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Welt

Frankreichs Schülerproteste: über 5000 Festnahmen gemeldet

Gewaltsame Schülerproteste gegen Lehrermangel und marode Gebäude haben in Frankreich zu mehr als 5.000 Festnahmen und über 300 verletzten Einsatzkräften geführt. Nach Angaben der Regierung eskalierten die Demonstrationen an landesweit mehr als 1.200 Oberschulen, während Hunderte Bildungseinrichtungen geschlossen bleiben mussten.

Massive Festnahmen an Frankreichs Schulen

Laut Angaben des Innenministeriums in Paris ist die Zahl der Festnahmen seit Beginn der Unruhen auf mehr als 5.000 gestiegen, wobei allein am Abend des Freitags nach Angaben von Innenminister Laurent Nuñez im Sender TF1 1.747 Menschen festgenommen wurden, nachdem es am Vortag 1.954 Festnahmen gegeben hatte und die Gesamtzahl an einem anderen Tag bei rund 3.700 lag. Die Protestwelle an französischen weiterführenden Schulen hat ein massives Ausmaß erreicht. Zu den Ausschreitungen kam es inzwischen an rund 1.200 Oberschulen im ganzen Land, während das Ministerium an bestimmten Tagen Unruhen an etwa 560 Schulen und die Schließung von rund 400 Gymnasien meldete.

Inzwischen sind von den landesweiten Unruhen schätzungsweise über 1.200 Oberschulen betroffen, wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung unter Berufung auf den Bildungsminister darlegt. Hunderte Bildungseinrichtungen blieben infolge von Blockaden und Sachbeschädigungen geschlossen. Allein im Großraum Paris gab es an Dutzenden Standorten Ausschreitungen, bei denen unter anderem Eingangsbereiche von Schulen in Brand gerieten.

Why are France’s student protests escalating?

Proteste gegen marode Gebäude und Sparkurs

Schülerinnen und Schüler beklagen marode Gebäude, ausfallende Lehrkräfte und überfüllte Klassenräume. Die Demonstrationen der Jugendlichen richten sich gegen jahrelange Probleme im Bildungssystem. Eine betroffene 15-jährige Schülerin schilderte die Situation im Pariser Umland mit den Worten: Wir sind 35 pro Klasse, wir haben nicht genug Stühle, wie die Tagesschau berichtete.

Angetrieben wird der Unmut durch den aktuellen Sparkurs der Regierung von Präsident Emmanuel Macron, die wegen einer staatlichen Verschuldung von mehr als 3.400 Milliarden Euro und der Vorgabe, das Defizit für 2027 auf 5 Prozent der Wirtschaftsleistung zu begrenzen, Einsparungen von rund 50 Milliarden Euro anstrebt. Angesichts einer Staatsverschuldung von mehr als 3,4 Billionen Euro plant die Regierung im Haushaltsentwurf für 2027 Einsparungen, die nach Angaben der tageszeitung auch das Bildungsbudget betreffen; dieses soll lediglich um 1,7 Prozent steigen, was unter der aktuellen Teuerungsrate liegt.

France closes 400 high schools as teens protests escalate • FRANCE 24 English

Gewalt gegen Polizisten und Schulpersonal

In Paris wurde eine Polizeianwärterin von einer Gruppe Jugendlicher verfolgt, zu Boden gerissen und geschlagen, während Angreifer laut Polizeiberichten Tötet sie! riefen, wie der Tagesspiegel dokumentierte. Im Verlauf der Proteste kam es wiederholt zu schweren Ausschreitungen, bei denen Polizisten und Schulpersonal angegriffen wurden.

Bildungsminister Édouard Geffray berichtete zudem von verletzten Lehrkräften und Schulleitern. Demnach wurden insgesamt 65 Lehrer verletzt, darunter 40 Schulleiter. So wurde der Leiter einer Berufsschule in Auchel im nordfranzösischen Raum von einem Feuerwerkskörper getroffen, der von seinem Körper abprallte und in der Nähe explodierte, woraufhin er mit einem Schock ins Krankenhaus eingeliefert wurde. Im ostfranzösischen Belfort wurde zudem ein Polizist brutal angegriffen, und das Innenministerium bestätigte, dass hierzu Ermittlungen wegen versuchter Tötung laufen. Insgesamt wurden nach offiziellen Angaben allein bei Einsätzen an einem einzigen Tag 305 Polizisten und Gendarmen verletzt, während insgesamt 300 Sicherheitskräfte, 170 Jugendliche und 65 Schulmitarbeitende Verletzungen erlitten.

Frankreichs Schülerproteste: über 5000 Festnahmen gemeldet
Foto: FAZ

Politischer Streit um linke Drahtzieher

Die Neue Zürcher Zeitung berichtete, dass Bildungsminister Geffray Eltern warnte: Auf der Strasse sind sie in Gefahr. Die Regierung reagierte mit verstärkter Polizeipräsenz und Appellen an die Eltern, ihre Kinder von den Straßen fernzuhalten.

Gleichzeitig tobte eine politische Debatte über die Hintergründe der Eskalation. Vertraulichen Geheimdienstberichten, aus denen die Zeitung „Le Figaro“ zitierte, zufolge soll die Linkspartei La France insoumise (LFI) und ihre Proxys die urbanen Ausschreitungen bewusst angeheizt haben, wobei etwa zwanzig nationale Mandatsträger der Partei direkt an der Bewegung in Städten wie Lille, Rennes, Toulouse, Albi, Rouen, Clermont-Ferrand, Bègles und Avignon beteiligt gewesen sein sollen.”

'Apocalyptic scenes' as France school protests escalate • FRANCE 24 English

Reaktionen der Schüler und geplante Märsche

Führende Schülerorganisationen verurteilten die gewaltsamen Entgleisungen scharf. Auch Louis Letoublon von der Organisation Les Lycéens betonte, dass die Taten nicht von Gymnasiasten, sondern von Außenstehenden verübt würden, während sich unter die Protestierenden oftmals vermummte Randalierer gemischt hätten. Als Gesicht der Bewegung trat unter anderem der 18-jährige Aktivist und Chef der Schülergewerkschaft Union syndicale lycéenne (USL), Ryad Rani, in Erscheinung, der Verbindungen zu La France insoumise aufweist und auf seinen Social-Media-Accounts Solidarität mit dem libanesischen Extremisten Georges Ibrahim Abdallah und der verbotenen Antifa-Gruppe Jeune Garde zeigte.

Da nach Ansicht der Verbände bislang keine konkreten Zusagen seitens des Ministeriums gemacht wurden, wollen die Schülervertreter und unterstützende Bildungsgewerkschaften an den Protesten festhalten. Ryad Rani erklärte, dass man nicht lockerlassen werde, da der Minister keine konkreten Ankündigungen gemacht habe. Für den kommenden Dienstag ist bereits zu einer großen, landesweiten Demonstration aufgerufen worden.

Schülerproteste in Frankreich eskalieren – Hunderte Schulen geschlossen | ntv
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Anna Richter

Über den Autor

Anna Richter leitet das Weltressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet ueber internationale Politik, Diplomatie und geopolitische Entwicklungen mit Fokus auf Kontext, Verlaesslichkeit und Relevanz fuer deutschsprachige Leser.

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