Die US-Regierung hat Microsoft und weitere Technologieunternehmen von einem zentralen Einwanderungsprogramm für qualifizierte ausländische Fachkräfte ausgeschlossen. Vizepräsident JD Vance warf dem Konzern am Donnerstag, dem 8. Oktober 2026, Betrug vor und behauptete, Microsoft habe entlassene US-Arbeitnehmer durch ausländische Kräfte ersetzt.
Die Aussetzung des PERM-Programms für Microsoft und Adobe
Das US-Arbeitsministerium hat Microsoft und Adobe am Donnerstag von der sogenannten Permanent Labor Certification, kurz PERM, suspendiert. Das Programm gilt als entscheidende Brücke für ausländische Arbeitskräfte, die von einem temporären Visum wie dem H-1B in den Status von Permanent Residents übergehen möchten. Arbeitsminister Keith Sonderling erklärte bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Vizepräsident JD Vance in Washington, dass das Ministerium vorerst keine neuen Anträge der betroffenen Unternehmen bearbeiten werde.
Neben Microsoft und Adobe trifft der Stopp nach Angaben von CNBC mehrere große IT-Dienstleister und Outsourcing-Firmen, darunter Cognizant, Infosys, Capgemini, Tata, Wipro und HCL.

Nach Angaben von Arbeitsminister Keith Sonderling haben diese Firmen seit dem Jahr 2009 fast drei Millionen ausländische Arbeitskräfte angefordert. Dabei hätten sie über 230.000 Genehmigungen für H-1B-Visa und mehr als 100.000 dauerhafte Arbeitszertifizierungen erhalten. An der Pressekonferenz nahmen unter anderem der Arbeitsminister und Vizepräsident JD Vance teil. Auch der Generalinspekteur des Arbeitsministeriums, Anthony D’Esposito, äußerte sich zu den Vorwürfen.
Die US-Regierung kündigte zudem an, dass neben den Visamaßnahmen auch Ermittlungen und Vorladungen gegen neun Universitäten wegen angeblicher J-1-Visum-Missbräuche eingeleitet wurden. Betroffen sind nach Angaben der Behörden Harvard, Yale, Stanford, Brown, die University of Pittsburgh, UC Davis, Caltech, Arizona State und MIT.
Vorwürfe von Vizepräsident JD Vance und die Reaktion von Microsoft
Im Rahmen einer Pressekonferenz im Eisenhower Executive Office Building verschärfte JD Vance den Ton gegenüber dem in Redmond, Washington, ansässigen Tech-Riesen. Vance kritisierte, dass Microsoft im vergangenen Jahr rund 6.000 amerikanische Arbeitskräfte entlassen und gleichzeitig 6.300 H-1B-Visa sowie knapp 3.000 Green Cards erhalten habe.
Unser Vorwurf an Microsoft lautet: Ihr seid ein großartiges amerikanisches Unternehmen, aber ihr müsst großartige amerikanische Arbeitskräfte einstellen.

Vicepräsident JD Vance betonte während des Auftritts, dass es keine Firma in den Vereinigten Staaten gegeben habe, die das System mehr ausgenutzt habe als Microsoft. Er bezeichnete das System als skandalös und warf dem Konzern vor, entlassene Amerikaner durch ausländische Arbeitskräfte ersetzt zu haben.
Microsoft widersprach den Darstellungen der US-Regierung umgehend. In einer offiziellen Erklärung betonte das Unternehmen, dass die überwiegende Mehrheit der Beschäftigten in den Vereinigten Staaten amerikanische Staatsbürger seien. Von den rund 6.000 eingereichten H-1B-Anträgen im letzten Geschäftsjahr seien 80 Prozent darauf gerichtet gewesen, bestehende Verträge von bereits im Konzern tätigen Mitarbeitern zu verlängern oder deren Status zu ändern, so die BBC.
Zudem erklärte das Unternehmen, dass Anträge für neue Mitarbeiter ausschließlich für Personen gestellt wurden, die sich bereits legal im Land befanden. Diese machten lediglich ein Prozent der gesamten US-Belegschaft aus. Ein Sprecher verwies zudem darauf, dass Microsoft einigen der höchsten Vergütungssätze im Technologiesektor zahlt und die Löhne für H-1B-Kräfte zu den höchsten des gesamten Programms gehören.
Rechtliche Einschätzungen und der zeitliche Kontrast zu Ehrungen im Weißen Haus
Die Suspendierung sorgt in der Tech-Branche und unter Juristen für erhebliche Unsicherheit. Immigration-Anwälte raten betroffenen Beschäftigten, sich rechtlich beraten zu lassen. Während einige Juristen gegenüber Business Insider erklären, dass die Mehrheit der Betroffenen abwarten oder den Arbeitgeber wechseln könne, warnen andere vor drastischen Konsequenzen für Fachkräfte, deren Visa demnächst auslaufen.
Bemerkenswert ist der zeitliche Kontrast zwischen der harten Gangart des Vizepräsidenten und dem Auftreten von Microsoft-Chef Satya Nadella am selben Tag im Weißen Haus. Präsident Donald Trump zeichnete Nadella und weitere führende Tech-Manager, darunter Elon Musk, Jensen Huang, Lisa Su, Sergey Brin und Michael Dell, mit der National Medal of Technology and Innovation aus. Trump würdigte Nadellas drei Jahrzehnte währendes Wirken bei Microsoft, während kurz zuvor die Visasanktionen verkündet worden waren.
Vor der Zeremonie hatte Vizepräsident JD Vance erklärt, dass man die Beziehungen zu Microsoft zwar schätze und der Konzern eine großartige amerikanische Firma sei, man jedoch gleichzeitig den Weg zu permanenten Aufenthaltsgenehmigungen blockieren müsse, bis das Unternehmen den Fokus wieder stärker auf US-Arbeitnehmer lege.
Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt und internationale Wettbewerbsfähigkeit
Kritiker der Regierungsmaßnahmen bemängeln, dass der harte Kurs gegen das PERM-Programm kontraproduktiv wirken könnte. So warnte ein ehemaliger Berater der US-Behörde USCIS, dass das Blockieren von Arbeitgebern bei der Green-Card-Beschaffung genau den gegenteiligen Effekt erzielen könne, da Arbeitnehmer ohne dauerhaften Aufenthaltsstatus stärker von ihren Arbeitgebern abhängig blieben. Auch namhafte Wirtschaftsexperten argumentieren, dass Einschränkungen bei hochqualifizierten Talenten die Innovationskraft der US-Wirtschaft international schwächen könnten.
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