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Sport

US Open: Kritik von Profis an Content-Creatoren

Die mediale Inszenierung von Tennisturnieren gerät zunehmend mit der sportlichen Konzentration auf dem Platz in Konflikt. Exemplarisch dafür stand eine Szene während des Erstrundenspiels von Naomi Osaka, in der eine laute Gruppe von den teuren Plätzen im Arthur Ashe Stadium mit hellen Lichtern hantierte und die Japanerin beim Aufschlag störte. Die Unparteiische Paula Vieira Souza sah sich zu einer deutlichen Ermahnung veranlasst.

Streit um Content-Creator im Arthur Ashe Stadium

Die Vergabe von Sonderakkreditierungen an sogenannte Content-Creator ist von den Turnierveranstaltern in diesem Jahr spürbar ausgeweitet worden. Während im Vorjahr noch rund 50 Internet-Persönlichkeiten zugelassen waren, hat sich die Zahl bei der aktuellen Auflage auf etwa 100 verdoppelt. Ein Turniersprecher erklärte diesen Schritt damit, dass neue Zuschauergruppen erreicht werden sollen. Um den Sport zu modernisieren, greifen die Organisatoren auf reichweitenstarke Multiplikatoren zurück. Allein 15 bis 20 dieser Creator produzieren nach Berichten Inhalte direkt vor Ort für die Kanäle des Grand-Slam-Turniers.

Kritik von Jessica Pegula an mangelndem Respekt

Unter den Profispielern wächst jedoch der Widerstand gegen die ständige Präsenz von Handelskameras und Selfie-Lichtern am Court. Die amerikanische Weltranglistendritte Jessica Pegula fand nach ihrem Drittrundeneinzug deutliche Worte für das Verhalten einzelner Zuschauer und Influencer in unmittelbarer Nähe des Spielfelds.

Es ist echt hart, solche Videos zu sehen, wenn die Leute Fotos machen und Selfie-Lichter benutzen. Die Leute versuchen da unten aufzutreten, es ist ihr Beruf, ihr Job. Das wirkt irgendwie respektlos.

Die gewachsenen Aktivitäten abseits des Spielfelds sind Teil einer breiter angelegten Strategie der Turnierleitung. Craig Tiley, Chef des verantwortlichen US-Verbands, kündigte an, den Event-Charakter weiter auszubauen und den Fans zahlreiche Erlebnisse zu bieten. Das Turnier solle sich zum Tennis-Disneyland entwickeln, in dem Spieler, Kinder und Erwachsene auf ihre Kosten kommen.

Daniil Medwedew lehnt den Begriff Disneyland ab

Die Vision eines Tennis-Disneyland stößt im Spielerkreis allerdings nicht bei jedem auf Gegenliebe. Der frühere US-Open-Sieger Daniil Medwedew bezog kritisch Stellung zu dieser Begrifflichkeit, auch wenn er dem wirtschaftlichen Nutzen der Entwicklung abgewinnen kann.

US Open: Kritik von Profis an Content-Creatoren
Photo: Eurosport

„Disneyland? Das Wort mag ich nicht. Es ist immer noch ein Sport, in dem wir auf eine Art um unser Leben kämpfen.“

Zugleich räumte der 30-jährige Profi ein, dass die gesteigerte Aufmerksamkeit und die Einbindung neuer Zielgruppen das Interesse am Tennissport insgesamt fördern können. Der Russe betonte, dass die Marketingmaßnahmen den Sport wachsen lassen. Die Debatte verdeutlicht den schmalen Grat zwischen moderner Medienvermarktung und der Wahrung sportlicher Integrität auf den Plätzen von New York.

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Felix Neumann

Über den Autor

Felix Neumann leitet das Sportressort von Germanic Nachrichten. Er berichtet ueber Fussball, internationale Turniere und Leistungssport und verbindet Ergebnisberichterstattung mit analytischem Hintergrund.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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