Die sechstägige Waffenruhe rund um das russisch besetzte Oleshky im Gebiet Cherson ist am 1. November 2026 zu Ende gegangen, nachdem Moskau eine Verlängerung ablehnte. Gleichzeitig erschütterten heftige russische Luftangriffe auf die Energieinfrastruktur des Landes das ukrainische Stromnetz, während Kiews Streitkräfte Ölanlagen und Rüstungsbetriebe in Russland angriffen.
Warum die Waffenruhe in Oleshky endete und was die Evakuierten erlebten
Die längste Feuerpause seit Beginn des russischen Einmarsches im Februar 2022 lief am Sonntagabend um 22:59 Uhr Ortszeit (2059 GMT) aus. Der ukrainische Parlamentskommissar für Menschenrechte, Dmytro Lubinets, bestätigte das Ende der Feuerpause und bezeichnete die Waffenruhe als einen wichtigen Schritt in humanitären Bemühungen.
During the humanitarian mission in Oleshky, Ukrainian military personnel also evacuated 167 civilians from the right bank of Kherson OblastDuring the ceasefire regime introduced in designated areas of Kherson Oblast for the humanitarian mission in Oleshky, the Defense Forces of… pic.twitter.com/wcSIIulnwy
— https://x.com/GeneralStaffUA/status/2116923776336068939
Für Zivilisten, die den Schritt aus der Besatzung wagten, bedeutete die Feuerpause eine Atempause nach monatelanger Isolation. Evakuierte berichteten Journalisten von jahrelanger Isolation, extremem Mangel an Lebensmitteln und regelmäßigem Beschuss, wobei einige Betroffene aus Not Gras und Hunde verzehrten, als die Vorräte zur Neige gingen. Ukrainische Behörden und Menschenrechtsbeauftragte werteten den begrenzten Frieden als wichtigen Schritt für humanitäre Bemühungen, doch eine umfassende Deeskalation blieb aus.
Wie russische Angriffe hunderttausende Haushalte ohne Strom und Wasser zurückließen
Parallel zum Auslaufen der Frontenruhe in Cherson intensivierten sich die Angriffe auf die zivile Infrastruktur im Rest des Landes. Präsident Volodymyr Zelensky erklärte auf Telegram, dass russische Streitkräfte über Nacht Stromanlagen in vier Regionen getroffen und Hunderttausende Haushalte von der Elektrizität getrennt hätten. Der ukrainische Präsident warnte, dass die Intensität der Angriffe sehr hoch sei und die russische Seite versuche, das Defizit an ballistischen Raketen-Abfangjägern maximal auszunutzen. Über die gesamte letzte Woche hinweg habe Russland laut Angaben des Präsidenten 1.940 Kampfdrohnen, mehr als 1.580 gelenkte Gleitbomben und 36 ballistische Raketen abgefeuert. Nach Angaben der Behörden wurden durch die massiven Luftschläge landesweit mehr als 280.000 beziehungsweise nach anderen Zählungen Hunderttausende ukrainische Haushalte von der Stromversorgung abgeschnitten. Laut Angaben des Energieministeriums und des Präsidenten waren am Sonntag frische Stromausfälle in vier Regionen zu verzeichnen. Auch Energieinfrastrukturen in den Regionen Dnipro, Vinnytsia, Zhytomyr und Khmelnytskyi wurden getroffen. Das ukrainische Energieministerium teilte mit, dass Verbraucher in den Regionen Zhytomyr, Donetsk, Zaporizhzhia, Kyiv, Dnipropetrovsk, Sumy, Cherkasy und Kharkiv von Stromausfällen betroffen waren. In der Region Zhytomyr verloren mehr als 650 Siedlungen den Strom, während im Gebiet Dnipropetrovsk fast 100.000 beziehungsweise über 200.000 Verbraucher ohne Elektrizität blieben. Der Gouverneur der Region Ternopil, Taras Pastukh, meldete ebenfalls einen russischen Angriff auf die Infrastruktur, der dort zu lokalen Stromausfällen führte. Darüber hinaus meldeten regionale Behörden Verletzte durch Angriffe in den Regionen Sumy, Rivne und Poltava sowie Angriffe auf zivile Infrastruktur und Wohnhäuser.

