Eine schwere Gewitterfront verursachte am vergangenen Samstag in Kärnten und der Steiermark massive Überschwemmungen und Stromausfälle, die laut der Landesalarm- und Warnzentrale (LAWZ) zu rund 150 Feuerwehreinsätzen führten. Besonders betroffen waren Villach und Greifenburg, wo Starkregen und Orkanböen Gebäude überfluteten und die Stromversorgung für etwa 2.000 Haushalte unterbrachen.
Überflutungen in Villach: Stadtteile Manhattan und Lind im Ausnahmezustand
Photo: Kurier
Gegen 17:00 Uhr zog eine massive Unwetterfront über das Stadtgebiet von Villach und löste innerhalb weniger Stunden mehr als 50 Feuerwehreinsätze aus. Die Intensität des Niederschlags führte dazu, dass Kanaldeckel aufgeschwemmt wurden und Unterführungen so stark überfluteten, dass wichtige Hauptzufahrtswege zur Stadt gesperrt werden mussten.
Besonders verheerend waren die Auswirkungen in den Außenbezirken. Laut MeinBezirk konzentrierte sich die Zerstörung auf spezifische Wohngebiete.
Alexander Scharf, Öffentlichkeitsbeauftragter und Zugskommandant der Hauptfeuerwache Villach
Im Stadtteil Manhattan war nahezu eine gesamte Siedlung von vollgelaufenen Kellern betroffen. Die Hauptfeuerwache Villach musste mit 35 Einsatzkräften und zwölf Fahrzeugen über vier Stunden hinweg im Dauereinsatz bleiben, um Fahrzeuge aus Unterführungen zu bergen und Gefahrenstellen durch umgestürzte Verkehrsleiteinrichtungen zu beseitigen.
Die Schäden beschränkten sich nicht nur auf Privatwohnungen.
Alexander Scharf, via ORF Kärnten
Greifenburg: 40 Liter Regen pro Stunde und ein gescheitertes Jubiläum
Photo: Kronen Zeitung
Bereits gegen 16:00 Uhr traf das Unwetter das obere Drautal. In Greifenburg kam es zu einer extremen Niederschlagsmenge, die die lokale Infrastruktur kollabieren ließ. Bürgermeister Josef Brandner schätzte, dass innerhalb von nur 60 Minuten etwa 30 bis 40 Liter Wasser pro Quadratmeter fielen.
Diese Wassermassen führten dazu, dass in etwa 12 bis 15 Wohnobjekten das Wasser in den Erdgeschossräumen bis zu 20 Zentimeter hoch stand, während die Keller vollständig überflutet wurden. Laut ORF Kärnten mussten die Feuerwehren in diesen Häusern massiv auspumpen.
Ein besonderer Schlag traf die lokale Gemeinschaft: Die Vorbereitungen für das 75-Jahr-Trachtenkapellen-Jubiläumsfest mussten abgebrochen werden. Auf dem Festgelände wurden zwei ausgewachsene Fichtenbäume entwurzelt und stürzten auf ein Vorzelt. Vier Männer konnten sich in letzter Sekunde retten, bevor die Bäume einschlugen.
Regionale Auswirkungen: Von Klagenfurt-Land bis nach Graz
UNWETTER-WARNUNGEN: Schwere Gewitter – Örtlich drohen Überflutungen und Hagelschäden
Die Unwetterfront beschränkte sich nicht auf das Drautal. Im Bezirk Klagenfurt-Land trat im Bärental ein Bach über die Ufer und bedrohte ein Wohnhaus. Insgesamt identifizierte die LAWZ die Bezirke Spittal an der Drau, Villach-Land und Klagenfurt-Land als die am stärksten betroffenen Gebiete in Kärnten.
Auch die Steiermark meldete schwere Vorfälle. Wie der Kurier berichtet, kam es im Mürztal und in Graz zu zahlreichen Einsätzen. In Kapfenberg-Diemlach wurden ein Einkaufszentrum, mehrere Keller und eine Tiefgarage überflutet, während im Feuerwehrverband Mürzzuschlag Hangrutschungen gesichert werden mussten.
In Graz führte der Starkregen zu einer Lähmung des öffentlichen Verkehrs und der Veranstaltungsbranche:
Das Augartenfest wurde aufgrund der Regengüsse abgesagt.
Straßenbahnen in der Herrengasse kamen zum Stillstand, da die Oberleitungen beschädigt worden waren.
Infrastrukturschäden und menschliche Kosten
Die Kombination aus Starkregen und Orkanböen führte zu massiven Ausfällen in der Energieversorgung. Umstürzende Bäume rissen Stromleitungen mit sich, wodurch rund 2.000 Haushalte vorübergehend ohne Strom waren. In Fürnitz (Villach-Land) hielt dieser Zustand noch bis Sonntagfrüh an.
Ein schwerer Verkehrsunfall ereignete sich im Bereich Emberg. Eine zweifache Mutter versuchte, ihren Pkw vor dem heraufziehenden Hagel und Regen in Sicherheit zu bringen, kam dabei von der Straße ab und überschlug sich. Während das Fahrzeug schwer beschädigt wurde, erlitt die Fahrerin glücklicherweise nur leichte Verletzungen.
Die Bilanz des Samstags verdeutlicht die zunehmende Anfälligkeit urbaner Räume gegenüber extremen Wetterereignissen. Wenn in einer Stunde 40 Liter Regen fallen, stoßen selbst moderne Kanalisationssysteme in Städten wie Villach an ihre Grenzen, was die Überflutung ganzer Siedlungen wie im Stadtteil Manhattan erklärt.
In Wolfsberg endete der Samstag zudem mit einem dramatischen Einsatz: Zwei Feuerwehrleute wurden verletzt, nachdem sie bei der Beseitigung eines umgestürzten Baumes von einem Blitz getroffen wurden.
Jonas Becker verantwortet das Nachrichtenressort von Germanic Nachrichten. Sein Fokus liegt auf schneller, praeziser und sauber verifizierter Berichterstattung zu Politik, Gesellschaft und aktuellen Entwicklungen in Deutschland.
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