Das Griechische Rote Kreuz hat Mitte Juni 2026 erstmals offizielle Erste-Hilfe-Anweisungen für Bisse des invasiven Hasenkopf-Kugelfisches veröffentlicht. Die aus dem Indopazifik stammende Art breitet sich im östlichen Mittelmeer aus und greift Badegäste zunehmend in flachen Gewässern an, während ihr hochgiftiges Fleisch beim Verzehr tödlich wirkt.
Tiefe Fleischwunden und tödliches Nervengift
Photo: 20 Minuten
Der Hasenkopf-Kugelfisch (Lagocephalus sceleratus) stellt eine doppelte Gefahr für Menschen dar. Einerseits besitzt das Tier ein kräftiges, schnabelartiges Gebiss, das tiefe Fleischwunden und starke Blutungen verursachen kann. Wie Welt berichtet, sind die Kiefer so stark, dass die Fische problemlos Aluminiumdosen durchbeißen können.
Ein Biss ist zwar nicht giftig, doch der Verzehr des Tieres ist lebensgefährlich. Das gesamte Körpergewebe enthält das Nervengift Tetrodotoxin, das bereits in geringen Mengen tödlich wirkt. Symptome einer Verzehrvergiftung beginnen laut MSD Manual mit Missempfindungen im Gesicht sowie an den Extremitäten und können über Übelkeit und Erbrechen bis hin zu einer tödlichen Atemlähmung führen.
Ausbreitung an griechischen Badestränden
Photo: blue News
Die invasive Art ist bereits seit 2005 in griechischen Gewässern vor Kreta und den Dodekanes-Inseln nachgewiesen worden. Seit 2013 hat sich die Population massiv ausgeweitet und erreicht mittlerweile die Küste von Attika. Laut 20 Minuten wurden Sichtungen an beliebten Orten wie Saronida, Kavouri, Voula, Vari und Vouliagmeni an der Athener Riviera sowie in Lefkandi und Eretria auf Euböa gemeldet.
Besorgniserregend ist die Verhaltensänderung der Tiere. Meeresbiologen beobachten, dass die Kugelfische zunehmend aggressiv auftreten und oft in Rudeln schwimmen. Sie zeigen kaum Scheu vor Menschen und halten sich teilweise in einer Wassertiefe von nur 20 Zentimetern auf. Diese Aggressivität wird auf das Fehlen natürlicher Feinde im Mittelmeer zurückgeführt.
Im Juni 2026 wurden an der Nordküste Kretas, konkret am Strand von Ammoudara bei Heraklion, zehn Exemplare mit einem Gewicht von jeweils etwa elf Kilogramm in einer Tiefe von nur 1,5 bis zwei Metern gefangen.
Wirtschaftliche Verluste für die Küstenfischerei
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Neben der Gefahr für Touristen destabilisiert der Kugelfisch das lokale Ökosystem und die Wirtschaft. Als Allesfresser ernährt er sich von Garnelen, Krabben, Tintenfischen und kommerziell wertvollen Arten wie Meerbrassen.
Für die Fischer in Regionen wie Kreta ist die Invasion existenzbedrohend. Laut blue News zerstören die Tiere systematisch die Netze, indem sie sich durch das Material beißen, und fressen die Köder samt Angelhaken weg. Das Griechische Zentrum für Meeresforschung schätzt den durchschnittlichen finanziellen Verlust für betroffene Fischer auf mehr als 6.000 Euro pro Jahr.
Kopfgelder als Strategie gegen die Invasion
Um die Population zu reduzieren, setzen mehrere Anrainerstaaten auf finanzielle Anreize. Da der Fang und Verkauf des giftigen Fisches in Griechenland, der Türkei und Zypern strikt verboten ist, wird der gezielte Entzug aus dem Meer durch Prämien gefördert.
Laut der Augsburger Allgemeinen gibt es derzeit unterschiedliche Sätze für den gefangenen Fisch:
Region / Behörde
Prämie pro Kilogramm
Kreta, Dodekanes, Zypern
4,80 Euro
Griechisches Landwirtschaftsministerium (geplant)
6,00 Euro
Auch die Türkei unterstützt den gezielten Fang finanziell, um die Ausbreitung der über den Suezkanal eingewanderten Art zu begrenzen.
Erste-Hilfe-Maßnahmen des Roten Kreuzes
Aufgrund der steigenden Zahl von Beissvorfällen, die teilweise Behandlungen in Krankenhäusern erforderlich machten, hat das Griechische Rote Kreuz spezifische Protokolle erstellt. Die Verletzungen traten laut Berichten vor allem an den Beinen auf, in Einzelfällen jedoch auch im Gesäss- und Genitalbereich.
Wie Ö3 berichtet, empfiehlt das Rote Kreuz bei einem Biss folgendes Vorgehen:
Die Wunde sofort gründlich mit fließendem Wasser und Seife reinigen.
Auf die Anwendung von Antiseptika ohne ärztliche Anweisung verzichten.
Mit sauberen Tüchern oder einer sterilen Kompresse gleichmäßigen, starken Druck auf die Wunde ausüben, um die Blutung zu stoppen.
Die betroffene Extremität hochlagern.
Zwingend einen Arzt aufsuchen, um die Wunde chirurgisch versorgen zu lassen und den Tetanusschutz zu prüfen.
Bei starken, anhaltenden Blutungen oder Vorfällen in abgelegenen Gebieten soll umgehend der Rettungsdienst über die griechische Notrufnummer 166 oder den europäischen Notruf 112 alarmiert werden.
Anna Richter leitet das Weltressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet ueber internationale Politik, Diplomatie und geopolitische Entwicklungen mit Fokus auf Kontext, Verlaesslichkeit und Relevanz fuer deutschsprachige Leser.
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