrung stiften, Menschen daran hindern, Empfehlungen zu befolgen, die ihnen tatsächlich helfen können, und Menschen schaden. Wenn Patienten auf unwirksame Medikamente setzen, anstatt sich in schnellstmöglich professionelle medizinische Behandlung zu begeben, sinken die Überlebenschancen bei einer schweren Hantavirus-Infektion signifikant.

Die Situation auf dem Schiff „Hondius“ verdeutlicht die Notwendigkeit einer evidenzbasierten Kommunikation in Krisenzeiten. Die medizinische Fachwelt betont, dass nur klinisch geprüfte Therapien und die Einhaltung offizieller Gesundheitsprotokolle einen Schutz bieten.

Bitte konsultieren Sie bei gesundheitlichen Beschwerden oder Fragen zu Medikamenten immer Ihren behandelnden Arzt oder eine qualifizierte medizinische Fachkraft.

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Dr. Lena Hartmann

Über den Autor

Dr. Lena Hartmann leitet das Gesundheitsressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet seit ueber zehn Jahren ueber Praevention, Medizinpolitik und digitale Gesundheit und legt besonderen Wert auf verstaendliche, quellenbasierte Einordnung.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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