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Welt

Zugunglück in Spanien: Ermittler untersuchen mögliches menschliches Versagen

Mindestens 69 Menschen starben am 28. Oktober 2026 bei einem Frontal- und Heckzusammenstoß zweier Hochgeschwindigkeitszüge in der spanischen Provinz Toledo. Die Rettungskräfte arbeiteten mit Flutlicht und Kränen durch die Nacht, während Ermittler menschliches Versagen in der Bahnleitstelle als wahrscheinliche Ursache untersuchen.

Die Tragödie ereignete sich am Mittwochmorgen zwischen Mora y Orgaz und Urda, bei Kilometer 118 der Strecke Madrid–Sevilla, rund 130 Kilometer südlich von Madrid. Insgesamt waren in den beiden betroffenen Zügen nach Angaben der Regionalregierung von Kastilien-La Mancha und Angaben des Notrufs 112 mehr als 540 Passagiere unterwegs, als ein Hochgeschwindigkeitszug der staatlichen Gesellschaft Renfe von hinten auf einen stehenden Zug des privaten Bahnbetreibers Iryo auffuhr.

Konkret befanden sich im Iryo mit der Nummer 7076 genau 146 Fahrgäste und ein Baby, während im AVE 2080 exakt 397 Passagiere reisten. Durch die Wucht des Aufpralls entgleisten zwei Waggons des Iryo und ein Renfe-Waggon und stürzten einen Bahndamm hinunter. Die Suche nach weiteren Opfern dauerte mit Hilfe von Flutlicht und schweren Kränen auch in der Nacht zum Donnerstag an, wie der staatliche Sender RTVE berichtete. Neben der staatlichen Nachrichtenberichterstattung sind unter anderem Guardia Civil, Feuerwehr, Zivilschutz und Rotes Kreuz im unermüdlichen Einsatz.

Untersuchungen im Kontrollzentrum Atocha

Im Zentrum der Ermittlungen steht das Kontrollzentrum des Netzbetreibers Adif am Bahnhof Atocha, wo Verkehrsminister Óscar Puente seit 9.40 Uhr am Unfalltag alle verfügbaren Informationen sammelt. Der vorausfahrende Iryo-Zug kam daraufhin vor einem roten Einfahrtssignal zum Stehen. Die Lokführerin meldete Stillstand vor dem Einfahrtssignal Urda; ihr wurde jedoch zunächst ebenfalls die normale Weiterfahrt genehmigt.

Epi reutersfoto spain accident aftermath of a colli
Foto: n-tv.de

Demnach wurde dem nachfolgenden Renfe-Zug mit 397 Passagieren die Weiterfahrt mit normaler Geschwindigkeit freigegeben.

Lokführer von Zug 2080, schalten Sie das LZB aus und wieder ein und setzen Sie die Fahrt unter BSL mit Normalgeschwindigkeit fort.

Leitstelle Madrid, über Cadena SER und Fnp

Der Lokführer fragte nach, ob normale Fahrt gelte, woraufhin die Leitstelle mit Ja antwortete. Laut den von El País ausgewerteten Regierungsberichten hätte der Renfe-Zug angesichts der Lage angewiesen werden müssen, höchstens 40 Kilometer pro Stunde zu fahren, und zwar „auf Sicht“. Weiteren Funkkontakt zwischen dessen Lokführer und der Leitstelle hat es den Berichten zufolge nicht mehr gegeben, derweil hätte er über den liegengebliebenen Iryo-Zug informiert werden müssen.

Spain toledo train crash kills at least
Foto: Tagesspiegel

Nach etwa fünf Minuten kam es zum tödlichen Unfall. Verkehrsminister Óscar Puente bezeichnete die Entscheidung der Leitstelle vor Medien als „unerklärliche“ und „falscheEntscheidung der Bahnleitstelle und deutete auf mögliches menschliches Versagen hin.””

Staatstrauer in Spanien ausgerufen

Die Region Andalusien ordnete zudem bis Samstag Trauer an.

„Für ein Land wie Spanien ist es nicht hinnehmbar, innerhalb eines Jahres zwei schwere Unglücke mit Hochgeschwindigkeitszügen zu erleben“, sagte Sánchez mit Blick auf das Zugunglück von Adamuz in Andalusien, bei dem im Januar 46 Menschen ums Leben gekommen waren. „Sollte es Fahrlässigkeit gegeben haben, wird das ans Licht kommen”

Pedro Sánchez, Ministerpräsident

Die Zahl der Todesopfer stieg nach Angaben des Präsidenten der Region Kastilien-La Mancha, Emiliano García-Page, auf mindestens 69 Menschen. Nach Angaben der Regionalregierung von Kastilien-La Mancha wurden mehr als 100 Menschen verletzt. Von diesen Verletzten wurden 53 weiterhin in Krankenhäusern in Kastilien-La Mancha behandelt, während weitere 98 in Madrid versorgt wurden. Die Zahl der Schwerverletzten wurde mit rund 50 angegeben, wobei sich mindestens 15 Personen nach offiziellen Angaben in kritischem Zustand befanden. García-Page teilte zudem mit, dass es bei vier der insgesamt 15 Patienten, die ursprünglich in die höchste Dringlichkeitsstufe „Rot“ eingestuft wurden, eine positive Entwicklung gibt.

