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Welt

USA verhängen Finanzsanktionen gegen Internationalen Strafgerichtshof

US-Aussenminister Marco Rubio hat am Freitag umfassende Finanzsanktionen gegen den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag verhängt. Der Schritt erfolgt nur wenige Stunden, nachdem die ehemalige Richterin Navi Pillay mit dem Nobelpreis geehrt wurde, und verschärft den Konflikt zwischen Washington und den westlichen Verbündeten massiv.

Washington verhängt Transaktionsverbot gegen den Gerichtshof in den Haag

Die US-Regierung hat am Freitag neue und drastische Sanktionen gegen den Internationalen Strafgerichtshof in Kraft gesetzt. Wie Aussenminister Marco Rubio bekannt gab, verbietet Washington jegliche Transaktionen mit der in den Niederlanden ansässigen Institution. Die Massnahme zielt darauf ab, die finanziellen Ressourcen des Tribunals vollständig abzuschneiden und dessen operative Arbeitsfähigkeit zu lähmen.

Die US-Administration reagiert damit auf anhaltende Ermittlungen und Haftbefehle des Gerichts. Rubio bezeichnete das Gericht in einer Stellungnahme als rogue court, das keine Jurisdiktion über US-Bürger oder politische Amtsträger besitze, die nicht dem Rom-Statut beigetreten sind.

USA verhängen Finanzsanktionen gegen Internationalen Strafgerichtshof
Foto: The Jerusalem Post

US-Aussenminister Marco Rubio erklärte: Präsident Trump wird niemals zulassen, dass der Internationale Strafgerichtshof Amerikaner verfolgt. Aus diesem Grund sanktionieren die Vereinigten Staaten heute den Internationalen Strafgerichtshof. Wir werden Transaktionen mit diesem Schurkenstaat von Gericht verbieten, ihre Ressourcen abschneiden und ihre Arbeitsfähigkeit lähmen.

Die Regierung bekräftigte mehrfach, dass ein internationaler Gerichtshof weder amerikanische Soldaten noch Grenzschützer oder politische Amtsträger verfolgen dürfe. US-Aussenminister Rubio erklärte in einer auf X veröffentlichten Videobotschaft, die USA würden Angriffe auf das eigene Personal und die nationale Souveränität nicht hinnehmen.

Das von der US-Regierung als feindselig eingestufte Tribunal war im Jahr 2002 auf Grundlage eines internationalen Vertrags gegründet worden, wobei die Vereinigten Staaten das Rom-Statut zwar anfangs unterzeichnet, den Vertrag jedoch niemals ratifiziert hatten. Die nun verhängten Massnahmen stellen einen beispiellosen Angriff auf das Gericht dar, nachdem die Washingtoner Regierung in der Vergangenheit bereits im Februar 2025 den Chefankläger und im August 2025 auch Richter des Tribunals mit restriktiven Massnahmen belegt hatte.

Der Nobelpreis für Navi Pillay als zeitlicher Auslöser

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Der Nobelpreis für Navi Pillay als zeitlicher Auslöser

Der Zeitpunkt der Massnahme sorgte international für scharfe Reaktionen. Nur Stunden vor der Bekanntgabe in Washington hatte das Norwegische Nobelkomitee in Oslo bekannt gegeben, dass die südafrikanische Juristin Navanethem Pillay mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wird. Pillay war von 2003 bis 2008 als Richterin an der Berufungskammer des Strafgerichtshofs tätig.

USA verhängen Finanzsanktionen gegen Internationalen Strafgerichtshof
Foto: DW.com

Jorgen Watne Frydnes, der Vorsitzende des Norwegischen Nobelkomitees, präsentierte bei der Bekanntgabe in Oslo ein Porträt der Preisträgerin. Pillay, die im Laufe ihrer Karriere unter anderem als Richterin am Hohen Gerichtshof von Südafrika, als Präsidentin des Internationalen Straftribunals für Ruanda zur Verfolgung der Verantwortlichen des Völkermords von 1994 sowie als Hohe Kommissarin der Vereinten Nationen für Menschenrechte wirkte, nahm die Auszeichnung entgegen.

Zum Zeitpunkt der Bekanntgabe befand sich die 85-jährige Juristin auf einer Konferenz im historischen Gerichtssaal 600 des Nürnberger Schwurgerichts in Deutschland. In diesem Gebäude hatten vor rund 80 Jahren die Nürnberger Prozesse gegen die Hauptkriegsverbrecher des NS-Regimes stattgefunden, welche die Grundlagen für das moderne Völkerrecht legten. Auf die Nachricht von ihrer Auszeichnung angesprochen, reagierte Pillay mit der Frage, ob dies wahr sei, und witzelte vor den applaudierenden Anwesenden scherzhaft über US-Präsident Trump, da dieser sich in der Vergangenheit mehrfach öffentlich darüber beschwert hatte, die Auszeichnung nicht erhalten zu haben. Zur Untermauerung seiner eigenen Ambitionen hatte US-Präsident Trump im Laufe des Jahres 2025 die Trophäe der venezolanischen Oppositionsführerin María Corina Machado als Geschenk überreicht bekommen.

