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Technik und Wissenschaft

137 Millionen Dollar: US-Wahlkampf setzt massiv auf KI-Spots

Künstliche Intelligenz prägt den US-Zwischenwahlkampf in从未 dagewesenem Ausmass. Allein die Wesleyan Media Project zählte bis Oktober 2026 rund 220 Wahlwerbespots mit KI-Einsatz im Gesamtwert von fast 137 Millionen Dollar. Besonders angriffslustige Deepfakes und parodistische Clips spalten die Wählerschaft und überfordern bestehende Gesetze.

Im US-Zwischenwahlkampf im Herbst 2026 setzen politische Kampagnen und externe Aktionskomitees in nie gekanntem Ausmass auf KI-generierte Werbespots. Während im Präsidentschaftswahlkampf 2024 nach Erhebungen der Wesleyan Media Project noch weniger als 50’000 Dollar in entsprechende Medien flossen, schossen die Ausgaben für 220 identifizierte Anzeigen in 34 Bundesstaaten auf knapp 137 Millionen Dollar in die Höhe.

Angriffsvideos und Parodien im texanischen Senatsrennen

Die Bandbreite der synthetischen Inhalte reicht von harmloser Parodie bis hin zu realitätsnahen Deepfakes. In Texas veröffentlichte das Team von Generalstaatsanwalt Ken Paxton ein umstrittenes Angriffsvideo gegen den demokratischen Senatskandidaten James Talarico. Der Clip zeigt Talarico an einem Schreibtisch sitzend, wie er den biblischen Schöpfungsbericht umdichtet und erklärt, Gott sei nonbinär und nicht christlich gewesen.

Das Video nutzt Aussagen, die Talarico in früheren Interviews und Podcasts tatsächlich getätigt hatte, schneidet und kontextualisiert sie jedoch neu. So stammt die Zeile über seinen christlichen Glauben aus einem Podcast, während eine Bemerkung über sechs biologische Geschlechter aus dem Jahr 2021 stammt. Ein winziger Hinweis am unteren Bildrand klärt erst nach einigen Sekunden auf, dass Teile des Videos von künstlicher Intelligenz generiert wurden.

Super PACs der Tech-Milliardäre mischen im Wahlkampf mit

Neben den traditionellen Parteistrukturen drängen auch führende Tech-Firmen massiv in den politischen Einflussraum. Unternehmen wie Anthropic und OpenAI haben nach Recherchen des Christian Science Monitor seit dem Vorjahr rund 100 Millionen Dollar in Super-PACs investiert, um Verbündete zu rekrutieren. Fast 60 Millionen Dollar davon flossen bereits in konkrete Rennen.

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Foto: BBC

Die Ausgaben führen bisweilen zu direkten Duellen der KI-Giganten untereinander.

Rechtlicher Flickenteppich und unzureichende Schutzmechanismen

Die Regulierung hinkt der technologischen Entwicklung hinterher. Während einige Bundesstaaten strikte Offenlegungspflichten oder tiefe Strafen bei Verstössen vorsehen – in Texas drohen bei Verletzungen der Kennzeichnungspflichten im Zivilrecht bis zu 4’000 Dollar Busse – bleibt der Bund weitgehend untätig. Im US-Kongress und bei der Federal Election Commission blockieren Verfassungsbedenken, insbesondere bezüglich der durch den Ersten Zusatzartikel geschützten Redefreiheit, umfassende Verbote.

Forscher und Prüfer stellen zudem fest, dass grosse KI-Modelle weiterhin anfällig für die Erstellung manipulierter Wahlmaterialien sind. Eine Untersuchung der Brennan Center for Justice zeigte, dass zahlreiche kommerzielle Bildgeneratoren trotz angeblicher Schutzsperren willwillig realistische Fotos von manipulierten Wahlzetteln oder gefälschten Dokumenten anfertigten.

137 Millionen Dollar: US-Wahlkampf setzt massiv auf KI-Spots
Foto: EL PAÍS English

Travis Ridout sagte: „Natürlich ist das schädlich. Wir schwimmen alle in dieser trüben Brühe aus KI-Schrott.

Ob die Flut an künstlich erzeugten Inhalten das tatsächliche Wahlverhalten der Wähler signifikant verändert, bezweifeln Politologen. Viele Verbraucher seien ohnehin bereits fest auf eine politische Seite festgelegt. Dennoch wächst die Sorge, dass die allgegenwärtige Informationsflut das Vertrauen in demokratische Institutionen langfristig beschädigt.

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Clara Vogt

Über den Autor

Clara Vogt verantwortet das Ressort Technik und Wissenschaft. Sie schreibt ueber KI, Digitalisierung, Forschung und Innovation und uebersetzt komplexe Entwicklungen in klaren, belastbaren Journalismus.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.