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Gesundheit

Untersuchungsnetzwerke entdecken zelluläre Unterschiede bei jüngeren Darmkrebspatienten

Wissenschaftler haben den bisher größten Einzelzell-Atlas von Darmkrebs veröffentlicht und dabei deutliche zelluläre Unterschiede bei jüngeren Patienten entdeckt. Die am 29. Oktober 2026 im Fachjournal Nature Medicine vorgestellten Ergebnisse von Forschern des Dana-Farber Cancer Institute, von Mass General Brigham und des Broad Institute bieten neue Ansätze zur Erforschung aggressiver Krebserkrankungen bei unter 50-Jährigen.

Ein beispielloser Zellatlas für junge Darmkrebspatienten

Um dem medizinischen Rätsel des frühen Ausbruchs auf den Grund zu gehen, analysierte ein Forschungsnetzwerk insgesamt 189 Primärtumoren aus Patienten-Altersgruppen zwischen 29 und über 90 Jahren. Die Untersuchung umfasste mehr als 850.000 einzelne Zellkerne und stellt damit die bislang umfassendste Einzelzellkarte dieser Krebsart dar. Beteiligt an dem Projekt waren Wissenschaftler des Dana-Farber Cancer Institute, des Gene Lay Institute of Immunology and Inflammation bei Mass General Brigham sowie des Broad Institute.

Zu den an der Studie beteiligten Personen gehören Caroline B. M. Porter, Shane P. Murphy, Jules Cazaubiel, Toni M. Delorey, Liat Amir-Zilberstein, Orr Ashenberg, Liubou Klindziuk, Elizabeth Andrews, William Tan, Kosuke Matsuda, Atsushi Kondo, Satoko Ugai, Tomotaka Ugai, Shuji Ogino, Emily Finan, Jacques Deguine, Ewa Sicinska, Lauren K. Brais, Jennifer S. Thalappillil, Marios Giannakis, Ramnik J. Xavier, Ana C. Anderson und Kimmie Ng. Die Primärtumoren mit einer pathologischen Adenokarzinom-Diagnose stammten aus dem Operationssaal von Patienten, die im Rahmen der Dana-Farber/Harvard Cancer Center Protokolle 03-189, 11-104, 14-091, 14-408, 17-000 und/oder 20-000 der Forschung zugestimmt hatten. Die Proben wurden schockgefroren und bei -80 °C in der Biobank des DFCI Gastrointestinal Cancer Center gelagert, wo klinische Forschungskoordinatoren demografische und klinische Daten manuell aus den Krankenakten erfassten.

Darmkrebs ist bei Menschen unter 50 Jahren inzwischen die häufigste krebsbedingte Todesursache in den Vereinigten Staaten. Während die Neuerkrankungsraten bei älteren Bevölkerungsgruppen seit Jahren rückläufig sind, steigen sie bei jüngeren Erwachsenen und Kindern stetig an. Laut Daten der American Cancer Society kletterten die Diagnoseraten bei unter 50-Jährigen zwischen 2013 und 2022 jährlich um knapp 3 Prozent. Zudem zeigen breitere Analysen des SEER-21-Programms, dass die altersbereinigte Inzidenzrate im Jahr 2000 bei 55,2 pro 100.000, im Jahr 2022 bei 36,7 pro 100.000 und im Jahr 2023 bei 38,3 pro 100.000 lag – ein leichter Anstieg nach jahrelangen Rückgängen, der sich über SEER 21 mit Daten aus 21 geografischen Krebsregisterbereichen und einer Abdeckung von 45,8 % der US-Bevölkerung erstreckt.

Untersuchungsnetzwerke entdecken zelluläre Unterschiede bei jüngeren Darmkrebspatienten
Foto: Yahoo

Bindegewebe und Genaktivität als mögliche Schutzschilde für den Tumor

Dabei zeigte sich bei der häufigsten Form von Darmkrebs ein bemerkenswerter struktureller Unterschied: Tumoren von jüngeren Patienten wiesen einen signifikant höheren Anteil an Binde- und Stützgewebe im Vergleich zu den eigentlichen Krebszellen auf.

Ana Anderson sagte laut KSL News: „Genau gesagt fanden wir heraus, dass Stromazellen – also die Zellen, die quasi das Bindegewebe bilden – in den Tumoren jüngerer Patienten im Vergleich zu den bösartigen Krebszellen in einem höheren Verhältnis vorkommen.

Diese sogenannten Stromazellen sind zwar keine Krebszellen, bilden jedoch die unmittelbare Umgebung des Tumors. Sie können das Immunsystem unterdrücken und als physikalische Barriere wirken, die Chemotherapiemedikamente daran hindert, zu den Krebszellen vorzudringen. In anderen soliden Krebsarten wird ein hoher Anteil solcher Zellen bereits mit einer Resistenz gegen Chemotherapie in Verbindung gebracht. Die Studienautoren betonen jedoch, dass in der aktuellen Untersuchung die tatsächliche Therapieresistenz nicht direkt getestet wurde und es sich um eine deskriptive Studie von chirurgisch entferntem Gewebe handelt.

Zusätzlich stellten die Wissenschaftler fest, dass Tumoren jüngerer Menschen eine erhöhte Aktivität von Genen aufweisen, die mit der Zell-zu-Zell-Kommunikation und dem Übergang von Epithel- zu Mesenchymzellen zusammenhängen, was die Wanderung der Krebszellen im Körper begünstigen könnte.

Forschungsrichtung und neue Hoffnung für betroffene Familien

Die Veröffentlichung dieses Datenatlas markiert nach Ansicht der beteiligten Mediziner einen entscheidenden Wendepunkt in der Onkologie. Bisher standen Ärzte vor dem Problem, dass junge Patienten trotz guter körperlicher Verfassung oft aggressivere Verläufe zeigten und auf Standardtherapien schlechter ansprachen.

Untersuchungsnetzwerke entdecken zelluläre Unterschiede bei jüngeren Darmkrebspatienten
Foto: Newswise

Ana Anderson erklärte gegenüber Yahoo: „Denn bis jetzt hatten wir mehr Fragen als Antworten.

Auch Dr. Kimmie Ng, Direktorin des Young-Onset Colorectal Cancer Center am Dana-Farber Cancer Institute, unterstrich die Bedeutung der Ergebnisse für die klinische Forschung:

Young-Onset Colorectal Cancer Tumors Hold More Stromal Cells
Foto: Medical Daily

Dr. Kimmie Ng teilte Newswise mit: „Im Young-Onset Colorectal Cancer Center erleben wir, wie tiefgreifend diese Krankheit jüngere Patienten und ihre Familien beeinträchtigen kann, oft während der geschäftigsten und prägendsten Jahre des Lebens.

Leser sollten zu diesen Fragen stets qualifizierte Mediziner konsultieren.

Zu den weiteren Ansprechpartnern für Medienanfragen im Zusammenhang mit der Veröffentlichung gehören Victoria Warren vom Dana-Farber Cancer Institute, Liz Murphy von Mass General Brigham sowie Corie Lok vom Broad Institute.


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Dr. Lena Hartmann

Über den Autor

Dr. Lena Hartmann leitet das Gesundheitsressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet seit ueber zehn Jahren ueber Praevention, Medizinpolitik und digitale Gesundheit und legt besonderen Wert auf verstaendliche, quellenbasierte Einordnung.

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