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Xavier Thevenot wirft 14 Angeklagte Vertuschung bei Crans-Montana-Brand vor

Xavier Thevenot, der Vater des 14-jährigen Noa, hat sich erstmals öffentlich zu Wort gemeldet, nachdem sein Sohn in der Silvesternacht 2026 bei einem Brand in der Bar Le Constellation in Crans-Montana starb. Thevenot wirft den 14 Angeklagten Vertuschung vor und kritisiert das Ausbleiben von Verantwortung in einem Prozess, der die lokale Verwaltung unter Druck setzt.

Fünf Monate nach der Katastrophe bricht Thevenot sein Schweigen. Es ist die Rede von einem Verlust, der den Alltag in eine reine Überlebensstrategie verwandelt hat. Die psychische Belastung ist so immens, dass der Vater laut einem Bericht von Blick das Zimmer seines Sohnes bis heute nicht betreten konnte.

„Ich kämpfe nur noch ums Überleben.

Xavier Thevenot, Vater des Opfers Noa

Vorwurf der Vertuschung: 14 Angeklagte im Visier

Im Zentrum des juristischen Nachspiels steht die Frage der Verantwortlichkeit. Insgesamt 14 Personen sind in den Brand der Bar Le Constellation verwickelt und stehen unter Anklage. Thevenot äußert sich in einem Gespräch mit dem Nachrichtensender RTS tief enttäuscht über den bisherigen Verlauf der staatsanwaltschaftlichen Befragungen.

Die Ermittlungen werden durch die Staatsanwaltschaft des Kantons Wallis (Ministère public du Valais) geführt. Unter den 14 Beschuldigten befinden sich neben den Betreibern des Lokals auch Beamte der Gemeindeverwaltung, denen fahrlässige Tötung und Verstöße gegen Brandschutzvorschriften vorgeworfen werden. Die Ermittler prüfen insbesondere, ob die Sicherheitsauflagen vorsätzlich ignoriert wurden oder ob ein systemisches Versagen der Aufsichtsbehörden vorlag.

Nach Ansicht des Vaters gibt es ein systematisches Muster: Die 14 Angeklagten würden sich gegenseitig decken, indem sie entweder die Aussage verweigern oder ihre Unschuld beteuern. Für die Hinterbliebenen fühlt sich dieses Verhalten wie ein wiederholter Verrat an, den Thevenot als „Stich in den Rücken oder ins Herz“ beschreibt.

Xavier Thevenot, Vater des Opfers Noa

Diese Dynamik im Prozess deutet auf eine tiefe Kluft zwischen der offiziellen Darstellung der Beteiligten und der Wahrnehmung der Opferfamilien hin. Während die Verteidigungen auf Unschuld pochen, sieht Thevenot eine Mauer des Schweigens, die die Wahrheit über die Todesursachen und die Sicherheitsmängel verschleiert.

Sicherheitsmängel seit 2019 und die Rolle von Bürgermeister Féraud

Die technischen Hintergründe des Brandes werfen ein Schlaglicht auf potenzielle institutionelle Versäumnisse. Es ist bekannt, dass der Brandort, die Bar Le Constellation, seit dem Jahr 2019 nicht mehr kontrolliert wurde. Diese jahrelange Lücke in der Brandschutzüberwachung stellt die Behörden und die Besitzer des Lokals in ein fatales Licht.

Die fehlenden Inspektionen bedeuten, dass das Lokal über sieben Jahre lang ohne aktualisierte Sicherheitszertifikate betrieben wurde. Dies verstößt gegen die kantonalen Brandschutzgesetze, die regelmäßige Überprüfungen von öffentlichen Versammlungsstätten vorschreiben, um Fluchtwege und die Funktionsfähigkeit von Löschsystemen zu garantieren. In den Akten wird untersucht, warum die zuständigen Kontrollorgane die Fristen verstreichen ließen und ob Warnungen aus der Vergangenheit ignoriert wurden.

Besonders brisant ist die politische Dimension des Falls. Nicolas Féraud, der amtierende Bürgermeister, ist ebenfalls einer der Angeklagten in diesem Verfahren. Dass Féraud trotz der schweren Vorwürfe und der laufenden Ermittlungen weiterhin sein Amt bekleidet, ist für Thevenot absolut unverständlich.

Die Verknüpfung von politischer Macht und strafrechtlicher Verantwortung macht den Fall zu einem Politikum in Crans-Montana. Wenn die oberste lokale Instanz gleichzeitig als Beschuldigte in einem Fall von vermeidbarer Todesursache auftritt, untergräbt dies in den Augen der Betroffenen die Glaubwürdigkeit des gesamten Verfahrens. In der Gemeinde wird diskutiert, ob ein Rücktritt von Féraud notwendig ist, um die Unabhängigkeit der Ermittlungen zu gewährleisten.

Die kommenden Anhörungen und die Konfrontation mit den Morettis

Die aktuelle Woche markiert einen kritischen Punkt im Prozess. Für Mittwoch und Freitag sind weitere Anhörungen angesetzt. Ein zentraler Termin wird die direkte Konfrontation mit dem Ehepaar Moretti sein. Das Ehepaar Moretti, die Besitzer und Betreiber der Bar Le Constellation, steht im Fokus der Ermittlungen bezüglich der Überbelegung des Lokals in der Silvesternacht und der mangelnden Kennzeichnung der Notausgänge.

Die kommenden Anhörungen und die Konfrontation mit den Morettis
cluster (priority): news.google.com

Diese Konfrontationen sind Teil des walliserischen Strafprozessrechts, bei dem Beschuldigte und Zeugen direkt gegenübergestellt werden, um Widersprüche in den Aussagen aufzudecken. Die Staatsanwaltschaft will klären, wer zum Zeitpunkt des Brandausbruchs die Verantwortung für die Evakuierung trug und ob die Gäste über die Notausgänge informiert waren. Obwohl Thevenot gegenüber RTS angab, dass er von diesen Terminen nicht mehr viel erhoffe, hält er an seinem Engagement fest.

Die Motivation ist rein emotional und moralisch begründet. Für den Vater geht es nicht mehr nur um juristische Sühne, sondern um die Würde seines Sohnes. Die Suche nach der Wahrheit ist für ihn eine Verpflichtung, die er gegenüber seinem verstorbenen Kind hat.

Xavier Thevenot, Vater des Opfers Noa

Die kommenden Tage werden zeigen, ob die Konfrontationen neue Erkenntnisse liefern oder ob die Strategie der gegenseitigen Absicherung innerhalb der Gruppe der Angeklagten bestehen bleibt. In einem Fall, in dem ein 14-Jähriger das jüngste Opfer einer vermeidbaren Tragödie wurde, wiegt das Ausbleiben eines Geständnisses oder einer Entschuldigung schwerer als jeder Paragraf.

Die Öffentlichkeit in Crans-Montana und darüber hinaus wird nun genau beobachten, ob die Justiz in der Lage ist, die Verantwortlichkeiten jenseits politischer Ämter und gegenseitiger Absprachen zu klären. Die Angehörigen der anderen Opfer schließen sich Thevenots Forderung nach vollständiger Transparenz an und fordern eine umfassende Überprüfung aller öffentlichen Lokale in der Region, um ähnliche Versäumnisse in Zukunft zu verhindern.

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Jonas Becker

Über den Autor

Jonas Becker verantwortet das Nachrichtenressort von Germanic Nachrichten. Sein Fokus liegt auf schneller, praeziser und sauber verifizierter Berichterstattung zu Politik, Gesellschaft und aktuellen Entwicklungen in Deutschland.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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