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US-Diabetestagung „gestürmt“: Fachleute erbost über Polizeieinsatz

Die Polizei entfernte führende Diabetologen von einer Fachkonferenz in New Orleans, nachdem diese gegen Forschungskürzungen der Trump-Regierung protestiert hatten. Laut news.ORF.at rief die American Diabetes Association (ADA) die Beamten, was zum Ausschluss von Experten und Festnahmeandrohungen für Kritiker der aktuellen Wissenschaftspolitik führte.

Warum die Polizei in New Orleans eingriff

Im Eingangsbereich eines Kongresszentrums in New Orleans verteilten hochrangige Vertreter der American Diabetes Association (ADA) Kopien eines kritischen Kommentars zur Wissenschaftspolitik der Trump-Regierung. Die Aktion richtete sich gegen die Kürzung staatlicher Forschungsgelder in Milliardenhöhe, berichtet news.ORF.at. Der entsprechende Text war bereits am 29. April in der Fachzeitschrift „Diabetes Care“ erschienen.

Die American Diabetes Association (ADA) ist die führende Organisation in den Vereinigten Staaten, die sich der Bekämpfung von Diabetes widmet. Ihr jährlicher Kongress gilt als eines der wichtigsten Treffen für Kliniker und Forscher weltweit, um neue Behandlungsstandards und Forschungsergebnisse zu diskutieren. Dass die Organisation in diesem Rahmen die Polizei anforderte, markiert einen ungewöhnlichen Bruch mit der üblichen Praxis wissenschaftlicher Konferenzen, auf denen fachliche Debatten im Vordergrund stehen.

Warum die Polizei in New Orleans eingriff

Die Veranstalter des Diabeteskongresses riefen die Polizei, die die Fachleute daraufhin aus dem Gebäude entfernte. Laut news.ORF.at drohten die Beamten den Aktivisten mit Festnahmen, sollten sie die Räumlichkeiten erneut betreten. Diese Maßnahme verhinderte laut dem Bericht auch, dass einige der Protestierenden an geplanten Veranstaltungen der Konferenz als Moderatoren oder Redner teilnehmen konnten.

Unter den Betroffenen befanden sich führende US-Diabetologen, darunter Desmond Schatz, ein ehemaliger ADA-Chef, sowie Steven Kahn, der Chefredakteur von „Diabetes Care“. Die Entfernung von Personen mit diesem Rang innerhalb der medizinischen Hierarchie unterstreicht die Intensität des Konflikts zwischen der wissenschaftlichen Leitung der Fachgesellschaft und ihrer organisatorischen Führung.

Kritik an den Forschungskürzungen der Trump-Regierung

Der Protest war als Kontrapunkt zur Eröffnungsrede von Jay Bhattacharya geplant. Bhattacharya, der von der Trump-Regierung zum Direktor der National Institutes of Health (NIH) ernannt wurde, sagte seinen Auftritt kurzfristig ab und schickte einen Vertreter.

Die National Institutes of Health (NIH) bilden die primäre Regierungsbehörde der USA für biomedizinische und gesundheitspolitische Forschung. Sie bestehen aus zahlreichen Instituten und Zentren und gelten als die weltweit wichtigste medizinische Forschungseinrichtung, da sie einen Großteil der Grundlagenforschung finanziert, auf der neue Medikamente und Therapien basieren. Kritiker bemängeln insbesondere die Beschneidung der Gelder für die NIH, so news.ORF.at.

Die Ernennung von Jay Bhattacharya an die Spitze der NIH ist in diesem Kontext von besonderer Bedeutung, da die Leitung dieser Behörde maßgeblich darüber entscheidet, welche Forschungsbereiche Priorität erhalten und wie staatliche Mittel verteilt werden. Die Kürzungen in Milliardenhöhe werden von den protestierenden Medizinern als existenzielle Bedrohung für den medizinischen Fortschritt gewertet.

Der im Zentrum des Protests stehende Kommentar in der Zeitschrift „Diabetes Care“ beschrieb die Situation mit folgenden Worten:

„Fehlgeleitete Striche einer Füllfeder demontieren und zerstören weiterhin die biomedizinische Forschung in den Vereinigten Staaten: Wir können uns Selbstzufriedenheit und Angst nicht mehr leisten. Wir müssen jetzt handeln“

Titel des Kommentars in der Fachzeitschrift „Diabetes Care“, zitiert nach news.ORF.at

Vorwürfe der Meinungsunterdrückung innerhalb der ADA

Innerhalb der medizinischen Fachgemeinschaft löste der Polizeieinsatz Empörung aus. Viele Diabetologen werten das Vorgehen als Unterdrückung der Meinungsfreiheit, insbesondere da der Protest auf einem Text basierte, der in einer anerkannten Fachzeitschrift veröffentlicht wurde und somit Teil des wissenschaftlichen Diskurses ist.

John Buse, ein Mitautor des Leitartikels, Herausgeber von „Diabetes Care“ und ehemaliger ADA-Chef, äußerte sich über den Einsatz.

„Für mich war das unvorstellbar. Es war zwar nicht undenkbar, dass jemand von der ADA auf uns zugekommen wäre und gesagt hätte: ‚Das ist nicht in Ordnung, bitte unterlassen Sie das‘, aber es war schockierend für mich, dass sie die Polizei einsetzten.“

John Buse, zitiert über den US-Biomedizin-Informationsdienst STAT in news.ORF.at

Laut dem US-Biomedizin-Informationsdienst STAT, wie news.ORF.at berichtet, beunruhigte die aggressive Reaktion der Organisation langjährige ADA-Mitglieder. Die Sorge gilt dabei nicht nur der internen Integrität der ADA als wissenschaftliche Institution, sondern auch den weitreichenderen Folgen für die Gesundheitsversorgung. In der Fachwelt wird befürchtet, dass eine politische Einflussnahme auf die Forschungsfinanzierung und die Unterdrückung kritischer Stimmen die Qualität der Diabetesversorgung und die Entwicklung neuer Therapien in den Vereinigten Staaten langfristig beeinträchtigen könnte.

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Anna Richter

Über den Autor

Anna Richter leitet das Weltressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet ueber internationale Politik, Diplomatie und geopolitische Entwicklungen mit Fokus auf Kontext, Verlaesslichkeit und Relevanz fuer deutschsprachige Leser.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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