Tesla atmet auf, doch die Erleichterung in Austin und Palo Alto ist nur von kurzer Dauer. Die US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA hat ihre Untersuchung zur Fernsteuerungsfunktion „Actually Smart Summon“ eingestellt. Für Elon Musks Konzern ist das ein wichtiger regulatorischer Etappensieg, da ein kostspieliger physischer Rückruf von rund 2,6 Millionen Fahrzeugen abgewendet wurde. Doch während die Akte zum Fernparken geschlossen wird, zieht die Behörde bei der weitaus kritischeren „Full Self-Driving“-Software (FSD) die Zügel massiv an. Es ist ein klassisches Spiel aus Entwarnung und Eskalation.
Ein Sieg durch Software-Updates
Die NHTSA beendete die Prüfung der Summon-Funktion, weil die Bilanz der Vorfälle schlicht nicht schwerwiegend genug war. Rund 159 gemeldete Unfälle klingen zunächst nach viel, doch bei Millionen von Nutzungssitzungen bleibt die Quote verschwindend gering. Die Autos prallten gegen Garagentore, Parkpfosten oder andere Fahrzeuge – meist bei niedriger Geschwindigkeit und mit minimalen Sachschäden. Es gab keine Verletzten, keine Toten und keine Fälle, in denen Airbags auslösten.
Entscheidend war hierbei die technische Antwort von Tesla. Das Unternehmen nutzte seine Over-the-Air-Updates (OTA), um die Schwachstellen direkt im Betrieb zu beheben. Sechs Updates optimierten die Hinderniserkennung und die Reaktion auf dynamische Objekte. Besonders die Problematik von verschneiten oder beschlagenen Kameralinsen, die das System zuvor oft blind machten, wurde softwareseitig adressiert. Die Behörde erkennt damit an, dass drahtlose Updates ein effektives Werkzeug zur Risikominimierung sind.
Das FSD-Problem: Wenn die Analyse zur Gefahr wird
Wer glaubt, Tesla habe nun ein Freibrief für seine Autonomie-Ambitionen, irrt. Die NHTSA hat die Untersuchung der FSD-Software vor kurzem zu einer „technischen Analyse“ hochgestuft. Das ist in der Sprache der US-Behörden ein Alarmzeichen, da eine solche Analyse oft der direkte Vorbote eines massiven Rückrufs ist. Betroffen sind hier etwa 3,2 Millionen Fahrzeuge.
Die Behörde hegt ernsthafte Zweifel daran, ob die Systeme Fahrer in realen Situationen ausreichend warnen. Es gibt Berichte über 58 Zwischenfälle, bei denen die Software Tesla-Modelle auf die Gegenfahrbahn lenkte oder rote Ampeln ignorierte. Hier geht es nicht mehr um zerkratzte Stoßstangen in einer Einfahrt, sondern um 23 Verletzte. Diese Diskrepanz zwischen dem „harmlosen“ Fernparken und dem gefährlichen Autobahn-Autopiloten dämpft die Euphorie der Anleger spürbar.
Marktdruck und Lagerbestände: Die operative Kehrseite
Neben den regulatorischen Kämpfen kämpft Tesla mit harten wirtschaftlichen Zahlen. Im ersten Quartal 2026 lieferte das Unternehmen rund 358.000 Fahrzeuge aus – deutlich weniger als Analysten erwartet hatten. Das Problem: Die Produktion lief weiter. Über 408.000 Autos rollten vom Band, was bedeutet, dass über 50.000 Fahrzeuge direkt in die Lager wanderten. Ein wachsender Bestand ist für einen Hersteller, der auf Effizienz setzt, ein gefährliches Signal.
Ein Lichtblick kommt aus Asien. In Südkorea schossen die Neuzulassungen im März um 330 % auf über 11.000 Einheiten hoch. Tesla nutzt hier aggressive Preisstrategien für in China produzierte Model 3 und Model Y. Das steigert zwar die Volumenquote, setzt aber die Margen unter Druck. Anleger müssen nun abwägen, ob die Volumensteigerung den potenziellen Gewinnverlust pro Fahrzeug rechtfertigt.
Zwischen Energie-Gewinnen und Software-Risiken
Während die Automobilsparte schwankt, beweist die Energiesparte ihre Stärke. Trotz eines Rückgangs der installierten Speicherkapazitäten auf 8,8 Gigawattstunden im ersten Quartal bleibt dieser Bereich mit Margen von rund 30 % hochprofitabel. Fast fünf Milliarden Dollar an erwarteten Einnahmen aus laufenden Projekten stützen das Gesamtergebnis des Konzerns.
Tesla steht an einem Wendepunkt. Die Fähigkeit, regulatorische Probleme per Software-Update zu lösen, ist ein massiver Wettbewerbsvorteil. Doch die FSD-Software ist das Versprechen, auf dem die gesamte zukünftige Bewertung des Unternehmens fußt. Sollte die NHTSA hier einen harten Kurs fahren, könnte das den Druck auf die Aktie trotz der Erfolge in Südkorea oder der Energiesparte massiv erhöhen.
Was genau war die „Actually Smart Summon“-Funktion?
Es handelt sich um ein System, das es Besitzern ermöglicht, ihr Tesla-Fahrzeug über eine Smartphone-App fernzusteuern. Das Auto bewegt sich so über kurze Distanzen, etwa auf Parkplätzen oder privaten Einfahrten, zu einem definierten Ziel.
Warum wurde die Untersuchung eingestellt, obwohl es Unfälle gab?
Die NHTSA kam zu dem Schluss, dass die Unfälle selten waren und nur geringfügige Sachschäden verursachten. Da es keine schweren Verletzungen oder Todesfälle gab und Tesla die Fehler durch OTA-Software-Updates behob, sah die Behörde keinen weiteren Handlungsbedarf.
Welche Konsequenzen hat die „technische Analyse“ der FSD-Software?
Eine technische Analyse ist eine Eskalationsstufe der NHTSA. Sie deutet darauf hin, dass die Behörde tiefgreifende Sicherheitsmängel vermutet, was in der Regel zu einem offiziellen Rückruf der betroffenen Software für Millionen von Fahrzeugen führt.