Das Nobelkomitee begründete die Entscheidung ausdrücklich als Zeichen der Unterstützung für internationale Justizorgane in einer Zeit, in der Richter und Institutionen des internationalen Rechts unter Beschuss stehen. In ihrer Begründung betonte die Institution, dass ein internationales Rechtssystem, in dem Kriegsverbrecher zur Rechenschaft gezogen werden, eine fundamentale Voraussetzung für eine friedliche Welt darstelle.

US sanctions International Criminal Court in major escalation
Foto: Al Jazeera

Reaktionen aus Europa und Verurteilung durch das Tribunal

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Reaktionen aus Europa und Verurteilung durch das Tribunal

Die Führung des Strafgerichtshofs verurteilte die US-Sanktionen als Frontalangriff auf die internationale Rechtsordnung. Gerichtspräsidentin Tomoko Akane, die im August vom US-Aussenministerium persönlich sanktioniert worden war, betonte, dass sich das Tribunal trotz des Drucks nicht von seiner Arbeit abbringen lassen werde. Sie erklärte, das Gericht werde sein Mandat in völliger Unabhängigkeit und Unparteilichkeit ausschliesslich auf der Grundlage von Gesetz und Beweisen für die Opfer schwerer Verbrechen ausführen.

USA verhängen Sanktionen gegen IStGH, nachdem ehemaliger Richter den Friedensnobelpreis gewonnen hat

Auch die stellvertretende Anklägerin, Nazhat Shameem Khan, verurteilte die Massnahmen scharf und betonte, die Arbeit des Gerichts werde dadurch nicht gestoppt. Die Behörde rief alle Mitgliedstaaten dazu auf, ihre Unterstützung für den Gerichtshof zu verdoppeln. Philippe Bolopion, der Exekutivdirektor von Human Rights Watch, erklärte, die US-Regierung verfolge das offene Ziel, das Gericht zu zerstören, um US-amerikanische und israelische Amtsträger vor Strafverfolgung zu immunisieren.

In Europa reagierten die Verbündeten mit Sorge und Ablehnung. Dennoch stehen die Staaten vor enormen diplomatischen Herausforderungen, zumal einige afrikanische Länder wie Burkina Faso, Mali, Niger, Tschad und Venezuela in den vorangegangenen Monaten Schritte zum Austritt aus dem Gericht eingeleitet hatten.

Übergangsfristen und Vorbereitungen auf die Blockade

USA verhängen Finanzsanktionen gegen Internationalen Strafgerichtshof
Foto: Fox News

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Übergangsfristen und Vorbereitungen auf die Blockade

Um Zeit für Reaktionen zu geben, räumte das US-Finanzministerium eine anfängliche Übergangsfrist von sechs beziehungsweise 180 Tagen ein. Ausnahmen von dem Verbot sollen unter anderem für Telekommunikation, Software, die Auszahlung von Pensionen sowie Transaktionen im Zusammenhang mit Häftlingen gelten. Rubio erklärte, die Sanktionen seien so strukturiert, dass das Gericht und die Mitgliedsländer Zeit hätten, den US-Forderungen nachzukommen.

Internationale Beobachter und Juristen verweisen darauf, dass sich das Gericht bereits im Vorfeld auf mögliche wirtschaftliche Einschränkungen vorbereitet hatte. Unter der Leitung des Registrars Osvaldo Zavala Giler wurden IT-Systeme und Computer in den Büros schrittweise von Microsoft-Produkten auf Open-Source-Alternativen umgestellt, um die direkte Abhängigkeit von US-Technologiekonzernen zu verringern. Zudem wurden frühzeitig neue Regelungen für den Bankverkehr und die Krankenversicherung getroffen, um die Handlungsfähigkeit der Institution angesichts der drohenden US-Sanktionen abzusichern.

Während Vertreter der US-Regierung argumentieren, das Gericht greife unzulässig in die nationale Souveränität ein, betonen Befürworter der internationalen Gerichtsbarkeit, dass die Stärkung des Völkerrechts für den globalen Frieden unverzichtbar bleibt. Die kommenden Monate werden zeigen, ob die Mitgliedstaaten des Internationalen Strafgerichtshofs in der Lage sind, die US-amerikanischen Restriktionen durch koordiniertes politisches und finanzielles Handeln zu umgehen.

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Anna Richter

Über den Autor

Anna Richter leitet das Weltressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet ueber internationale Politik, Diplomatie und geopolitische Entwicklungen mit Fokus auf Kontext, Verlaesslichkeit und Relevanz fuer deutschsprachige Leser.

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