Ein Vierteljahrhundert nach den Terrorangriffen vom 11. September 2001 kämpfen Überlebende und Ersthelfer in New York City zunehmend mit schweren gesundheitlichen Spätfolgen wie Krebs und Atemwegserkrankungen. Aktuellen Berichten zufolge zeigt sich die toxische Belastung des Ground-Zero-Einsatzes erst jahrzehntelang später in alarmierenden Raten bei Rettungskräften.
Gesundheitliche Langzeitfolgen und Krebsrisiken für Einsatzkräfte
In den Jahren nach den Anschlägen auf das World Trade Center hat sich unter den beteiligten Feuerwehrleuten, Polizisten, Sanitätern und Rettungsarbeitern eine schleichende Krise entfaltet. Zwar überlebten viele den Tag selbst, doch sie entwickelten erst Jahre später schwere Erkrankungen. Das hat zu einem langen, schmerzhaften Kampf um medizinische Anerkennung und Unterstützung geführt, wie die Berichterstattung über den langen Kampf der Ersthelfer dokumentiert.
Wissenschaftliche Untersuchungen untermauern das Ausmaß dieser Belastung. Im Jahr 2020 dokumentierten Forschende der Mount Sinai Health System signifikant erhöhte Krebsraten bei Personen, die am World-Trade-Center-Standort im Einsatz waren. Demnach erkrankten Polizisten und andere Rettungskräfte rund 9 Prozent häufiger an Krebs als die allgemeine Bevölkerung.
- Prostatakrebs lag um 25 Prozent höher.
- Leukämie verzeichnete einen Anstieg von 41 Prozent.
- Schilddrüsenkrebs stieg um erschreckende 219 Prozent an.
Neben den körperlichen Krebsleiden wiesen Studien auch auf neurologische Folgen hin. Eine Untersuchung, die auf einer Konferenz der Alzheimer’s Association im Jahr 2020 vorgestellt wurde, belegte hohe Raten kognitiver Beeinträchtigungen bei den Einsatzkräften. Viele zeigten ein biologisches Gehirnalter, das etwa 10 Jahre über dem erwarteten Wert lag, was auf ein früheres Einsetzen von Demenz- und Alzheimer-Erkrankungen hindeutet.
Der toxische Cocktail und das Erbe des World Trade Center Cough
Zu den sichtbaren und weitverbreiteten Spätfolgen zählt das sogenannte World Trade Center Cough, eine schwere Atemwegserkrankung. Betroffene schildern, wie sie nachts schlagartig und ohne Luft zu bekommen aufwachen. Dr. Michael Crane vom World Trade Center Health Program an der Mount Sinai beschrieb die damalige Luft als eine giftige Mischung aus brennendem Kerosin, Kunststoffen, Metall, Glasfaser und Asbest – ein unnatürlicher und hochgefährlicher Cocktail, dem Tausende ausgesetzt waren.

Auch die psychischen Spätfolgen wie posttraumatische Belastungsstörungen, Depressionen und Angstzustände prägen das Leben der Überlebenden bis heute, wie Einzelschicksale von Menschen wie Peter Bitwinski zeigen. Bitwinski, der 1993 bereits einen Anschlag im World Trade Center überstanden hatte, erlebte den Aufprall des Flugzeugs im Nordturm hautnah und half damals bei der Evakuierung eines im Rollstuhl sitzenden Kollegen, wie die Schilderungen über die Überlebenden der Anschläge nachzeichnen.
Rechtliche Auseinandersetzungen und der Vergleich
Mit der steigenden Zahl erkrankter Arbeiter begannen juristische Auseinandersetzungen. Ein früher Rechtsstreit, initiiert von dem Anwalt David Worby für einen an Leukämie erkrankten Polizisten, weitete sich zu einer Sammelklage mit Tausenden Klägern aus. Im Fokus stand dabei auch die US-Umweltschutzbehörde (EPA). Zwar gab es intern früh Bedenken bezüglich Asbest, flüchtiger organischer Verbindungen und Schwermetallen, doch erklärte die damalige EPA-Leiterin Christine Todd Whitman am 18. September 2001 öffentlich, die Luft in New York sei sicher und stelle keine gesundheitliche Gefährdung dar.

Spätere Berichte des EPA-Inspektors ergaben jedoch, dass der Behörde damals ausreichende Daten für eine derart weitreichende Entwarnung fehlten. Schließlich mündeten die Klagen gegen die Stadt New York, die Port Authority und die EPA in einen Vergleich zugunsten von etwa 8.000 Betroffenen. Viele sahen in ihren Erkrankungen nicht nur die Folge von Terrorismus, sondern auch das Ergebnis vermeidbarer Versäumnisse und irreführender Zusicherungen von Behörden.
Gedenken und die anhaltende Lücke im Alltag der Familien
Neben den kranken Überlebenden bleiben die Verluste der Hinterbliebenen unvergessen. Steven Cangialosi gehörte zu den Opfern im Nordturm des World Trade Center. Seine Ehefrau Karen Cangialosi erinnert sich noch an den Tag, an dem sie einen letzten Anruf von ihm verpasste.
Ein Vierteljahrhundert nach den Anschlägen sind die Söhne erwachsen, und im Alltag bleibt die Erinnerung an den fehlenden Ehemann und Vater bestehen. Während Überlebende wie Bitwinski heute als ehrenamtliche Helfer bei Stiftungen wie Tunnel to Towers ihre Erlebnisse an die nächste Generation weitergeben, bleibt für Tausende Familien und betroffene Rettungskräfte das Vermächtnis von Ground Zero ein täglicher Kampf mit den körperlichen und seelischen Narben jenes Tages.
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