Bundestrainer Julian Nagelsmann setzt Deniz Undav im letzten WM-Gruppenspiel gegen Ecuador am 25. Juni 2026 in East Rutherford erneut auf die Bank. Das Spiel findet im MetLife Stadium statt. Trotz hoher Erwartungen startet Undav nicht in der Elf, während Antonio Rüdiger und David Raum aufgrund von Verletzungen von Nico Schlotterbeck und Nathaniel Brown erstmals in der Startformation debütieren.
Die Strategie hinter der Undav-Entscheidung
Die Aufstellung für das Finale der Gruppe E sorgt für Überraschungen. Während Bild berichtet hatte, dass Undav in der Startelf stürmen würde, bleibt der VfB-Stuttgart-Angreifer vorerst ein Einwechselspieler. Selbst die Anwesenheit Undavs auf der Abschluss-Pressekonferenz – ein Platz, der üblicherweise den Stammspielern vorbehalten ist – deutete auf einen Start hin.
Nagelsmann begründet diesen Schritt taktisch. Er möchte den sogenannten Joker-Flow
beibehalten. Die Logik des Trainers ist simpel: Ein Spieler mit Undavs Qualitäten ist in der Schlussphase eines Spiels wertvoller, wenn die Partie noch entschieden werden muss. In Turniersituationen wird dieser Einsatz von „Super-Subs“ oft genutzt, um gegen eine bereits ermüdete gegnerische Abwehr eine neue Dynamik in die Offensive zu bringen.

„Es gibt ja immer die Diskussion: Du kannst ihn starten lassen und seine Qualitäten von Beginn an drin haben. Du kannst hoffen, dass der Joker-Flow weitergeht, und das ist auch die Idee, die wir haben.“
Julian Nagelsmann, Bundestrainer
Die statistische Effizienz von Undav stützt diese Entscheidung. In bisher nur 58 Einsatzminuten steuerte er drei Tore und zwei Assists bei. Nagelsmann argumentiert, dass die Wahrscheinlichkeit hoch sei, Undav bei einem Start vorzeitig auswechseln zu müssen. Damit würde Deutschland seinen effektivsten Finisher für die letzten 20 Minuten verlieren.
Verletzungszwang: Rüdiger und Raum rücken nach
Neben der personellen Entscheidung bei Undav erzwingen medizinische Probleme zwei weitere Änderungen in der Defensive. Nico Schlotterbeck fällt mit einem Bänderriss im linken Knöchel aus; sein Turnier in Amerika ist damit vorzeitig beendet. Ein Bänderriss dieser Art führt im Profifußball in der Regel zu einem sofortigen Turnieraus, da die Stabilität des Gelenks für die Belastungen eines Spiels nicht ausreicht.
Zudem leidet Nathaniel Brown an muskulären Problemen an den Adduktoren, was ihn dazu zwang, im Abschlusstraining in Winston-Salem ein individuelles Programm zu absolvieren. Diese Lücken schließt Nagelsmann mit Antonio Rüdiger in der Innenverteidigung und David Raum auf der linken Außenverteidigerposition. Für beide Spieler bedeutet dies ihr Debüt in der WM-Startelf.
Die finale Startformation für die Partie gegen Ecuador stellt sich wie folgt dar:
- Tor: Neuer
- Abwehr: Kimmich, Tah, Rüdiger, Raum
- Mittelfeld: Pavlovic, Nmecha
- Offensive: Sané, Musiala, Wirtz
- Sturm: Havertz
Sicherung des Gruppensieges und Blick auf das Sechzehntelfinale
Die sportliche Ausgangslage für Deutschland ist komfortabel. Wie T-Online berichtet, steht das Sechzehntelfinale bereits fest. Der Sieg gegen die Elfenbeinküste (2:1) im zweiten Gruppenspiel sicherte den Einzug in die K.-o.-Runde. Nun geht es primär darum, die Gruppe E als Sieger abzuschließen und Momentum für die nächste Phase aufzubauen.
Der Gruppensieg ist strategisch bedeutsam, da die Turnierstruktur bei Weltmeisterschaften den Gruppensiegern in der K.-o.-Phase oft einen theoretischen Vorteil verschafft, indem sie gegen Zweitplatzierte anderer Gruppen antreten und so potenziell andere Top-Favoriten in frühen Runden vermeiden.
Die Frage nach einer umfassenderen Rotation war im Vorfeld präsent, da das Sechzehntelfinale bereits vier Tage nach dem Ecuador-Spiel ansteht. Nagelsmann hielt die Diskussion über eine Schonung der Stammkräfte für legitim, entschied sich jedoch gegen einen radikalen Umbau.
„Es ist die berechtigte Frage von allen, dass man diskutiert, ob wir wechseln oder nicht“
Julian Nagelsmann, Bundestrainer
Das Risiko einer zu starken Rotation könnte den Rhythmus der Mannschaft stören, während eine zu starre Besetzung die Spieler physisch an die Grenze bringt. Nagelsmann wählt hier den Mittelweg: Er korrigiert nur dort, wo es verletzungsbedingt notwendig ist, und behält seine taktische Waffe in Form von Undav für die entscheidenden Minuten auf der Bank.
Für die Defensive bedeutet der Ausfall von Schlotterbeck eine Zerreißprobe. Rüdiger muss nun beweisen, dass er die Stabilität in der Zentrale gewährleisten kann, während Raum die Flanken für die offensive Reihe aus Musiala und Wirtz liefern soll. Die Partie gegen Ecuador dient somit nicht nur dem Prestige des Gruppensieges, sondern auch als finaler Test für die neuen defensiven Konstellationen vor dem Sechzehntelfinale.
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