Besonders hart traf es die Region Dnipropetrovsk. Das Pentagons befasste sich zudem mit Kiews Anfrage zur inländischen Produktion von Patriot-Abfangraketen, die laut Berichten jedoch weiterer Überprüfung bedarf, da eine US-Genehmigung für die heimische Herstellung noch aussteht.
Welche Schäden ukrainische Drohnen in russischen Industrieanlagen anrichteten
Auf russischem Gebiet reagierte Kiew mit weiträumigen Drohnenangriffen auf Industrie- und Energieziele. Das betroffene Objekt ist jedoch als Lukoil-Nizhegorodnefteorgsintez-Raffinerie – allgemein bekannt als NORSI – in der Stadt Kstovo in der Region Nischni Nowgorod identifiziert worden, welche als viertgrößte Ölraffinerie Russlands jährlich rund 17 Millionen Tonnen Rohöl verarbeitet und mehr als 50 Sorten von Erdölprodukten wie Flugbenzin und Diesel herstellt. Die Regionalregierung rief Autofahrer dazu auf, Benzin nur bei Bedarf zu kaufen, um Panikkäufe zu verhindern, während im Bereich der Treibstoffversorgung und der Gasstationen Vorkehrungen getroffen wurden.
Overnight alone, our energy infrastructure came under Russian attack in four regions: Dnipro, Vinnytsia, Zhytomyr, and Khmelnytskyi. Substations, transformers, and power lines that supply electricity to our people’s homes were targeted. Repair crews are working everywhere. As of… pic.twitter.com/xcsNtOmow1
— https://x.com/ZelenskyyUa/status/2116828055234613703
Zusätzlich nahm das ukrainische Militär das Kamensky-Werk in der Region Rostow ins Visier, welches nach Angaben des ukrainischen Präsidenten in die Produktion russischer Raketen eingebunden ist. Präsident Zelensky bezifferte den Schaden an den russischen Luftverteidigungsanlagen durch diese Operationen auf 70 Millionen US-Dollar. Das russische Verteidigungsministerium erklärte hingegen, seine Luftabwehr habe über Nacht 235 ukrainische Drohnen über russischen Regionen abgefangen, während die ukrainische Luftwaffe meldete, 371 von 433 Langstreckendrohnen abgeschossen zu haben. Der russische Vize-Premierminister Alexander Novak erklärte unterdessen in einem Interview im Staatsfernsehen, dass ukrainische Angriffe auf russische Raffinerien zu globalen Ungleichgewichten auf dem Treibstoffmarkt beitragen und die Preise beeinflussen.
Was das Ende der Waffenruhe für die kommenden Verhandlungen bedeutet
Die harten Kämpfe und der Beschuss entlarven das Schicksal der vor drei Wochen von US-Präsident Donald Trump verkündeten Energie-Waffenruhe, die weder von Moskau noch von Kiew dauerhaft eingehalten wurde. Moskau zeige sich demnach nicht bereit, einer solchen Vereinbarung zuzustimmen.

Auf diplomatischer Ebene zeichnen sich derweil neue Gesprächsformate ab. Die ukrainische Präsidialverwaltung rechnet nach Angaben von JKN mit einem Termin bis zum 10. November, während Moskau laut den Erklärungen des Kreml-Vertreters Yuri Ushakov auf bestehende Kontakte mit den USA verwies und es als logisch bezeichnete, dass zumindest die ersten Runden in einem trilateralen Format stattfinden sollten.
Our long-range sanctions have targeted the Rostov region. The Kamensky Combine, a Russian defense industry enterprise involved in missile production, was hit.A Pantsir-S2 system and a command and staff vehicle of the S-400 Triumf system were also hit. The total value of the air… pic.twitter.com/mo4FsyeSlL
— https://x.com/ZelenskyyUa/status/2116840406507737529