Die US-Ratingagentur Moody’s hat die Kreditwürdigkeit Frankreichs trotz massiver Haushaltsdefizite und steigender Finanzierungskosten unverändert bei Aa3 belassen. Die Entscheidung, die mit einem negativen Ausblick verbunden bleibt, stützt sich auf die Annahme, dass Paris den Haushalt für 2027 mit Defizitsenkungen verabschieden wird, während sich die sozialen Spannungen im Land beruhigen.
Moody’s hält an Aa3-Rating fest
Die Entscheidung der Agentur Moody’s, das Rating für französische Staatsschulden bei Aa3 zu belassen, kam für viele Marktbeobachter überraschend. Eine Herabstufung war im Vorfeld allgemein erwartet worden, was Frankreichs Bonität auf das Niveau von Fitch und S&P angeglichen hätte. Der französische Premierminister Sébastien Lecornu äußerte sich erleichtert und erklärte, die Entscheidung widerlege die „pessimistischen Prognosen“ der vergangenen Wochen. Dennoch bleibt die Lage fragil. Die Regierung rechnet für das kommende Jahr mit einer Gesamtverschuldung von 121,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Um das Defizit auf fünf Prozent zu drücken, plant Lecornu Einsparungen in Höhe von 43 Milliarden Euro – ein Vorhaben, für das ihm im stark zersplitterten Parlament bisher die notwendige Mehrheit fehlt. Der Internationale Währungsfonds (IWF) prognostiziert für Ende 2026 eine Schuldenquote von 119 Prozent, mit einem Anstieg auf 123 Prozent bis 2030.”
Renditen für französische Staatsanleihen über 5 Prozent
Die Unsicherheit in Paris hat den Druck am Anleihemarkt massiv erhöht. Die Rendite zehnjähriger französischer Staatsanleihen (OAT) stieg in der abgelaufenen Handelswoche zeitweise über die Marke von 5,00 Prozent, ein Niveau, das zuletzt im Jahr 2002 erreicht wurde. Der Risikoaufschlag gegenüber deutschen Bundesanleihen erreichte dabei den höchsten Stand seit der Euro-Krise 2012. Marktbeobachter, darunter Robert Greil, Chefstratege bei Merck Finck, warnen, dass sich die Lage in Frankreich haushaltspolitisch und gesellschaftlich zuspitze. Die Zinsausgaben für den französischen Staat könnten 2027 auf bis zu 91 Milliarden Euro anwachsen, verglichen mit fast 80 Milliarden Euro im laufenden Jahr.

Die Kosten für fünfjährige Credit Default Swaps, mit denen sich Anleger gegen einen Zahlungsausfall absichern, kletterten erstmals seit Oktober 2012 auf mehr als 100 Basispunkte. Analysten von Capital Economics erwarten, dass sich die Risikoprämie französischer Schulden im Vergleich zu anderen Eurozonen-Staaten weiter ausweiten dürfte, da Anleger Zuflucht in sichereren Anlagen wie deutschen Bundesanleihen suchen.
Soziale Unruhen und politische Blockade
Die wirtschaftliche Anspannung wird durch eine Welle von Protesten verschärft. Bei Ausschreitungen gegen hohe Lebenshaltungskosten wurden landesweit tausende Geschäfte geplündert, Rathäuser und Polizeistationen angegriffen. Thierry Guibert, Chef der Modemarke Lacoste, deren Läden ebenso wie die von Aigle geplündert wurden, forderte den französischen Staat via soziale Netzwerke auf, Unternehmen und Beschäftigte unverzüglich zu schützen. Auch die Aktie von Carrefour büßte massiv ein, nachdem das Unternehmen meldete, dass Plünderer 50 seiner Filialen angegriffen haben. Alexandre Bompard, zugleich Vorsitzender des französischen Handelsverbands FCD, berichtete, dass etwa 1.500 Geschäfte betroffen seien und die Schäden in die Hunderte Millionen Euro gingen.

EZB unter Druck bei der Krisenhilfe
Angesichts der steigenden Renditen wird verstärkt über ein Eingreifen der Europäischen Zentralbank (EZB) debattiert. Der Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman bezeichnete Frankreich Anfang Oktober 2026 als „too big to save“. Daten der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde (EBA) zeigen, dass Banken der Eurozone bis Ende Juni 2026 Staatsanleihen im Nettowert von 4,3 Billionen Euro halten werden – doppelt so viel wie während der vorherigen Staatsschuldenkrise. Während die Widerstandsfähigkeit der Banken laut EBA-Daten zugenommen hat, warnt Simon Ainsworth, leitender Bankanalyst bei Moody’s, dass steigende Renditen die Finanzierungskosten und den Druck auf Vermögenspreise erhöhen könnten.”

Der Ex-Nationalbankchef Thomas Jordan und der frühere US-Vizeminister Justin Muzinich warnen vor einer neuen Krise der Euro-Zone. Jordan betont, dass eine Verkürzung der Anleihenlaufzeiten fundamental nichts an der Haushaltslage ändere, solange die Gesamtschulden unverändert bleiben. Jörg Krämer erwartet indes, dass der Europäische Stabilitätsmechanismus (ESM) im Falle Frankreichs keine Rolle spielen werde. Die EZB sieht sich mit einem schwierigen Umfeld konfrontiert, da die Sorgen um die französische Fiskalkrise und die globale Zinsdynamik die Finanzmärkte belasten.