Das Transfusionszentrum von Madrid veröffentlichte einen dringenden Aufruf zur Blutspende angesichts eines möglichen Anstiegs des Bedarfs an Blut aller Blutgruppen. Unter den Opfern befindet sich nach übereinstimmenden Berichten von Magazinen wie „Semana“ und „El Debate“ auch die 59-jährige frühere Arbeitsministerin Fátima Báñez, die zuletzt als Präsidentin der Fundación CEOE arbeitete und nach Sevilla reisen wollte; eine offizielle Bestätigung lag zunächst jedoch nicht vor. Die Polizei richtete in Madrid, Toledo, Córdoba und Sevilla vier Anlaufstellen ein, bei denen Angehörige DNA-Proben abgeben können, um die Identifizierung der Toten zu unterstützen. Mercedes Martín, die Sprecherin der Polizeibehörde Guardia Civil in Madrid, erklärte, dass DNA-Proben entnommen werden und man die ganze Nacht bleiben werde.”””

Reaktionen aus Sport und Kultur

Die Anteilnahme erfasste das gesamte Land. Prominente Persönlichkeiten wie Antonio Banderas teilten ihren Schmerz öffentlich in sozialen Netzwerken. Der 66-jährige Hollywood-Star schrieb auf Instagram: Keine Worte. Nur Schmerz. Auch die Schauspielerin Penélope Cruz und der Star des FC Barcelona sowie Fußball-Weltmeister Lamine Yamal drückten ihr Beileid aus.

Zugunglück in Spanien: Ermittler untersuchen mögliches menschliches Versagen
Foto: Neue Westfälische

Der 14-malige French-Open-Sieger und Tennis-Ass Rafael Nadal schrieb auf X, dass er das tragische Zugunglück in Toledo mit großer Sorge und Trauer verfolge. Georgina Rodríguez, die Ehefrau von Fußball-Star Cristiano Ronaldo, versuchte bei der Suche nach Vermissten zu helfen.

Parallel zu den Bergungsarbeiten kam es in Madrid zu Spannungen. Vor dem Transportministerium versammelten sich Personen zu Protestkundgebungen, bei denen der Chef der rechtspopulistischen Partei Vox, Santiago Abascal, die linke Regierung als kriminell bezeichnete und äußerte, Korruption töte. Die linksgerichtete Regierung von Ministerpräsident Pedro Sánchez geriet massiv in die Kritik. Die Behörde AITAT hält es für viel zu früh, Hypothesen aufzustellen, während die Lokführergewerkschaft Semaf an ihrem Streik festhielt.

Rafael Escudero, Sprecher der Eisenbahngewerkschaft, erklärte, dass der Zustand des Bahnnetzes nicht angemessen sei. Die Regierung erinnerte im Zuge der Debatte daran, dass Sánchez den Gewerkschaften bereits zuvor zusätzliche 1,8 Milliarden Euro für Maßnahmen im Bahnnetz zugesichert hatte, darunter für die Wartung in den Jahren 2026 bis 2030, um mit aller Konsequenz auf eventuelle Fehler im Sicherheitssystem zu reagieren.

Zugunglück in Spanien: Ermittler untersuchen mögliches menschliches Versagen
Foto: Hamburger Abendblatt

Der Bürgermeister von Urda, Manuel Galan, erklärte dem Radiosender Cadena SER, dass die Rettungsdienste die Stadtverwaltung gebeten hätten, Notunterkünfte für Passagiere und Verletzte vorzubereiten. Auch EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen zeigte sich bestürzt und schrieb, dass Europa heute mit den Angehörigen trauere, während die Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn, Evelyn Palla, erklärte, das Zugunglück in Spanien mache sie fassungslos und treffe die Eisenbahnfamilie mitten ins Herz.

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Anna Richter

Über den Autor

Anna Richter leitet das Weltressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet ueber internationale Politik, Diplomatie und geopolitische Entwicklungen mit Fokus auf Kontext, Verlaesslichkeit und Relevanz fuer deutschsprachige Leser.

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